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Musikschule Rosenheim

Die Bändigung des jungen Hengstes

Hochkonzentriert sitzt Dieter Lallinger am neuen Flügel der Musikschule Rosenheim.
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Hochkonzentriert sitzt Dieter Lallinger am neuen Flügel der Musikschule Rosenheim.

Seit zwanzig Jahren wünscht sich die Musikschule Rosenheim einen neuen Flügel. Dieter Lallinger hat ihn eingespielt und nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Rosenheim – Seit zwanzig Jahren wünschte sich die Musikschule Rosenheim einen neuen Flügel. Mit großzügiger Hilfe der Stadt Rosenheim und der Stiftung Sparkasse Zukunft besitzt sie nun einen 2,19-Meter-Flügel der Firma Steingraeber aus Bayreuth. „Wir wollten ein heimisches Produkt“, sagte Gottfried Hartl, Leiter der Musikschule. Es ist ein Flügel in der Nachfolge des Flügels von Franz Liszt, der in den Firmenräumen steht und immer noch bespielbar ist. So konnte Hartl die Nachhaltigkeit dieses Flügels konstatieren: „Der wird nun noch 100 Jahre bei uns stehen!“ In den zwei Jahren der Pandemie konnte der Flügel nicht der Öffentlichkeit vorgestellt werden, Dieter Lallinger hat ihn aber in der Zeit eingespielt und saß nun im Hans-Fischer-Saal der Musikschule an eben diesem Flügel beim offiziellen Präsentationskonzert.

Sehr schnell ins Forte

Wie klingt er und wie spielt er sich? „Er geht sehr schnell ins Forte“, sagt Lallinger, „man muss aufpassen, dass man im Piano noch genügend Farben hat. Es ist ein sehr schönes Instrument. Spieltechnisch ist der Flügel sehr gut, er ist griffig, aber er geht sofort los wie ein junger Hengst.“ Wenn man diesen „jungen Hengst“ bändigt, dann klingt der Flügel, wie sich anfangs im Impromptu Nr. 1 f-Moll von Schubert zeigt, sehr sonor, voll und sehr klar, fast zu volltönend für den Hans-Fischer-Saal.

Nach dem Schubert spielt Lallinger eine Auswahl der Intermezzi von Johannes Brahms, darunter das Capriccio cis-Moll op. 76/3: Und da rauscht es schon gewaltig im Forte. Im Intermezzo E-Dur op. 116/6 dann produziert Lallinger satte und raumfüllende warme Akkorde, grundiert mit tiefdunklen Basstönen, bis alles am Ende wie ins nichts verhallt. Wie schnell der Flügel anspricht, zeigte Lallinger dann in einer Auswahl der spieltechnisch extrem herausfordernden Etüden von Alexander Skrjabin. Die spielen oft mit verwirrender Polyrhythmik, da mischen sich durcheinanderpurzelnde Quintolen und Triolen zu einem rauschenden Gesamtklang, da badet Lallinger mit beweglichen Fingern in einem wahren Sexten-Schaumbad und am Ende kämpfen in einem Presto-Sturm Septimentriolen mit weitläufigen Quintolen um die Herrschaft, von Lallinger glänzend dargestellt.

Gleißend jenseitig

Den zweiten Konzertteil beherrschte Schuberts letzte Sonate in B-Dur. Lallinger gelang es, diesem großen düsteren und schließlich gleißend jenseitigen Mysterium, das bleischwer und lebensmüde einsetzt, am Ende einen männlich-entschlossenen triumphierenden Optimismus abzutrotzen, der Diskant glitzert hellstrahlend, mal piano-glitzernd, die musikalischen Vorgänge zeigen sich aufgelichtet, man kann geradezu Partitur hören – und dem Pianisten zusehen, weil sich alles kräftig in seinem Mienenspiel widerspiegelt.

Den aufbrandenden Beifall beantwortete Lallinger mit nochmal einem Schubert-Stück, dem dritten der Moments Musicaux, einem heiter-graziösen Stück, in dem Lallinger nochmal mit leichter Hand demonstrierte, wie schön der Flügel klingt, wenn man dessen Hengst-Natur bändigt.Rainer W. Janka

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