THEATERTAGE WASSERBURG

Eine lebenslange Liebewie ein Sternenhimmel

Beeindruckten durch ihre schauspielerische Präsenz: Franz-Xaver Zeller als Nico und Michaela Weingartner als Mascha. Flamm

Wasserburg – „Hätt ich sie nicht geliebt, ich hätte mich längst erhängt“, gesteht Nico gleich zu Beginn des Theaterstücks „Wasserstoffbrennen“ von Leon Engler.

Denn die Liebe zu seiner Mascha hat ihn 40 Jahre am Leben gehalten. Beide scheinen ein ideales Liebespaar zu sein. In 18 Szenen, die wie Puzzleteile ein Bild dieser lebenslangen Liebe ergeben, erzählen die Protagonisten von ihrer komplizierten Beziehung. Aufgeführt wurde die berührende Geschichte von Nico (Franz-Xaver Zeller) und Mascha (Michaela Weingartner) vom Zentraltheater München unter der Regie von René Oltmanns im Wasserburger Theater Belacqua.

Eine der ersten Szenen handelt von Nicos Geburt, die beide im Wechsel erzählen. Gleich nach der Geburt stirbt Nicos Mutter, deren Liebe keine Bedingungen kennt. Was aber ist Liebe? Liebe heißt, einen anderen Menschen sein zu lassen, sagt Nico. Doch das ist, wie der Zuschauer in den kurzen, eindringlich gespielten Episoden erfährt, nicht immer einfach. Dass Nico seine Mascha viele Jahre überlebt, ist Zufall. Siebzehnmal hat er eine gerade Zahl gewürfelt, so überlebt er sie 17 Jahre, stirbt erst mit 92. Überhaupt werden die Daten der einzelnen Begebenheiten, die nicht chronologisch geordnet sind, vorher immer exakt benannt. Der Zufall entscheidet auch, dass sich beide auf der Beerdigung des Freundes von Nicos Vater kennenlernen, der an einer Walnuss erstickt ist.

Dramatische Lebenseinschnitte wechseln mit alltäglichen Begebenheiten, Sehnsüchte mit Banalitäten. Wie im Kosmos scheint vordergründig keine Ordnung erkennbar, doch verschmelzen die Liebenden wie zwei Atome, was in den sexuellen Phantasien von Mascha zum Ausdruck kommt. Witzig war die Szene, als Mascha gekonnt einen chinesischen Kellner imitiert, voller skurriler Komik, als Nico neben dem verstreuten Einkauf auf der Straße sitzen bleibt und sich weigert, aufzustehen. In einer der letzten Szenen kurz vor ihrem Tod sagt Mascha ernüchtert: „Du hast mich nie geliebt“ und fragt: „Was nützt die Liebe?“

Mascha und Nico agierten in schwarzer Kleidung vor kahlem Bühnenbild mit einem nächtlich leuchtenden Sternenhimmel. Beide bewegten sich oft nah aneinander vorbei, schienen sich zugleich anzuziehen und wieder zu entfernen. In ihrem langen Leben waren sie verbunden durch die Liebe, die den Sternen gleich aufleuchtet und wieder verlöscht. Für ihre überzeugende schauspielerische Präsenz erhielten sie vom Publikum, das sich von der Liebesgeschichte zugleich gerührt und betroffen zeigte, anhaltenden und begeisterten Beifall.

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