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„Eine fidele Fuhre“ vieler fescher Frauen

„Dame mit Hut“, Ölbild.  Feichtner
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„Dame mit Hut“, Ölbild. Feichtner

Viele schöne und fesche Frauen gibt es in der Ausstellung „Eine fidele Fuhre“ bis zum 18. September in Bad Aibling zu sehen.

So heißt die Ausstellung des Kunstvereins Bad Aibling, die der Kurator Christian Poitsch in der Galerie des Kunstvereins im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus in der Irlachstraße 5 und in der Galerie Villa Maria in der Rosenheimer Straße 43 zusammengestellt hat. Die Arbeiten stammen von Brynolf Wennerberg, der 1866 in Djurgården als ältester von sieben Kindern geboren wurde und in Stockholm, Kopenhagen, München und Paris studierte. Ab 1915 lebte er bis zu seinem Tod 1950 mit seiner Familie in der „Villa Mina“ am Kurpark. Er malte im ehemaligen Atelier von Wilhelm Leibl.

Auf alten Fotos in der Ausstellung blickt einem ein etwas streng und gesetzt wirkenden Mann entgegen. Doch drum herum sind seine Gemälde, Drucke, und Plakate. Und dieser ernst wirkende Herr malte am liebsten heitere Bilder mit Frauen: schöne Frauen, betörende Frauen, selbstbewusste Frauen, Frauen mit dem bezaubernden „Wennerberg-Lächeln“ für so berühmte Blätter wie den Münchner „Simplicissimus“ und die „Lustigen Blätter“ in Berlin. Die Männer sind im Hintergrund und auf den Werbebildern und Satirezeichnungen eher die Witzfiguren, über die gelacht wird.

Seine Bilder sind heiter und beschwingt. Deshalb hat Kurator Christian Poitsch der Ausstellung den Titel „Eine fidele Fuhre“ gegeben, nach einer heiteren handkolorierten Heliogravüre aus der Sammelmappe „Münchner Fasching 6“ mit drei lebenslustigen maskierten Frauen und einem Clown bei einer rasanten Autofahrt. „Eine fidele Fuhre“ war auch ein Titelbild des „Simplicissimus“ im Jahr 1913.

Wennerberg selbst gehörte zu den Pionieren der Werbegrafik in Deutschland und zu den bekannten Plakatkünstlern an der Wende zum 20. Jahrhundert. Seine Plakate sind heute mehr wert als seine Gemälde. Vor wenigen Tagen, am 12. August, hat sich der Geburtstag des schwedisch-deutschen Künstlers zum 150. Mal gejährt. In der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus und in der Galerie Villa Maria wird parallel das große Schaffensspektrum des Wahl-Aiblingers ausführlich gewürdigt.

In der Galerie Villa Maria sind Originalgemälde zu sehen, die zum Teil noch nie oder schon lange nicht mehr der Region gezeigt wurden. Interessant sind dabei besonders das leuchtende fast realistische Bild einer schwedischen Parklandschaft und die reduzierten, pastosen, mit breitem Strich gemalten Ausblicke von seinem Atelier Richtung Hofmühle, wie auch das Abbild des kleinen Atelierhauses selbst, dazu das im Atelier gemalte Bild einer alten Bäuerin am Kachelofen, der auch auf verschiedenen Leibl-Bilder zu sehen ist. Ansonsten gibt es in der Galerie Villa Maria die sinnlich-heiteren Faschingsbilder für den Albert-Langen-Verlag und auch Originale zu den Werbe-Postkarten der Handschuh-Firma Röckl und des Parfümherstellers „4711“, natürlich nur mit schönen Frauen. Schöne Frauen sind auch die porträtierten Bad Aiblingerinnen, allesamt bürgerliche Damen. Dazu kommen viele Gemälde junger lebenslustiger Frauen und Mädchen. Darunter ist das Bild einer jungen Frau mit Regenschirm, das Original einer von fünf Buchillustrationen zu Else Hofmanns Mädchenbuch „Im Waldpensionat“.

Doch in der Galerie Villa Maria sind auch einige Originale von Wennerbergs Kriegspostkarten ausgestellt, die ansonsten in der Galerie des Kunstvereins zu finden sind. Aber er, der Schwede, der mit seiner Familie eigentlich nach Paris gezogen war und bei einem Urlaub in der Schweiz vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht wurde und im September dorthin nicht mehr zurückkehren konnte, malte keine deutschen Helden im Feld, keine siegreichen Schlachten oder böse Feinde, sondern eine, wenn auch verlogene Idylle der Zurückgelassenen daheim. Da reichen junge Mädchen den fröhlichen Soldaten im Zug Erfrischungen, da gibt es gute Nachrichten von der Front.

Weit über 200 verschiedene Kunstpostkarten im Original hat Christian Poitsch in seiner Privatsammlung, die er in der Galerie des Kunstvereins zeigt. Darunter sind eine 24-teilige Serie von Kriegspostkarten für den „Simplicissimus“ und eine 16-teilige Serie für die „Lustigen Blätter“. Darüber hinaus gibt es aber einen wahren Schatz von Werbepostkarten und von unverfänglichen heiteren und witzigen Kartenbildern zu entdecken, die teilweise noch vor 1900 entstanden sind. Zwei Original-Plakate mit dem Titel „Opel - Die Siegerin“ aus dem Jahr 1898 zeigen aber noch keine Autos, sondern eine schöne Frau mit Fahrrad.

Wennerbergs Frauen sind nicht nur schön, sondern auch für die damalige Gesellschaft emanzipiert. Sie präsentieren nacktes Bein im täglichen Leben. Für die Naziideologie passte nach der Machtergreifung Wennerbergs Frauenbild nicht mehr.

In einer „Black-Box“ als Raum im Raum widmet sich die Ausstellung Wennerbergs Arbeiten für Witzblätter und Satirezeitschriften. Gelacht wird meist nur über die Männer auf diesen Bildern aus dem Wohlleben der besseren Gesellschaft, die vor dem ersten Weltkrieg entstanden sind.

Die Ausstellung macht auch deutlich, dass Wennerberg viele Arbeiten teils unter verschiedenen Titeln, auf Bildkarten und dann auch in eigenen Bildbänden mehrfach verwertet hat. Die Zeichnungen und Studien Wennerbergs zu seinen Plakaten und Postkarten zeigen zudem, mit wie viel Mühe und Akribie er sich mit einer Vielzahl von einzelnen Studienblätter die Schönheit seiner Frauengestalten und die Leichtigkeit und den Witz seiner Bilder erarbeitet hat.

Führungen, Vorträge, Öffnungszeiten

Termine der Führungen sind an den Sonntagen, 4. und 11. September, jeweils um 10.30 Uhr, an den Mittwochen, 7. und 14. September, um 18.30 Uhr jeweils in der Villa Maria. Lesungen mit dem Schauspieler und Regisseur Michael Stacheder sind an den Donnerstagen, 1. September und 15. September, um 20 Uhr und von Max Regensburger und Christian Poitsch am Donnerstag, 8. September, um 20 Uhr in der Galerie des Kunstvereins. Öffnungszeiten sind donnerstags von 18 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Anmeldungen zu den Führungen unter Telefon 01 71/5 45 09 92, Sonderführungen ebenfalls möglich.

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