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„Vo Ort zu Ort“: Wilpasing

Vom Winde herbeigeweht oder im Konflikt geboren? Woher Wilpasing seinen Namen hat

Nahe Maxlrain geht’s ab nach Wilpasing
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Nahe Maxlrain geht’s ab nach Wilpasing

Der Weiler Wilpasing vor den Toren von Schloss Maxlrain gibt auch Gelehrten Rätsel auf. Gehen die Wurzeln seines Names zurück auf blutige Zeiten ferner Vergangenheit? Oder findet sich die Wahrheit in der Geographie der Region? Eine Spurensuche.

Von: Armin Höfer

Ausgerechnet „unser“ Wilpasing hat er in seine Sammlung von Namen, die sich aus althochdeutsch „wintpozzingen“ entwickelt haben, nicht aufgenommen, der erzbischöfliche Bibliothekar und Benefiziat Dr. Max Fastlinger! In seiner Studie „Wintpozing: Ein Zeugnis für das Tempelwesen und für die erste Landnahme der Baiersweben in Noricum“, erschienen im Jahre 1913, erwähnt er für den bairischen Sprachraum rund 60 der aus Wintpozing, auch Wintpozzing(en), entstandenen Namen mit den Schreibungsvarianten „Wimpasing“, „Windbaising“, „Windpassing“, „Windpaissing“, „Wimpersing“, „Wimpesing“, Wimmersing“, „Windpaißer“, „Wimpäßl“, „Wimpeß“ und – wir dürfen hinzufügen: – „Wimpassing“. Für „Wilpasing“ aber gilt: Fehlanzeige!

Viel „Wim“, nur ein mal „Wil“

In unserer Region gibt es die Ortsnamen Wimpasing in den Gemeinden Bernau a. Chiemsee, Eiselfing und Trostberg, sowie Wimpersing in den Gemeinden Chieming, Frauenneuharting und Höslwang, und dazu eben Wilpasing im Stadtgebiet von Bad Aibling. Wilpasing ist ein Weiler und liegt an der Ostseite der Straße von Bad Aibling in Richtung Maxlrain.

Kleiner Weiler, große Geheimnisse

Warum Wilpasing hier aber überhaupt Aufnahme in die Reihe von „Wintpozzing“-Namen findet, verdankt „Vo Ort zu Ort“ einer Studie über die Kultur- und Namenlandschaft der Gegend um Bad Aibling, die Pfarrer Joseph Grassinger bereits 1857 („Geschichte der Pfarrei und des Marktes Aibling“) vorgelegt hat. Dieser geistliche Herr behandelte den Namen Wilpasing von dessen erster Nennung als „Wintpozzingen“ aus dem späten 12. Jahrhundert bis zur Namensform „Wilpasing“, wobei er für 1567 die erstmalig vollzogene Änderung von „m“ (Wimpasing) zu „l“ (Wilpasing) dokumentierte, dazu etwas spätere Schreibungen „Wilpading“ und „Wilpersing“. Warum es aber zur neuen, bis heute erhaltenen Schreibung „Wilpasing“ kam, zeigte Grassinger nicht. Liegt vielleicht in der dialektalen Aussprache ein Fingerzeig?

Lokale Ausspracheform als Sackgasse

Wer aber für Wilpasing etwa die Aussprache „Wimpasing“ erwartet, ist bei Annemarie und Martin Oswald vom Anwesen „Beim Jackern“ an die Falschen geraten: Unisono erklingt es: „Wuibasing“. „Wuibasing“ erinnert dabei an die bairische Lautung für Wilparting am Irschenberg, nämlich „Wuibading“. So klang wohl auch die Variante „Wilpading“, oder etwa nicht?

Aber: Was bedeuten Wintpozzing, Wimpasing, Wimpersing und, ja auch, Wilpasing überhaupt?

Hier streiten sich die Gelehrten: Zum einen wird der Name von Orten hergeleitet, die von windischen, wendischen (slawisch) Knechten (slawisch: boz) bewohnt worden sein sollen, die nach Niederlagen gegen die Baiuvaren für eben diese gewisse landwirtschaftliche Dienste zu leisten hatten. Zum anderen soll im Namen Wintpozzing tatsächlich ein Ort gekennzeichnet sein, in dem der Wind stößt, quasi „anpoßt“ – man vergleiche das Wort „Amboß“.

Doppeldeutigkeit des Namens möglich

Die letztere Deutung träfe auf Orte zu, die auf freier Fläche besonders stark vom Wind erfasst werden und diesem trotzen. Aber vielleicht gab es ja tatsächlich auch ein paar Orte, die von Wenden (Slawen) bewohnt wurden? Dann wäre „Wintpozzing“ tatsächlich ein ambivalenter, doppeldeutiger Name.

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