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Ausstellung in der Villa Maria

Die Anwesenheit des Menschen: Bilder und Skulpturen von Maximilian Schmetterer und Carsten Lewerentz

Maximilian Schmetterer: „Akropolis Baustelle“ (2017), Aquarell.
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Maximilian Schmetterer: „Akropolis Baustelle“ (2017), Aquarell.
  • VonUte Bößwetter
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Humor und Harmonie, Anmut und Atmosphäre paaren sich in den Werken des Malers Maximilian Schmetterer und des Bildhauers Carsten Lewerentz. Die gesamte Ausstellung, die bis 24. April, in der Villa María besticht durch eine sorgfältig aufeinander abgestimmte Auswahl der Exponate.

Bad Aibling – Beide Künstler leben und arbeiten am Chiemsee, sind auch dort aufgewachsen, wobei Maximilian Schmetterer in Prien, Carsten Lewerentz in Übersee geboren wurde. Beide sind mit ihren Darstellungen weit von Chiemseemotiven entfernt, gehen eigenwillige Wege in der Themenfindung. In der Mehrzahl hängen Schmetterers Aquarelle, aber die Skulpturen von Lewerentz –- obwohl klein und zahlenmäßig geringer – behaupten sich daneben.

Ungewöhnliche Thematik

Schmetterer hat seiner Aquarellmalerei eine sehr eigene Note und eine ungewöhnliche Thematik gegeben. So sieht man auf seinen Arbeiten Stromleitungen die Landschaft durchkreuzen und zerschneiden, und es scheint, als ob er den Bildern durch diese Linien eine Struktur geben wolle. Die Akropolis, weltberühmtes Unesco-Kulturerbe, wird als Baustelle dargestellt, und der Betrachter muss hinter einem Chaos aus Absperrungen und Gerüsten das eigentliche Bildmotiv suchen. Aber gerade durch dieses Suchen und Finden wird der Blick gefordert.

Dass diese Bilder dennoch eine große Ästhetik besitzen, liegt am Einsatz von Licht und Schatten und vor allem am Umgang mit der Farbe. Immer dominieren in Schmetterers Aquarellen die Rost- und Ockertöne, je nach Motiv auch Blau und Grau. Die wässrigen Spritzer – ein Charakteristikum der Aquarellmalerei – akzentuieren die Motive und sind bewusst als Stilmittel eingesetzt. Immer ist der Himmel verhangen, und stets zieht sich ein Dunstschleier vom Himmel her über das ganze Bild – beileibe kein Zeichen für Unwetter, sondern eher ein Verfremdungselement. Aber Unwetter gibt es auch: ein Bild trägt den Titel „Mittelmeer bei Regen“, und zeigt ein weiteres Mal die Intention des Malers, von üblichen Schönheitsklischees abzuweichen.

Umgestürzte steinerne Grabkreuze auf einem alten Friedhof oder ein Stoppelfeld bei Rimsting weisen in die gleiche Richtung: Maximilian Schmetterer sucht und gestaltet Motive, denen andere Maler keine Beachtung schenken würden.

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Das verträgt sich hervorragend mit der Themenfindung des Bildhauers Carsten Lewerentz. Welcher Bildhauer käme auf die Idee, zarte Dessous aus dem Material zu schaffen, aus dem andere Künstler mächtige heroische Gestalten formen? Aber nicht die Heroen stehen bei Lewerentz auf dem Sockel, sondern Hüllen, zu denen man sich die Trägerin, den Träger dazudenken muss. Titel wie „Grande Dame“, „Umhüllt“, „Beglückt“ verschleiern mehr als sie preisgeben. Und das alles in Bronze gegossen!

Obwohl nur mittelbar präsent, geht es in Lewerentz‘ Werk um den Menschen, um seine Gewohnheiten, seine Attituden, seine Sehnsüchte. Dass der Bildhauer dies alles zu vermitteln vermag, darin gipfelt seine Kunst. Der Betrachter sieht sich angehalten, in die jeweiligen Bekleidungen ein lebendiges Wesen hineinzudenken. Und da es sich zumeist um weibliche Kleidungsstücke handelt, assoziiert dieses Spiel auch immer sinnliche Vorstellungen. Dieses zarte Hemdchen mit Spaghettiträgern, wie mag es seiner Trägerin zu Gesicht stehen?

Carsten Lewerentz: „Kleine Serenade“ (2021), Bronze-Unikat.

Vielleicht hat sich sein Interesse an leeren Kleidungsstücken daraus ergeben, dass leere Hüllen ausgeschlüpfter Libellenlarven ihn schon immer in Bann schlugen, vermutet Lewerentz. So ergab sich nach und nach seine Faszination an verschiedenen Stadien der Entwicklung bis zum gedachten Ganzen.

Der Mensch ist immer anwesend

In den Bildern von Maximilian Schmetterer und den Skulpturen von Carsten Lewerentz tritt der Mensch nicht in Erscheinung. Aber von Menschenhand Geschaffenes wie historische Bauten, Gräber oder Schiffe in den Aquarellen oder verschiedene Kleidungsstücke in den Skulpturen weisen auf die Anwesenheit des Menschen hin. Und in dieser Aussage treffen sich die beiden Künstler.

Bis 24. April

Zu sehen ist die Ausstellungr bis Sonntag, 24. April, samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 08061/9277 in der Galerie Villa María, Rosenheimer Straße 43.

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