Ein polyphones Klangabenteuer

Aaron Voderholzer (Orgel) sowie Johannes Mayer und Johanna Trifellner (beide Hackbrett) sorgten in Bad Endorf für einen besonderen Konzertabend.
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Aaron Voderholzer (Orgel) sowie Johannes Mayer und Johanna Trifellner (beide Hackbrett) sorgten in Bad Endorf für einen besonderen Konzertabend.

Bad Endorf – „Konzert mit jungen Musikern.“ So unprätentiös lud der Pfarrverband Bad Endorf zum zweiten Konzert in St. Jakobus ein anlässlich der Präsentation der neuen Truhenorgel.

Am Ende feierte ein begeistertes Publikum die Leistung der drei jungen Künstler: Johanna Trifellner (Hackbrett), Johannes Mayer (Hackbrett) und Aaron Voder holzer (Orgel).

Auf dem Programm standen Werke, die vom Barock (Michael Praetorius, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann) über die italienische Klassik (Giuseppe Clavari, Emanuele Barbella und Gaetano Valery) bis hin zur Romantik ( César Franck, Louis Vierne) und Moderne (Astor Piazzolla) reichten.

ErstaunlicheVirtuosität

Mit Johanna Trifellner (Jahrgang 2000), Johannes Mayer (Jahrgang 1999) stellten sich zwei ausgewiesene Könner am Hackbrett vor. Abwechselnd als Solisten oder als harmonisch eingespieltes Duo, das von Aaron Voderholzer (Jahrgang 2000) an der Orgel begleitet wurde, spielten sie die einzelnen Werke mit erstaunlicher Virtuosität und ausgefeilter Technik. Die jungen Künstler arrangierten selber einige Werke für Hackbrett und Orgel: Francks Prelude, Fugue et variation, Bachs Contrapunctus V, ursprünglich für Tasteninstrument komponiert, Praetorius‘ Terpsichore Nr 31 La Canarie und Piazzollas Libertango.

César Francks Orgelkomposition, entstanden zwischen 1860 und 1862 und seinem Freund und Kollegen Camille Saint-Saëns gewidmet, gleich zu Beginn des Konzerts, faszinierte in der neuen Besetzung mit Hackbrett und Orgel. Voder holzer zog dabei nicht nur alle Register seines Könnens, sondern auch die der Sandtner-Orgel.

Das Ergebnis war ein polyphones Klangabenteuer, bei dem auch die Stimmen des Tenor- und Basshackbretts überzeugend zur Geltung kamen. Johanna Trifellner stellte mit der Sonata Seconda des neapolitanischen Komponisten Barbella ihr Ausnahmekönnen unter Beweis. Begleitet von Voder holzer auf der Truhenorgel wurden die ersten beiden Sätze mit großem Ausdruck vorgetragen, bevor die Sonata mit einem lebhaften Allegretto endete. Beide Künstler sind Kulturförderpreisträger des Landkreises Rosenheim.

Die Kombination von Hackbrett und Orgel, die sich besonders in der italienischen Klassik großer Beliebtheit erfreute, war hier ein ganz besonderes Hörerlebnis. Johannes Mayer spielte die Fantasia IX von Telemann, die ursprünglich für Solovioline 1738 komponiert wurde. Der erste Satz mit dem Titel Siciliana überzeugte mit leichtem und beschwingtem Ausdruck durch Johannes Mayer. Die beiden folgenden Sätze – vivace und allegro – gaben eine plausible Erklärung dafür, dass Mayer bereits zahlreiche namhafte Preise auf Landes- und Bundesebene gewonnen hat. Den Abschluss bildete der Libertango des argentinischen Komponisten und Bandoneon Spielers Astor Piazzolla (1921-1992). Hier zeigten die drei Künstler mit ihrem selbst arrangierten Werk ihre Spielfreude und Professionalität.

Der Libertango erklang zuletzt noch einmal als Zugabe. Die begeisterten Zuhörer hätten ihn an diesem letzten Konzertabend vor dem erneuten Lockdown gern noch öfter gehört.

Dr. Michael Schmidt)

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