Klavierabend im Wasserburger Theater Belacqua

Wie eine Atomspaltung

Patrick Lechner  Foto Janka
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Patrick Lechner Foto Janka

Patrick Lechner, geboren 1979 in Innsbruck, präsentierte sich als überaus ernsthafte und bewusste Pianisten bei seinem Benefizkonzert für das Kinderhilfswerk "Plan" im Theater Belacqua in Wasserburg. Sein Spiel wirkt sehr überlegt, unprätentiös, mätzchenlos. Und er scheint eine unstillbare pädagogische Lust zu verspüren, denn er gab vor fast jedem Programmpunkt eine kurze analysierende Einleitung. So wies er darauf hin, dass die drei Themen der Fuge in fis-Moll aus dem wohltemperierten Klavier von Bach alle absteigend seien und sich damit ähnelten. So didaktisch, so transparent, so deutlich klar spielte er dann auch, half der Deutlichkeit mit betontem Forte-Piano-Wechsel und dezidiertem Legato nach.

Die Musik der Sonate Nr.30 in E-Dur von Beethoven bezeichnete Lechner als sehr spirituell und philosophisch, den finalen Variationssatz als "faustisches Suchen", ja "fast wie eine Atomspaltung", weil das Thema sich immer mehr verdichte. Als "lyrisches Mysterium" bezeichnet Joachim Kaiser diesen Satz, Patrick Lechner versuchte diesem Mysterium durch erhabene Klarheit beizukommen. Fertig mit diesem Mysterium wird man als Pianist wohl zeitlebens nicht. Die Lichtfülle der E-Dur-Tonart ließ er schimmernd aufleuchten.

Als diabolisch-wütender Klangzauberer mit kühl planendem Kopf zeigte Patrick Lechner sich in Liszts Scherzo und Marsch", dem pompösen Klanggewitter antwortete heftiges Beifallgewitter. Lyrischen Klangzauber entfaltete Lechner in den drei "Liebesträumen" von Liszt. Ein bisschen störend war nur, dass der Pianist manche Töne abrupt "abjaulen" lässt, weil er das Pedal irgendwann einfach loslässt. Als imponierendes Schlussstück spielte Lechner das Scherzo aus der 6. Symphonie von Tschaikowsky in einer Transkription von Samuel Feinberg, einen "Scherzo-Marsch voll von hysterischem Jubilieren", wie Lechner sagte. Diese pianistische Bravournummer war als triumphaler Schluss wohl geeignet, das (kleine) Publikum applaudierte stürmisch und wurde belohnt mit einer Zugabe, der "Lerche" von Michail Glinka in einer Bearbeitung von Mily Balakirev, die lyrisch zart beginnt und höchst virtuos endete: ein bemerkenswerter junger Pianist mit bemerkenswert breitem Repertoire.

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