Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein Falter aus Licht und Musik

Rosenheim – Walther Prokop, Komponist aus Rosenheim und ehemals Förderpreisträger der Stadt Rosenheim, hat viele Lieder, Chormusik und Kammermusik für verschiedenste Besetzungen geschrieben.

Sein jüngstes Werk, Opus Nr. 70, ist für ein Streichquartett komponiert. Es heißt „Falter aus Licht.

Sechs lyrische Momente für Streichquartett“. Es sei ausdrücklich kein Streichquartett im klassischen Sinne, schreibt Prokop im Vorwort, „es handelt sich vielmehr um sechs lyrische Momente für Streichquartett“.

Die sechs lyrischen Momente spannen programmatisch den Bogen über einen ganzen Tag vom „Morgen“ über die „Glorie des Mittags“ bis zum Abend, wobei gleichzeitig der Lauf eines Menschenlebens von der Geburt über den Mittag des Lebens bis zum Lebensabschied suggeriert wird.

Prokop lässt sich dabei von Gedichten mediterraner Poeten inspirieren, die ihn, wie er schreibt, „seit Jugend an mit ihrer gleichsam lichtdurchfluteten Kunst begleiten“, es sind Gedichte von Odysseas Elytis, Eugenio Montale, Juan Ramon Jimenez, Federico Garcia Lorca und Salvatore Quasimodo. Ausschnitte aus diesen Gedichten stehen jeweils als Motto über den „lyrischen Momenten“.

Titelgebend dabei ist der „Falter aus Licht“ von Juan Ramon Jimenez, der bewirkt, dass „die Schönheit flieht, wenn ich mich ihrer Rose nähere.“

Mit „Grazioso“ ist dieser 4. Satz überschrieben, und graziös flattert der Falter in den triolisch tremolierenden Streicherklängen hinauf der Sonne entgegen, grundiert von weichen oder weich gezupften Kontrabassklängen.

Überhaupt ist der gesamte Satz klanglich aufgelichtet, hellstrahlend und oft sich in höchsten Lagen bewegend, die „Glorie des Lichts“ beschwörend.

Sehr lebendig sind die Vortragsvorschriften, von „sehr ruhig“ über „vorwärtsdrängend“ bis „ausdrucksvoll“ und am Ende „hymnisch“, wenn die Sonne (und damit das Leben) in langen, weit ausgehaltenen Noten verlischt.

Der Komponist hat das Titelblatt mit dem Bild „Fenster“ aus dem Jahre 1912 von Robert Delaunay geschmückt, einem Maler, „dem das Licht ein konstituierendes Element seiner Malerei war“, schreibt Prokop dazu.

Der Komponist Walther Prokop hat dieses Werk an Ostern 2020 geschrieben, in der ersten Lockdown-Phase, es verströmt soviel Sehnsucht nach Leben und Licht und Hoffnung, dass man meinen könnte, Prokop möchte damit das Leben, wie wir es kennen, herbeischreiben, ja fast herbeizwingen.

Möge ihm dies gelingen und möge es bald irgendwann von irgendwem gespielt erklingen! Rainer W. Janka

Kommentare