Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Inntaler Klangräume

Die Tränen des heiligen Petrus flossen in der Klosterkirche Attel

Das siebenköpfige Ensemble „Cantando Admont“ singt unter den überlebensgroßen Köpfen des Heiligen Petrus.
+
Das siebenköpfige Ensemble „Cantando Admont“ singt unter den überlebensgroßen Köpfen des Heiligen Petrus.
  • VonRainer W. Janka
    schließen

Musik und bildende Kunst gingen beim Konzert der Inntaler Klangräume in der Klosterkirche eine Symbiose ein. Am Ende des berührenden Abends flossen dann tatsächlich die Tränen des Petrus.

Wasserburg – Als die Glocken läuten, wird es dunkel in der Klosterkirche Attel, die sieben Sänger und Sängerinnen des Ensembles Cantando Admont aus Graz treten auf und knipsen nur ihre kleinen Pultlämpchen an. Hinter ihnen stehen zwei große Leinwandtafeln mit sieben großen gemalten Darstellungen des weinenden Petrus aus der Barockzeit in exaltierten Leidensposen, alle mit himmelwärts gerichteten Augen.

Übermalte barocke Bilder von Andreas Legath

Andreas Legath hat diese barocken Bilder übermalt, hat ihnen narrative Symbole für Petrus beigegeben wie den Hahn, das Schwert, Schlüssel und das umgekehrte Kreuz und hat die Augen blutunterlaufen rot gemalt: Zeugnisse des grenzenlosen Schmerzes, mit dem Petrus bereut, Christus verleugnet zu haben.

Musik und Kunst

Es ist das erste der drei Konzerte unter dem Generaltitel „Inntaler Klangräume“, unter dem Andreas Legath seit nunmehr zehn Jahren im Herbst Inntaler Kirchen mit Musik und Kunst „bespielt“. In Attel stehen die „Lagrime di San Pietro“ von Orlando di Lasso auf dem Programm, also die Tränen des Heiligen Petrus. Es ist Lassos Schwanengesang, sein letztes Werk. Auf einen italienischen Text von Luigi Tansillo hat Lasso für siebenstimmigen A-capella-Gesang sieben Sätze komponiert, ein Spiel mit der heiligen Symbolzahl.

Während die Sänger singen, wird jeweils eines der sieben Petrus-Gesichter angeleuchtet, und zwar in verschiedener Leuchtkraft, so dass die Plastizität der Assemblagen deutlich hervortritt. Zwischen der Spätrenaissance-Musik und der modern übermalten Barockkunst entfaltet sich somit eine höchst meditative Wechselwirkung, die die Zuhörer tief anrührte – auch wenn es ein sehr hermetischer Kunstgenuss war.

Weitere aktuelle Berichte zur Kultur in der Region lesen Sie hier!

Den grenzenlosen Schmerz hat Lasso in grenzenlose Schönheit überhöht: Klänge schichten sich übereinander, verflechten sich kunstvoll polyphon und finden sich in immer neuen Kombinationen zusammen, schwellen expressiv an oder scheinen sich im schwimmenden Piano zu verlieren. Die drei Sängerinnen und vier Sänger von Cantando Admont ziehen mit leichter, müheloser Stimmgebung und sowohl klaren, ja keuschen, als auch warmen Stimmen die polyphonen Linien deutlich nach in vollkommener Transparenz und chorischer Balance.

Grenzenloser Schmerz

Manchmal wünschte man sich etwas mehr üppigere Expressivität für den grenzenlosen Schmerz der Tränen, den Sängern aber war die grenzenlose Schönheit wichtiger.

Zum Finale wirkliche Tränen auf den Gemälden

Für den letzten Satz, der in lateinischer Sprache die Hinwendung auf den Hörer bringt, wanderten die Sänger und Sängerinnen nach hinten und intonierten von dort aus den Gesang – mussten aber zweimal ansetzen, was die expressive Fragilität dieser Musik demonstrierte. Währenddessen begannen – zum Erstaunen aller – von oben herab wirkliche Tränen über die Abbilder Petri zu rinnen wie in einem Schüttbild von Hermann Nitsch: ein theatralischer Effekt, der an die Aufführungen des „theatrum sacrum“ in barocken Klosterkirchen erinnerte und der die Zuhörer vollends erschütterte.

Kommentare