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„Inntaler Klangräume“

Die Architektur der Klosterkirche Rott zum Singen gebracht

Das „Cantate-Ensemble“, das „Marini-Consort“ und das „Salzburg Oktett“ spielten und sangen Musik von Haydn und Mozart.
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Das „Cantate-Ensemble“, das „Marini-Consort“ und das „Salzburg Oktett“ spielten und sangen Musik von Haydn und Mozart.

Mit einem fulminanten Konzert in der Klosterkirche Rott verabschiedeten sie die „Inntaler Klangräume“ für dieses Jahr von ihrem Publikum. Es war ein krönender Abschluss.

Rott – Immer noch wird Michael Haydn, der jüngere Bruder von Joseph Haydn, unterschätzt, obwohl Mozart ihn über alle Maßen rühmte und sich vielfach von seiner Musik inspirieren ließ. Michael Haydn wurde Mozarts Nachfolger in Salzburg, wirkte dort 43 Jahre lang und komponierte über 360 Werke, darunter 30 Messen. „Sein Styl in der Kirchenmusik, worinn er sich besonders hervorthat, ist ganz original. Selbst sein Bruder Joseph bekannte ungeheuchelt, daß ihn Michael hierinn übertreffe; und vor ihm hatte noch keiner – selbst Mozart nicht, in dieses Fach gleiche Kunst, Harmonie, Würde und Andachtsgefühl hineingezaubert“, heißt es in einer 1808 erschienen Biografie über ihn. Andreas Legath hat schon viele Messen von ihm aufgeführt, mit der „Missa Sancti Hieronymi“ hat er jetzt in der Klosterkirche Rott die diesjährigen „Inntaler Klangräume“ glanzvoll beendet.

Begonnen hatte das Konzert aber doch mit Mozart, der Bläserserenade Es-Dur KV 375. Das Salzburg Oktett ging lebensfrisch und beinahe stürmisch zu Werke und musste dabei aufpassen, dass der Klang in der natürlichen Akustik der Kirche nicht zu mächtig wurde und den liebenswürdigen Serenaden-Charakter nicht beschädigte. Aber die Musiker beachteten aufmerksam den Wechsel von Serenaden-Seligkeit und Moll-Melancholie, gestalteten vor allem das Adagio in strömend singendem Tonfall und machten „die Wunder subtilster kammermusikalischer Gestaltung und sorgsamer klanglicher Ausbalancierung“, von denen Arnold Werner-Jensen in seinem Mozart-Musikführer schreibt, hörbar.

Schmerzensreiche Harmonik

Dann kam doch zunächst der ältere Bruder Joseph Haydn dran mit dem Offertorium „Non nobis Domine“: ein harmonisch kühnes und flehentlich-expressives Werk, das das Cantate-Ensemble sehr animiert, ja elektrisiert sang. Eher schwebend, dabei die dissonanten Vorhalte tapfer aushaltend, interpretierte dieses Ensemble dann „Adoramus te“ von Quirino Gasparini (1721 bis 1778), ein Chorgebet voller schmerzreicher Harmonik und Adagio-Innigkeit, das früher irrtümlich Mozart zugeschrieben worden war.

„Harmonie, Würde und Andachtsgefühl“

Und zum Schluss eben die Michael-Haydn-Messe: Sehr energisch vorantreibend dirigierte Andreas Legath diese Messe voller „Harmonie, Würde und Andachtsgefühl“. Das Orchester (Marini Consort) ist vor allem in den Bläsern reich besetzt, die Solisten (Priska Eser, Kerstin Rosenfeldt, Andreas Hirtreiter) haben keine ausgeprägten Arien, sondern agieren in den Gesamtfluss eingebunden. Hoffnungsgläubig fröhlich ist das Kyrie, rasch voraneilend das Gloria, das dann beim Miserere länger verweilt, die Gott anrufenden „tu“-Rufe dramatisch heraushebt und mit einer ausgedehnten Fuge endet – wie das Credo, dessen „Amen“ schier nicht enden will, als ob es immer wieder das Glaubensbekenntnis bekräftigen wolle. Vorher ist schon das „Cruzifixus“ von Orchesterschlägen wie von Hammerschlägen begleitet. Herrliche Musik ist dies, eben voller Würde und Andacht, sich bukolisch wiegend im Benedictus und mit den Oboen um Erbarmen bittend im Agnus Dei.

Das, was die „Inntaler Klangräume“ bezwecken, nämlich Barockkirchen mit barocken Klängen zu füllen, ist mit dieser Musik in besonderem Maße gelungen: Goethe hat geschrieben, Architektur sei „verstummte Tonkunst“: Andreas Legath hat in Rott die Architektur aus der Verstummung gelöst und sie zum Singen gebracht.

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