Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


MASTERCLASS GESANG

Duett der tiefschwarzen Bässe im Neubeurer Schlosssaal

Am Ende sangen alle ausgelassen Operette: (von links): Antonia Donaubauer und Chiara Brandl, Kayo Hashimoto, Michael Doumas, George Humphrey, Gesa Jörg, Lucas Kunze, Leyla Galek, Oskar Hillebrand und Nahoko Nakagami.
+
Am Ende sangen alle ausgelassen Operette: (von links): Antonia Donaubauer und Chiara Brandl, Kayo Hashimoto, Michael Doumas, George Humphrey, Gesa Jörg, Lucas Kunze, Leyla Galek, Oskar Hillebrand und Nahoko Nakagami.

Gottseidank standen die Fenster im Saal des Schlosses Neubeuern offen, sonst hätte man um die Scheiben fürchten müssen: Seit sechs Jahren schon veranstaltet der in Neubeuern lebende Kammersänger Oskar Hillebrandt seine „Masterclass“.

Neubeuern – Beim Abschlusskonzert demonstrierten alle Teilnehmer mit unterschiedlichen Ausbildungsständen, was sie gelernt haben. Gesangstechnik, Präsentation, korrekte Atmung, freie Töne ohne Muskelanspannung, reine Aussprache der Vokale und klangvolle Gestaltung der Konsonanten sind das Ziel dieser Meisterklasse – und Ausschöpfung aller stimmlichen Potenz.

Bühnenpräsenz pur

Am weitesten darin sind die tiefschwarzen Bässe Lucas Kunze und Michael Doumas: Das zeigten sie in dem Duett des Königs Philipps und des Großinquisitors aus Verdis „Don Carlos“. Das war Bühnenpräsenz pur, bannend, beeindruckend und berührend. Vorher hatte schon Lucas Kunze, der zurzeit am Opernhaus Lübeck ist, seinen prachtvoll-virilen Bass und seine Darstellungswucht in einer Arie aus Verdis „Ernani“ hören lassen und Michael Doumas seiner komödiantischen Lust freien Lauf gelassen in „O Santa Justizia“ aus Lortzings „Zar und Zimmermann“. Er beherzigte auch das Gebot der klangvollen Gestaltung der Konsonanten.

Weitere Berichte über die Kultur in der Region lesen Sie hier!

Auf dem Wege dazu sind noch Nahoko Nakagami und Gesa Jörg. Erstere sang die Arie der Susanna aus Mozarts „Figaros Hochzeit“ und die Arie der Mimi aus Puccinis „La Boheme“: Sie bräuchte eine delikatere Formung der Vokale und noch mehr Legato, um die Melodiebögen lebendig zu formen. Gesa Jörg war noch am weitesten von der erstrebten Gesangskunst entfernt. Ihr Sopran (in „Einsam in trüben Tagen“ aus Wagners „Lohengrin“) ist nicht wendig und wandlungsfähig genug, ihre Konsonanten waren gar nicht klingend, zudem zeigte sie eine Neigung zum Detonieren und zum Übersteuern.

Klangüppiger Mezzosopran

Leyla Galek wechselte vom Job der Flugbegleiterin zur Opernsängerin. Klangüppig und frei angesetzt ist ihr Mezzosopran mit guter Legato-Kultur, die sie in der Arie der Leonore („Pace, pace, mio Dio“) aus Verdis „Macht des Schicksals“ bewies. Ihre Agilität zeigte sie in einer Arie aus einer Vivaldi-Oper. Kayo Hashimoto, die Ehefrau von Oskar Hillebrandt, verlegt ihren Sopran immer mehr ins Mezzo: Mit vollem Einsatz, lebhaftem Minenspiel und ebenso lebhafter Gestaltung sang sie die „Seguidilla“ aus „Carmen“ und mit überströmender Stimmgewalt die Arie der Delila aus „Samson et Delila“ von Camille Saint-Saens.

Mit urwüchsiger Kraft

Die Hörgeräte der Zuhörer drohten zu kollabieren, als der Heldentenor George V. Humphrey ohne Rücksicht auf die Kleinheit des Saals mit viel Höhenglanz und urwüchsiger Kraft seine Arien schmetterte: zuerst das Duett „Solenne“ aus der „Macht des Schicksals“, dann „Vesti la giubba“ aus dem „Bajazzo“ von Leoncavallo sowie die extrem schwierige Arie des Herodes aus Strauss‘ „Salome“. Mitten drin durften Antonia Donaubauer und Chiara Brandl, Schülerinnen von Kayo Hashimoto, mutig „I am Sailing“ darbieten. Immer mittendrin, wenn auch am Rande sitzend, war der Pianist Paolo Troian, der alles begleitete. Am Ende bekamen alle ihre Urkunde aus der Hand des „Meistersingers“ Hillebrandt, der mit dem Strauss-Lied „Habet Dank!“ den Abend beschloss – aber dann sangen alle noch ausgelassen „Tanzen möcht‘ ich“ aus der Operette „Die Csardasfürstin“ von Emmerich Kálmán.

Mehr zum Thema

Kommentare