Eine sehr persönliche Hommage an den Lebensmittelpunkt

„Rathaus mit Marienbrunnen“, Öl auf Leinwand.
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„Rathaus mit Marienbrunnen“, Öl auf Leinwand.

Wasserburg – Raumgreifende Bildkompositionen von Stefan Scherer sind derzeit im Museum der Stadt Wasserburg zu sehen.

Der Wasserburger Künstler zeigt dabei in einer bemerkenswerten Farben- und Formensprache seine ganz persönliche Sichtweise auf das Lebensgefühl in der Innstadt.

PixelartigeKonturen

Stefan Scherer hat seine Ausstellung „Busstop“ genannt. Zu verstehen ist der Titel wohl als Allegorie, die erfolgreiche Suche nach einem Ort, wo man ankommt, sich wohlfühlt und finden kann.

Nach Zwischenstopps in Zürich, Hamburg, München und Sylt kam der Künstler vor 20 Jahren nach Wasserburg. Hier war seine bislang letzte Haltestation. Hier ist seitdem sein Lebensmittelpunkt. „Busstop“ steht deshalb auch für eine Hommage an die Innstadt mit ihrer besonderen Lage und Architektur und ihren Bewohnern, wie die Auswahl der Motive schnell verdeutlicht.

Mit großformatigen Ölgemälden thematisiert Stefan Scherer Lebenswelten in der Altstadt. Im Bild „Stechl Keller“ erschließt sich beispielsweise dem Beobachter eine geschäftige Szene aus dem Service eines bekannten Wasserburger Lokals. Dazu nutzt Scherer die künstlerische Unschärfe im Bild, um eine filmische Bewegung und Geschwindigkeit zu suggerieren.

Wie über einen Monitor betrachtet verschwimmen Linien und Konturen fast pixelartig. Auch in seinen Architekturbildern nutzt der Künstler das Phänomen einer beginnenden Auflösung des Gegenständlichen hin zur Abstraktion. Fast schon surreal wirkt das Bild des aufgelassenen Bahnwärterhauses am Bahnübergang Reitmehring. Oft erscheinen die Darstellungen unscharf wie hinter Milchglas.

Dennoch sind sie immer klar zu identifizieren. Wer mit Wasserburg vertraut ist, dem eröffnet sich eine Vielzahl bekannter Bilderszenen. Stadtbildprägende Gebäude wie das Rathaus mit seinem Marienbrunnen oder die Post am alten Bahnhof führen auf einen Rundgang durch die Stadt aus der Sichtweise des Künstlers.

Völlig dem Abstrakten zugewandt präsentiert sich Scherers fünfteiliger Zyklus „Display I - V“. In den großformatigen Gemälden auf Acrylglas verbinden sich Basiselemente der Malerei wie Leinwand, Keilrahmen, Form und Farbgebung zu einer außergewöhnlichen Synthese zwischen Tafelbild und Objektkunst. Gewohnterweise trennt Glas den Betrachter vom Bildobjekt. Hier entsteht ein gegenteiliger Effekt. Das Gemälde wird zugleich zum Objekt und umgekehrt.

Die spiegelnd glatte Oberfläche schärft zudem die Tiefenwahrnehmung der Farben. Scherer nimmt damit Bezug zu einer Veränderung und Anpassung der Wahrnehmung in einer digitalen und teils virtuellen Welt, wie sie schon heute über Handydisplays und Monitore erlebt wird. In Summe betrachtet bietet Stefan Scherers „Busstop“ den Besuchern eine ebenso spannende wie interessante Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Impressionen einer mittelalterlichen Stadt und seinen persönlichen Motiven, Wasserburg als Lebensmittelpunkt zu wählen. Mit dem früheren Heimathaus, das heute Museum Wasserburg heißt, hätte sich auch kein besserer Ort für „Busstop“ finden lassen können.

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