Doppelt bezaubernd

Die Harfen-FeenRegine Kofler (links) und Silke Aichhorn (rechts) sind, obwohl sie sich so ähnlich sehen, keine Schwestern. Janka
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Die Harfen-FeenRegine Kofler (links) und Silke Aichhorn (rechts) sind, obwohl sie sich so ähnlich sehen, keine Schwestern. Janka

Was ist bezaubernder als eine Harfe? Richtig: zwei Harfen.

Die doppelte Bezauberung war das Motto der Matinee des Tonkünstlerverbands Südostbayern im gut gefüllten Rosenheimer Künstlerhof. Die beiden Harfen-Feen Silke Aichhorn und Regine Kofler sehen sich ähnlich wie Schwestern und waren auch ähnlich gekleidet in verschieden dunkel getönte lilafarbene Roben. Sie sind auch in ihrem souveränen und volltönenden Spiel nicht zu unterscheiden, beide können ihre Harfen - die eine goldbeschlagen, die andere edelhölzern - lieblich tönen lassen wie Flöten, strahlen lassen wie Trompeten und singen lassen wie Geigen, raumfüllend wie zwei Konzertflügel sind sie allemal.

Dies war am vordergründigsten hörbar in den Rahmenprogrammstücken: Rauschende Fülle und gleichzeitige helle Transparenz herrschten im „Einzug der Königin von Saba“ von Georg Friedrich Händel, während man in der „Moldau“ von Friedrich Smetana das leise Plätschern, das mondhelle Glitzern und das triumphale Rauschen des böhmischen Flusses hören konnte.

Zwischen den Stücken sagten die beiden Harfenistinnen nicht nur die Stücke an, sondern erklärten auch ein wenig das Innenleben einer Harfe, denn, so Silke Aichhorn, „eine Harfe heißt nicht nur lange Haare und ein langes Kleid und ein bisschen Zirpen in der Weihnachtszeit“, eine Harfe bedeute auch schwere und diffizile Fußarbeit mit insgesamt sieben Pedalen!

Sehr beschwingt und melodieselig war ein „Duetto“ von Jacomo Gotifredo Ferrari (1763 bis 1842), wellenglitzernd bezaubernd war die Suite „Cambria“, die das britische Wales preist, des königlichen Harfenisten John Thomas (1826 bis 1913), und ruhig-pathetisch „La prière des bardes“, also das Gebet der Barden, von Felix Godefroid (1818 bis 1897), bei dessen Spiel angeblich die jungen Mädchen selig in Ohnmacht gesunken sein sollen… Nun, wenn der Barde Troubadix in dem kleinen gallischen Dorf so schön gespielt hätte, wäre er bestimmt nicht, wie sonst immer, geknebelt und an einen Baum gefesselt worden.

Ein bezauberndes Konzert war es, und nach heftig-herzlichem Beifall ließen sich die Harfen-Feen noch zu einem Zugaben-Doppelpack erweichen: doppelt bezaubernd!

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