Diese Oper ist wie ein ganz besonderer Trüffel

Richard van Schoor. Foto re
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Richard van Schoor. Foto re

Seit 2007 ist der 1961 in Kapstadt geborene Richard van Schoor musikalischer Leiter der Opernbühne Bad Aibling bei den jährlich stattfindenden Opernaufführungen. Er studierte Musik in Kapstadt, Florenz und Zürich. Am Samstag, 7. Juli, um 19.30 Uhr führt er mit der Opernbühne Bad Aibling die Oper "Die Hochzeit des Camacho" von Felix Mendelssohn in der Reithalle von Schloss Maxlrain auf. Es ist seit 1827 die erste Aufführung in Deutschland.

n Richard van Schoor, Sie sind von der Ausbildung her Komponist, Dirigent und Pianist. In der Rosenheimer Region sind Sie als musikalischer Leiter der Opernbühne Bad Aibling bekannt. Wieso übernehmen Sie seit fünf Jahren alljährlich diese Aufgabe?

Als ich im Jahr 2007 von Götz Schuricke, dem damaligen Regisseur, gebeten wurde, in einer Notsituation in Maxlrain als musikalischer Leiter einzuspringen, kam das überraschend. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich mich gerade in Kapstadt auf. Obwohl ich nicht genau wusste, was mich in Maxlrain erwarten würde, freute ich mich, dass ich einsteigen durfte und die Situation vorerst retten konnte. Als ich dann dort ankam, war ich von dem Einsatz der Mitglieder, dem liebevollen Arbeitsumfeld und der positiven Energie mitgerissen. Die Opernbühne bleibt einfach ganz besonders und eigen, und es ist jedes Jahr wieder beeindruckend, wie James Barnes und seine Frau Margret Kahnt-Barnes es schaffen, Produktionen von Werken auf die Bühne zu bringen, die teilweise unbekannt oder in Vergessenheit geraten sind. Man darf nicht unterschätzen, was geleistet werden muss, bevor das Publikum in den Genuss dieser Werke kommt. Das ist natürlich auch für mich ein Privileg, daran teil zu haben, den Ausgang qualitativ oder musikalisch zu bestimmen oder beeinflussen zu können.

n Südafrika ist Ihre Heimat, dort sind Sie aufgewachsen und haben dort studiert. Hat Ihre musikalische Arbeit dort auch ihre geistigen Wurzeln?

Auf jeden Fall. Ich bin in mancher Hinsicht eher unorthodox in meiner Vorgehensweise, sehr spontan, aber auch penibel, wenn es darauf ankommt. Südafrika ist nicht wirklich Afrika. Es gibt eine große Portion Europa in dem Mix, aber die Lebensart, auch das Klima beeinflussen, wie man über Musik denkt und wie man vorgeht. Die Freiheit dort in Bezug auf Natur und Raum hat mich schon sehr geprägt.

n Auf dem Programm der Opernbühne Bad Aibling steht in diesem Jahr die gute Laune machende Oper "Die Hochzeit des Camacho" von Felix Mendelssohn.

Das Werk ist erstaunlich. Ich kann einfach nicht glauben, dass Mendelssohn erst 15 Jahre alt war, als er mit dem Werk anfing. Die Oper ist genial und basiert auf einer Geschichte aus dem Roman "Don Quijote" von Cervantes. Das Werk ist humorvoll, spritzig und sehr inspiriert. Wir schätzen uns sehr glücklich, die erste Aufführung in Deutschland zu geben, seit Mendelssohn das Werk selber hörte. Die Oper wurde vor einigen Jahren in England aufgeführt, und sie wurde mittlerweile auch auf CD aufgenommen. In Deutschland war sie seit 1827 nicht mehr auf der Bühne zu sehen. Das ist wie ein ganz besonderer Trüffel, der der Opernbühne da in die Hände gefallen ist. Da müssen wir uns bei Margret Kahnt-Barnes bedanken.

n Welche Anforderungen stellt dieses Opernwerk an Chor, Orchester und Dirigenten?

Für den Chor und das Orchester ist Mendelssohn immer eine Herausforderung, vielleicht - das ist Ansichtssache - mehr als Mozart. Es gibt für die Streicher in dieser Oper schwierige Stellen, doch der Dirigent sollte auf keine Kompromisse bezüglich der Tempi eingehen. Aber diese Mendelssohn-Musik besitzt so viel Energie, dass sie sich auf alle Mitwirkenden überträgt.

n Im Januar dieses Jahres wurden Sie mit dem Förderpreis für Komposition der "Stiftung Deutsche Pfandbriefbank" ausgezeichnet. Wofür bekamen Sie diese Auszeichnung?

Der Förderpreis ist einerseits eine Anerkennung für das, was man schon geleistet hat, aber er unterstützt auch ein Projekt, das sich in Arbeit befindet. Die Stiftung hat sich entschlossen, mein Bühnenwerk über Büchner zu fördern, eine Oper über Georg Büchner, wenn man so will. Das Werk wurde von dem Stadttheater Gießen im Auftrag gegeben. Das Ganze ist Teil der Internationalen Hessischen Theatertage 2013, mit Schwerpunkt "200 Jahre Georg Büchner 2013". Für das Werk werde ich mit einem Regisseur zusammenarbeiten, der neben der Inszenierung auch das Textbuch verfassen wird. Wir wollen keine Büchner-Geschichte als solche erzählen. Spannend wird es trotzdem. Das Konzept ist visuell sowie inhaltlich sehr aufregend.

n Am 2. Juni fand in der Schlosskirche des Residenzschlosses Ludwigsburg die Uraufführung Ihres Oratoriums "Die sieben letzten Worte ... in anderen Worten" statt. Sie schließen das Oratorium an Joseph Haydns Werk an, heben es aber in der Folge davon ab.

Das Werk handelt von der Kreuzigung und ist bestrebt, die Kreuzigung als ein alltägliches Geschehnis in unserer heutigen Welt zu betrachten. Stilistisch ist das Werk eine Collage aus gesprochenen und gesungenen Texten, Dialogen und Zeitungsschlagzeilen, welche die Qualen und Ungerechtigkeiten in allen Gesellschaften der ganzen Welt in den Mittelpunkt stellen. Obwohl sich das Oratorium im Wesentlichen aus dem Kontext eines sakralen Werks entwickelt, war es mein Ziel, seine religiösen Aspekte mit den Menschenrechtsfragen zu verknüpfen. Das Werk wird am 14. August von 21.05 bis 22.50 Uhr im Musikforum vom Deutschlandfunk (DLF) ausgestrahlt.

Interview: Ute Bößwetter

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