Vom Duttenhund zum Rohrkolben

Der Ortsname Deutelhausenhat eine interessante Entwicklung genommen. Vor knapp 900 Jahren hieß der Ort noch „Toutilhusen“. Schlecker

Deutelhausen – Weiß noch jemand, was ein Duttenhund ist?

Bis ins 19. Jahrhundert konnte man die etwas neidvoll gemeinte Feststellung hören: „Der hods so guad wiara Duddnhund!“

Ein Duttenhund war „ein junger Hund, der noch saugt“, wie es bei Johann Andreas Schmeller in dessen Standardwerk „Bayerisches Wörterbuch“ heißt.

Ob es derzeit auch in Deutelhausen, Gemeinde Schechen, Duttenhunde gibt? Das würde gut zum ersten Bestandteil des Ortsnamens passen. Der Duttenhund saugt an der Dutten, also an der Brust seiner Hundemama. Die oder der Duddn hat laut Schmeller eine Verkleinerungsform, das „Düttlein“ oder „Düttel“.

Im Althochdeutschen (750 bis 1050) hieß das Düttel tutili, im Mittelhochdeutschen (1050 bis 1350) tüttelin, tüttel. Dieser Begriff für die weibliche Brust wurde in seiner Verkleinerungsform auch für die Bezeichnung einer Pflanze benutzt, die gerade für einen Ort wie Deutelhausen, der unweit des Inns und in einem ursprünglich sumpfigen Gelände liegt, typisch ist: für den Rohrkolben, der in früheren Zeiten tutilcholbo, später Deutelkolbe oder Deitelkolben hieß.

Wie sich der Ortsname Deutelhausen vom Anfang bis heute entwickelt hat, zeigt sich in einer Studie des Neubeurer Ortsnamenforschers Josef Bernrieder.

Im Jahre 1160 lautete die Schreibung von Deutelhausen Toutilhusen. 1251 fiel das o heraus: Tutelhusen. 1329 erscheint das lange u in -husen schon als Zwielaut: Tutelhausen heißt es da. Wohl infolge einer Umlautung findet man im Urbarbuch Rosenheim für das Jahr 1419 die Schreibung Tewddelhawsen. 1442 ist ein „Peter von Teutlhausen“ erwähnt, während 1445 die Schreibung Teytelhausen aus dem Steuerbuch Rosenheim fast schon die heutige Aussprache „Deiddlhausn“ aufweist. 1581 ist im Urbarbuch Rosenheim ein „Georg Würzl auf der Gemain bey Teitlhausen“ erwähnt. 1819 liegt dann im „Topographischen Lexicon von dem Königreiche Baiern“ schon die heutige Schreibung Deutelhausen vor.

Auf jeden Fall bedeutet der Ortsname „Zu den Gehöften bei den Rohrkolben“ (Josef Bernrieder), wobei wir wieder beim Thema Ortslage angekommen wären.

Eva-Maria Gruber aus Deutelhausen weiß aber aus ihrer Kindheit weniger von Rohrkolben als von Funden römischer Münzen und Ornamenten zu berichten. Kein Wunder: Deutelhausen befindet sich auf der Fläche des römischen Areals „Pons Aeni“ (Innsbruck). Deutelhausen hatte sicherlich einen römischen Namen. Wie wäre es mit Thyrsus? Zu deutsch „Stengel“ (passend zum Rohrkolben) und „Stab des Weingottes Bacchus“.

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