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„Gift“ im Tam Ost Rosenheim

Eine Ehegeschichte getragen vom Tod des Sohnes: Macht Leid süchtig?

Feinstes Kammerspiel bieten Sabine Herrberg und Oliver Schmidt.
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Feinstes Kammerspiel bieten Sabine Herrberg und Oliver Schmidt.

Mit „Gift. Eine Ehegeschichte“ feierte das Tam Ost eine ebenso nachdenkliche wie eindrucksvolle Premiere. Das Theaterstück der niederländischen Autorin Lot Vekemans gehört seit Langem zu den international meistgespielten Gegenwartstücken.

Rosenheim Es wurde für das beste in den Niederlanden aufgeführte Stück mit dem „Taalunie Toneelschrijfprijs“ ausgezeichnet. Für das Tam Ost inszenierte nun Stefan Vincent Schmidt die Begegnung eines schon lange getrennten Ehepaares, dessen Geschichte durch einen tragischen Unglücksfall bestimmt wurde. Dieser plötzliche Schicksalsschlag hat dem Paar den Boden unter den Füßen weggezogen. Sabine Herrberg und Oliver Schmidt spielen diese Frau und diesen Mann, die sich nach elf Jahren auf dem Friedhof wieder treffen, auf dem sie damals ihren tödlich verunglückten Sohn beerdigen mussten. Unter dem Vorwand, das Grab des Kindes müsse verlegt werden, weil der Friedhofsboden mit Giftgas kontaminiert sei, hat die trauernde Mutter dieses Treffen herbeigeführt.

Gift in den Seelen

Was zwischen den beiden wirkt, ist aber das Gift, das sich in ihren Seelen angesammelt hat und das bei ihrer Suche nach einem neuen Leben nun ins Freie drängt. Mit dieser Frau und diesem Mann erleben die Zuschauer, wie unterschiedlich Menschen mit ihrem Leid, mit ihrer Trauer und auch mit ihrem Überlebenswillen umgehen. Ihr Schicksal scheint schon vorbei zu sein, aber sie müssen ihre Vergangenheit noch einmal durchlaufen, weil sie hoffen, in einem neuen, glücklicheren Leben anzukommen.

Schweigen in all den Jahren

Das Schweigen in all diesen Jahren liegt hinter ihnen, seit sie an einem Silvesterabend sang- und klanglos voneinandergingen.

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Der Mann hat Ruhe gefunden, weil er zunehmend bereit ist, das Schicksal hinzunehmen. Aber die Frau kann ihre Trauer nicht loslassen, sie ist ihr Lebensinhalt, ihre „Sucht“ geworden. Und so können die beiden nicht wirklich zueinanderfinden. Vekemans‘ schnörkellose, schlichte Sprache verstärkt die Spannung zwischen Abrechnung und Annäherung, zwischen Trauer und Trost, zwischen Härte und Zärtlichkeit.

Behutsame Lichtführung

Der erfahrene Regisseur Stefan Vincent Schmidt gewährt seinen Protagonisten in einem überaus kargen Bühnenbild und mit behutsamer Lichtführung (Reinhard Scheide) reichlich Raum zur Entfaltung dieser so ungleichen Charaktere. Und Sabine Herrberg und Oliver Schmidt geben ihren Figuren auf eindringliche Weise alle kantigen und alle verletzlichen Seiten, sie füllen die Gesprächspausen mit ihrer Gegenwart, ziehen das Publikum ohne große Gesten in ihren Bann. Das ist feinstes Kammerspiel, wenn die persönlichen Vorwürfe und Entschuldigungen der Menschen auf der Bühne zu wohlbekannten Mustern werden, die auch dem Zuschauer vertraut sind, sowohl in ihrem tödlichen Ernst, als auch in ihrer unvermeidlichen Komik. Die sensible Sprache zieht mit jedem Wort selbst ins Geschehen und hinterlässt die Erinnerung an einen berührenden Theaterabend.

Renate M. Mayer

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