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Tiroler Festspiele

Ein Händchen für Ausgrabungen: „Postillon de Lonjumeau“ in Erl

Überzeugte als Sänger wie als Komödiant: Francesco Demuro als Chapelou.
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Überzeugte als Sänger wie als Komödiant: Francesco Demuro als Chapelou.

Bei den Tiroler Festspielen in Erl scheint man in diesem Winter ein gutes Händchen für Ausgrabungen zu haben. Denn knapp 24 Stunden nach der umjubelten Premiere des „L’amico Fritz“ galt es, hier mit Adolphe Adams „Postillon de Lonjumeau“ bereits die nächste Opernrarität zu erleben.

Erl – Diese bescherte dem Publikum mit schmissigen Chornummern, reich verzierten Arien und Happy-End-Garantie einen überaus unterhaltsamen Abend. Die kurzweilige Komödie ist wieder eines jener Stücke, das man vor allem aufgrund einer berühmten Bravournummer kennt, die Stimmfetischisten durch die Aufnahmen eines Joseph Schmidt, Nicolai Gedda oder Juan Diego Flórez bestens im Ohr haben dürften. Und so viel sei bereits verraten, auch der Erler Titelheld fügt sich nahtlos ein in diese prominente Ahnenreihe.

Verhinderter Bigamist

Die Handlung der Oper ist schnell erzählt. Auf seinem Hochzeitsfest stimmt der sangesfreudige Chapelou das Lied vom „Postillion von Lonjumeau“ an und wird dabei von einem Impresario entdeckt, der den jungen Mann umgehend für seine Truppe rekrutiert. Dass Chapelou für den versprochenen Ruhm seine frisch angetraute Madeleine einfach so zurücklässt, ist allerdings alles andere als die feine französische Art.

Genauso wenig wie der Flirt mit einer schönen Dame der Pariser High Society, der er einige Jahre später ebenfalls das Jawort gibt und so zum Bigamisten wird. Was für ein Glück, dass die zweite Braut sich am Ende als Madeleine entpuppt, die zwischenzeitlich zu Reichtum kam und dem untreuen Gatten durch diese Intrige einen ordentlichen Denkzettel verpassen wollte.

Barocktheater auf der Bühne

Chapelous unverhoffte Opernkarriere bot Adolphe Adam einst reichlich Gelegenheit, den Pariser Theaterbetrieb seiner Zeit mit einer guten Portion Selbstironie zu betrachten. Was in Erl nun auch für Regisseur Hans Walter Richter ein gefundenes Fressen ist. Er belässt die Geschichte in der Mitte des 18. Jahrhunderts, dessen Bühnenzauber Ausstatter Kaspar Glarner mit einem detailreich gestalteten Barocktheater heraufbeschwört, das im Laufe des Abends mehrfach um die eigene Achse rotiert und so immer neue Perspektiven gewährt.

Diese unterschiedlichen Ebenen werden von Hans Walter Richter geschickt genutzt und die Handlung immer wieder mit kleinen Slapstick-Elementen gewürzt. Dabei schadet es nicht, dass hier ein überaus spielfreudiges Ensemble im Einsatz ist, dem es gelingt, die eher eindimensional gestrickten Figuren der Oper nicht zu reinen Karikaturen verkommen zu lassen.

Francesco Demuro trumpft auf

Eine tenorale Trumpfkarte kann Erl vor allem mit Francesco Demuro ausspielen. Die verzwickte Partie des Chapelou, die sich bis zum hohen D nach oben schraubt und auch sonst nicht gerade mit Spitzentönen geizt, ist bei ihm in besten Händen. Denn neben seiner hervorragenden sängerischen Leistung erweist sich der Sarde als geborener Komödiant, der eine diebische Freude daran hat, die mit seinem Beruf verbundenen Klischees auf die Spitze zu treiben. Allein die als Stück im Stück präsentierte Opernparodie wäre schon den Eintritt wert.

Beeindruckende Stimmen

Doch so sehr die Augen und Ohren bei ihm sind: Ganz auf sich gestellt ist Demuro natürlich nicht. Auch Joel Allison als polternder Bijou und Steven La Brie als hypernervöser Marquis de Corcy lassen in den tieferen Stimmregionen aufhorchen. Nicht zu vergessen Monika Buczkowska, die als einzige Frau auf der Bühne ihren Kollegen mit wandlungsfähigem Sopran Paroli bietet und dank ihrer „Doppelrolle“ sogar ein kleines Duett mit sich selbst singen darf.

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Den Hut ziehen muss man ebenso vor dem Festspielorchester, das unter Leitung von Erik Nielsen die Umstellung von den veristischen Klangwogen des Vorabends zum federnd leichten Tonfall der Opéra comique mit Bravour meistert. Selbst wenn nicht jede Nummer die Handlung unbedingt nach vorne bringt: Vom Unterhaltungsfaktor her möchte man auf keine Note verzichten. Weiterere Vorstellungen am Donnerstag, 30. Dezember und Mittwoch, 5. Januar.

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