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Theaterinsel Rosenheim

Ein besonderes Mädchen glänzt in Rosenheim in „Bilder deiner großen Liebe“

Miriam Brodschelm bringt als Isa die Poesie zum Aufblühen.
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Miriam Brodschelm bringt als Isa die Poesie zum Aufblühen.

Wie ein weiblicher Eichendorffscher „Taugenichts“ stromert sie durch die Welt, stößt wie eine Billardkugel an Menschen und Landschaften und wird wieder weggestoßen: Die Rede von Isa. In dieser Rolle glänzt Miriam Brodschelm in der Theaterinsel Rosenheim.

Rosenheim – „Ist über 14 Jahr doch alt“, sagt Goethes Faust über Gretchen und deutet damit ihre Geschlechtsreife an. Genauso alt ist Isa aus dem Romanfragment „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf, die aus der Psychiatrie aus- und zu einer Wanderung aufbricht.

Recht altklug ist sie, kennt die spanische Armada, zitiert englisch aus Filmen, erkennt an dem Blick eines Jungen, ob der in sie verliebt ist, und produziert Aphorismen wie: „Das Glück macht nie so glücklich wie das Unglück unglücklich.“

Adlermaske und Pistole an der Wand

Sie konstatiert „Ich bin ein Adler“, der über den Dingen schwebt und doch alles im Blick hat. Mit diesem Bild wird deutlich, dass sie oft mit der Natur verschmilzt, auf ihrer Schulter sitzt ein Weberknecht und sogar das Ende ist ein Aufgehen in der lebensspendenden Sonne. Konsequent tritt sie in der Bühnenfassung von Robert Koall, die jetzt in der Rosenheimer Theaterinsel Premiere hatte, anfangs mit einer Adlermaske auf, die weiterhin als ständige Requisite dient.

Das Regie-Trio (Miriam Brodschelm, Sophia Pölcher und Stefan Höhn) hat den Text genau gelesen und sehr variabel und bühnengerecht umgesetzt.

In der Mitte thront ein umgestürzter Wagenanhänger, das riesige Rad symbolisiert die Wanderschaft, das Mädchen turnt über Stahlgestänge, an der Wand droht grell beleuchtet eine Pistole, die das Ende andeutet. Die Beleuchtung (Bühne und Beleuchtung: Stefan Höhn und Alexander Rathmacher) gliedert die Erzählung.

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Isa schreibt Tagebuch, die Bühnen-Isa beschreibt mit Farben den Anhänger, ihre Finger und dann auch ihr Gesicht werden immer farbiger: Sie wird das, was sie schreibt, Literatur und Realität vermischen sich, wie sich Realität und Geträumtes oder Erdachtes, Verrücktheit und Normlität vermischen: Isa schafft sich ihren eigenen Kosmos voller Farben und Fanatsie.

Dies alles wäre bloß Gedankenkonstrukt, würde Miriam Brodschelm als Isa nicht allem unmittelbare Lebendigkeit verleihen: Mit mädchenhafter Omnipotenz herrscht sie in ihrem eigenen Reich, anmutig, altklug, frech, träumerisch, mit lebhafter Mimik und Gestik, dabei vollkommen natürlich agierend: „Ich bin kein Mädchen wie andere“, konstatiert sie glaubwürdig. Vor allem gibt Miriam Brodschelm dem Text Wärme und Dynamik, bringt die Poesie zum Aufblühen und die erzählten Geschehnisse zur Anschaulichkeit. Gebannt hört man ihr knapp 100 Minuten zu und vergisst, dass es „nur“ ein Einpersonenstück ist.

Schlange und Dreieck

Am Ende bleibt der von Isa geschriebene Name an der Wand übrig – „ein Gedankenstrich, eine Schlange und ein Dreieck“, ein Herzchen und die Adlermaske: Ein tiefsymbolisches Schlussbild für ihren selbsterschaffenen Kosmos voller Natur, Gedanken und Liebe, die kein Ziel gefunden hat. Weitere Vorstellungen in der Theaterinsel in Rosenheim, Chiemseestraße 8, sind an den beiden Wochenenden jeweils um 20 Uhr, an den Sonntagen um 17 Uhr. Karten gibt es online unter www.theaterinsel.de.

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