„Orgelkonzert da hoam“

Bad Aibling: Eine musikalische Aufmunterung in schwierigen Zeiten

Konrad Liebscher an der Orgel.
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Konrad Liebscher an der Orgel.

Wenn die Zuhörer nicht ins Konzert kommen können, dachte sich der Kirchenmusiker und Organist Konrad Liebscher aus Bad Aibling, komme ich zu ihnen – wenn auch nur online.

Rosenheim - „Orgelkonzert da hoam“ nennt er sein Streaming-Konzert an der Orgel von Mariä Himmelfahrt in Bad Aibling, das er mit vier Mikrofonen und vier Kameras professionell in Szene setzt. Die jeweiligen Ansagen trennte er von den gespielten Stücken, sodass man sich individuell alles oder nur einzelne Teile anhören kann.

Man kann dem Organisten genau auf die Finger und auf die Füße schauen, Bilder aus der Kirche und von den Noten bringen Abwechslung. Circa eine Stunde dauert das Konzert, das online kostenlos abrufbar ist.

Liebscher hat vier Stücke von weniger bekannten Orgelkomponisten ausgewählt, die sich heiter-lebhaft bis fröhlich anhören: eine musikalische Aufmunterung in schwierigen Zeiten. Schließlich will der Organist, wie er in seiner Einleitung sagt, mit seiner Ak tion „etwas Freude und Hoffnung geben.“

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So stürmt die „Toccata in G“ des Organisten und Direktors des Pariser Konservatoriums Théodor Dubois (1837-1924) lebhaft los wie eine Polka mit Auftaktimpulsen im Pedal, die wie ein aufmunternder Schulterschlag wirken, und einem sanglichen Mittelteil, den Liebscher recht romantisch registriert.

Das „Flötenkonzert in F-Dur“ von Johann C. H. Rinck (1770-1846), der als Universitätsmusikdirektor in Gießen und dann als Hoforganist in Darmstadt wirkte, ist nicht für eine wirkliche Flöte, sondern für das Orgel-Flötenregister geschrieben. Liebscher kostet diese galant flötende und tirilierende Musik mit Oberstimmenmelodik über Aliberti-Bässen, Solostimmen gegen Tuttiwirkungen und freien Kadenzen schön aus.

Das „Rondo in G-Dur“ von André Knevel (geboren 1951) schnurre fröhlich wie eine Katze, sagt Liebscher – und dieses Stück klingt wirklich so. Der Schlusspunkt ist die „1. Orgelsonate in D-Dur“ von Alexandre Guil mant (1837-1911). Prachtvoll mit majestätischer Punktierung beginnt sie, das 25-taktike Thema intoniert anfangs nur das Pedal, lieblich wiegt sich das Pastorale. Motorisch im Sechzehntel-Gebraus fetzt das Finale los und endet im jubelnden Aufstrahlen aller Register.

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