Konzertstream am 23. und 24. Dezember

Ein Weihnachtauftritt aus dem Rosenheimer Ballhaus fürs heimische Wohnzimmer

„Es werd schon glei dumpa“: Die „Drei Damen“ – Andrea Hermenau, Lisa Wahlandt und Christiane Öttl (von links) – sindgen eine leicht verjazzte Version des bayerischen Weihnachtsklassikers.
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„Es werd schon glei dumpa“: Die „Drei Damen“ – Andrea Hermenau, Lisa Wahlandt und Christiane Öttl (von links) – sindgen eine leicht verjazzte Version des bayerischen Weihnachtsklassikers.

Drei Tage lang wird im Rosenheimer Ballhaus ein Weihnachtskonzert aufgezeichnet. Dabei wirken unter anderem Werner Schmidbauer, Amy und Wally Warning, Quadro Nuevo und die „Drei Damen“ mit. Ausgestrahlt wird das Konzert am 23. und 24. Dezember im RFO sowie über Youtube.

Rosenheim – Tannen füllen den Ballhaussaal, Kerzen brennen, Sterne wandern auf dem roten Bühnenvorhang rauf und runter, Kunstnebel wallt auf, vier Kameras drehen gleichzeitig, Werner Schmidbauer und Ami Warning singen den „Sternschnuppen“-Song „Für vui Geld“, Schmidbauer spielt die Mandoline, Ami Warning pfeift und singt mit ihrer rauchig-warmen Stimme. Schmidbauer beginnt seine Anmoderation, da wird er unterbrochen: „Anmoderation nochmal – bitte ausnahmsweise in diese Kamera!“

Ausstrahlung am 23. und 24. Dezember

Alles ist professionell, konzentriert und gleichzeitig ganz entspannt. Aufgezeichnet wird das „Konzert dahoam“, das am 23. und 24. Dezember im Regionalfernsehen Oberbayern gesendet wird. „Wir wollen den Menschen in unserer Region ein schönes Konzerterlebnis zu Weihnachten ermöglichen, gleichsam Weihnachten ins Wohnzimmer bringen“, sagt Alexandra Birklein vom Ballhaus Rosenheim. Kathrin Weimar von „Crossgammy“, die sonst Veranstaltungen im Ballhaus, in „Auer’s Live-Bühne“ und das Irschenberg-Festival verantwortet, hat die Künstler akquiriert. „Unser festlicher Stucksaal ist ein schönes Ambiente“, betont Alexandra Birklein.

Am Anfang sei die Idee eher zögerlich verfolgt worden, „aber dann haben wir gesagt, wir machen das auf jeden Fall, weil wir wollen, dass die Menschen ein Konzert über 90 Minuten kostenlos zuhause hören können. Es ist grundsätzlich umsonst, aber wir würden uns freuen, wenn die eine oder andere Spende einginge. Davon bekommen die Künstler, das Kamerateam und die Techniker eine Gage ausbezahlt, um deren Existenz weiter abzusichern.“

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+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Man kann auch über München-Ticket unter „Konzert Dahoam“ ein „digitales Konzertticket“ kaufen, um die Künstler, die ja jetzt gleichsam ein Arbeitsverbot trifft, zu unterstützen.

Als Amis Vater Wally Warning, dieser ausgezeichnete Musiker von der Karibik-Insel Aruba, der schon sehr lange in Deutschland lebt und in letzter Zeit viel mit Schmidbauer getourt ist, dazukommt, erhöht sich sofort die musikalische Spannung. Dreimal singen die Drei „Cruising“, schließlich ist die Aufnahme im Kasten. Dann singt Wally Warning alleine einen neuen Song, bricht ab, wird nervös: Auch große Künstler haben Nerven. Beim nächsten Song ist wieder alles in Ordnung. Wenn Ami Warning „Gegenwind“ aus ihrer neuesten CD mit dem Titel „Momentan“ singt, dieses Lied, in dem sie beschreibt, wie alle um einen herum alles bestimmen wollen und dass man versuchen soll, zu „bleiben, wie wir sind“, trommelt er sachte dazu. Die ganze Atmosphäre ist von einer Freundschaftlichkeit untereinander erfüllt, man spürt, wie sehr sich die Musiker mögen und wie sie es mögen, endlich wieder musizieren zu können.

Vom 1. bis 24.12. jeden Tag ein neues Türchen: Der singende OVB-Adventskalender

„Ich habe sehr spontan zugesagt“, sagt Werner Schmidbauer, „da ich in diesem Landkreis seit 30 Jahren daheim bin, war es überhaupt keine Frage, da mitzumachen. Es ist ein Signal von uns an die Leute daheim: Wenn Weihnachten ist, dann kommen wir zu Euch! Jeder Musiker, der von Herzen Musiker ist, rostet ja ein daheim. Mit Freunden musizieren und wieder einen richtigen Sound hören ist schon schön – auch wenn einen Wehmut beschleicht, wenn man das leere Ballhaus sieht. Aber es ist gleichzeitig umso mehr Motivation, weiter zu spielen, bis es wieder richtig geht mit Leuten im Publikum!“

Und Ami Warning ergänzt: „Auch wir beide haben gleich ja gesagt! Ich hab das Gefühl, dass die Musik, da sie jetzt im Alltag fehlt, doppelt berühren kann. Man freut sich einfach, dass es wieder einmal Musik gibt. Am Anfang hab ich es eigentlich genossen, dass ich Zeit hatte, auch um Songs zu schreiben. Aber jetzt, wo es so lange anhält, fehlt mir das Feedback schon sehr. Jetzt hab ich auch neue Lieder, die ich gerne zeigen würde. Das Zusammenspiel hier macht mir große Freude.“

Drei Tage langdauern Aufnahmen

Drei Tage dauern die Aufnahmen, nach Quadro Nuevo und dem Gitarren-Duo Café del Mundo kommen am dritten Tag „Die Drei Damen“, nämlich Lisa Wahlandt, Andrea Hermenau und Christiane Öttl. Bis sie loslegen können, dauert es etwas. Der Sound muss angepasst werden an den Klang des E-Pianos, des Kontrabasses und der Singstimme von Lisa Wahlandt, die Kabel werden geordnet und mit Klebeband fixiert, die Kerzenständer werden so lange herumgeschoben, bis sie nicht mehr im Weg stehen, die Beleuchtung wird optimiert und Lisa Wahlandt kann sagen, was ihr dieses Projekt bedeutet: „Ich finde es sehr wichtig, dass die Kultur in diesem Lande weiter erhalten bleibt. Es ist unheimlich schade, dass gerade kein Austausch mehr mit dem Publikum möglich ist. Das, was Musik ausmacht, hat jetzt nochmal eine größere Macht. Und so sind wir froh und dankbar, hier zu sein. Bei mir persönlich geht es auf und ab. Bisher war es eine ganz schöne Durststrecke.“

Dann können die drei Damen endlich beginnen mit „Im Wald is‘ so staad“ und dem leicht verjazzten bayerischen Weihnachtsklassiker „Es werd scho glei dumpa“: Weihnachten kommt ins Wohnzimmer.

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