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Interview

Ein freier Geist, der die Biergärten liebte

Der erste deutsche Literaturnobelpreisträger: Paul von Heyse (1830 bis 1914).
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Der erste deutsche Literaturnobelpreisträger: Paul von Heyse (1830 bis 1914).

Rosenheim – Der Schriftsteller Hans Pleschinski liest am Mittwoch, 9. Februar, um 19.30 Uhr auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim im Künstlerhof am Ludwigsplatz aus seinem neuesten Roman „Am Götterbaum“. Im Roman geht es um einen Spaziergang durch die Münchner Innenstadt zur Villa des Literaturnobelpreisträgers Paul Heyse (1830 bis 1914).

Heyse wurde von seinen Zeitgenossen auf eine Stufe mit Goethe gestellt. Heute hingegen sind Leben und Werk des ersten deutschen Literatur-Nobelpreisträgers nahezu völlig vergessen. Im Interview erzählt Pleschinski,, warum Heyse bayerischen Biergärten zu literarischem Ruhm verhalf.

Herr Pleschinski, nach Ihren Romanen über Thomas Mann und Gerhart Hauptmann haben Sie nun ein Buch über den Dichter Paul Heyse geschrieben. Haben Sie eine Vorliebe für Nobelpreisträger?

Hans Pleschinski: Nein, es steckte kein Plan hinter meinen sozusagen Nobelpreisromanen. Auf Thomas Mann stieß ich durch unbekannte Briefe seines Seelenlieblings Klaus Häuser. Auch Gerhart Hauptmann spielte in diesem Zusammenhang eine Rolle. An Hauptmanns Schicksal reizte mich, dass sein Ende eng mit dem Ende des deutschen Schlesiens 1945 zusammenhing. Eine Doppeltragödie voller Dramatik. Gewiss, Nobelpreisträger ragen heraus. Ihr Ruhm, ihre Schwächen fallen besonders ins Auge. Und sie sind in viel öffentliches Leben verwickelt. So kann man gut über einen Menschen und seine Zeit erzählen. Das ist jedoch auch mit vielen Nachforschungen, viel Arbeit verbunden.

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Heyse ist heute fast vergessen. Was hat Sie an dem Schriftsteller interessiert?

Pleschinski: Jeder kennt die scheußliche Heyse-Unterführung in München. Aber irgendwann bemerkte ich, dass fast gegenüber dem Lenbachhaus auch die Villa Paul Heyses noch steht. Ein verwunschenes Gebäude mit einem Götterbaum hinter einer Mauer. Hier hatte einst einer der erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands gelebt und gearbeitet, Heyse. Hier war einst ein Treffpunkt auch des künstlerischen Bayerns gewesen. Heyse war zwar Berliner, aber er wurde um 1850 Wahlmünchner. Durch ihn wurde München auch eine literarische Stadt. Hauptsächlich wurde Heyse durch spannende Novellen berühmt. Er schrieb aber auch 60 Theaterstücke. Er war der erste, der bayerische Biergärten vor der Weltöffentlichkeit als Orte des Genusses, des Gesprächs und des Meditierens pries. Auch über den Walchensee verfasste er ein großes Gedicht. Nicht zuletzt war er ein freier Geist, ein großzügiger Mensch, immer hilfsbereit. Heyse beförderte die Frauen-Emanzipation und schrieb das erste Gedicht der Weltliteratur gegen Tierquälerei. Solchem Mann wollte ich gerne ein Buch widmen. Auch über die Ursachen, weshalb sein Ruhm im vergangenen Jahrhundert der Weltkriege verblasste. Heyses Kunst und Charakter waren zu fein für die Zeiten der Blutbäder.

Ihr Buch ist auch ein München-Roman. Was schätzen Sie an München?

Pleschinski: München hat mich gebürtigen Niedersachsen sofort offen empfangen. Wie einst Heyse. Ich habe mich in München nie eine Sekunde lang gelangweilt. Kultur und Lebensart kamen mir sehr entgegen. Ich habe München oft für das San Francisco Deutschlands gehalten und Berlin für das lautere New York. Und wo man Freunde gewinnt, dort ist man zu Hause. Ich wünsche München und Bayern, damit auch mir selbst, Lebensfreude, einen freien Sinn, schöne Attraktionen und ich kämpfe dafür. Auch dadurch ist das Leben, trotz der Pandemie, ausgefüllt, und ich hoffe, in einem guten Sinne.

Arbeiten Sie bereits wieder an einem neuen Buch?

Pleschinski: Jetzt muss ich bedauern. Über neue Projekte spreche ich so ungern wie eine Mutter über ihr ungeborenes Kind, und was es einmal werden wird. Vielleicht spielt dabei Aberglauben, den ich noch aus der Lüneburger Heide haben könnte, eine Rolle. Lieber behutsam und vorsichtig bleiben.

Paul Heyse in Prien und Seeon

Paul Heyse war mehrfach längere Zeit zu Besuch im Chiem gau: In seinen „Jugenderinnerungen und Bekenntnissen“ erwähnt er für 1861 und 1862 längere Aufenthalte im Kloster Seeon mit seiner Familie. „Dort in der früheren Sakristei neben der Hauptkapelle, die jetzt zur Obstkammer diente und deren einziges Fenster auf ein stilles, mit hohem Gras bewachsene Klosterhöfchen steht, habe ich zwei Sommer nacheinander in tiefster Weltentrücktheit über dramatischen Ausgaben gebrütet (...).“ Heyse erwähnt die Stücke „Hadria“, „Maria Moroni“ und „Hans Lange“. Zehn Jahre später schrieb Heyse aus Prien mehrere Briefe an Theodor Storm, der sich zu diesem Zeitpunkt in Salzburg aufhielt. Auf der Rückreise im August 1872 besuchte Storm seinen Schriftstellerkollegen in Prien, wie dem Briefwechsel zwischen den beiden zu entnehmen ist.

Hans Pleschinski.

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