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Gerold Huber unterhält und klärt auf mit seiner bairischen Workunde

Dialekt macht schlau

Vergnügliche Wortkunde präsentierten Gerold Huber (rechts) und Maria Reiter (links) in der Rosenheimer Stadtbibliothek.  Foto  Jacobi
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Vergnügliche Wortkunde präsentierten Gerold Huber (rechts) und Maria Reiter (links) in der Rosenheimer Stadtbibliothek. Foto Jacobi

Zum Auftakt der Reihe "Literat(o)uren" hatte die Stadtbibliothek Rosenheim den Sprachwissenschaftler Gerold Huber zu seiner Lesung von "Hubers bairischer Wortkunde" eingeladen. Man kennt ihn als Autor, als Münchner Turmschreiber und besonders durch seine über 25-jährige Tätigkeit beim bayerischen Rundfunk.

Die Akkordeonistin Maria Reiter fungierte als seine musikalische Partnerin. Sie macht Kammermusik, Theatermusik und ist seit vielen Jahren versierte Begleiterin bei Lesungen.

"Wir sind ganz anders als die Anderen" sagte Gerold Huber zu Beginn seines heiteren Streifzugs durch die bairische Sprache und ihrer Geschichte in der voll besetzten Stadtbibliothek. Es geht Huber darum, das Bewusstsein für das wichtigste Kulturgut der Bayern, die bairische Sprache zu wecken. Aus diesem Bewusstsein müsse das Selbstbewusstsein wachsen. Und bairisch sei nur, wer bairisch spricht. Die Bayern haben das sprachliche Erbe von den Römern, erfuhren die Zuhörer. Und im Laufe des Abends beim Thema "Woher die Wörter kommen". Vom lateinischen "Similar" stammt das Wort Semmel. Die kleine Semmel hieß "Plazenta" aus dem sich "Platzerl" entwickelte. Das bairische Wort Kuchl kommt vom lateinischen "Cucina".

Huber wusste auch, dass dem Mitbegründer der Bayernpartei, Dr. Georg Heim, der Spruch zugeschrieben wird: "Wir haben in Bayern schon eine Kultur gehabt, da haben die norddeutschen Wildschweine ihre Hintern noch an den Eichen gewetzt". Goethe aber sagte: "Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch das eigentliche Element, in welchem die Seele Atem schöpft." Nach neuesten Erkenntnissen der Sprachwissenschaftler ist das Sprechen eines Dialekts die beste Vorraussetzung für Mehrsprachigkeit und das Fazit daraus bedeutet: "Dialekt macht schlau."

Da Franken ja zu Bayern gehört, stimmte Huber mit ein zu Maria Reiters Akkordeonspiel und ihrem Gesang des bekannten "Land der Franken-Liedes", und das Publikum war gerne bereit, beide stimmlich zu unterstützen. Nach dem Beispiel vom norddeutschen "die Acht" und vom bairischern "der Achter" sangen Maria Reiter und Gerold Huber das lustige Lied vom Zweiring und dem Pfennig zur frischen Melodie des Akkordeons. Da war es dann nur ein kleiner Sprung zum "Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist". Wie viel vollmundiger ist doch das bairische "Goschn" im Gegensatz zur norddeutschen "Schnute". Natürlich haben die Bayern noch weitere Variationen wie Gfriss, Lätschn, oder Schnadern, und die Akkordionistin servierte ein flottes Schnaderhüpferl auf Argentinisch, was dort Payadora heißt.

In ergötzlichen Beispielen belegte Huber, dass Norddeutsche nie stimmlich richtig italienisch sprechen können, was den Bayern aber viel leichter fällt. Für den Unterschied vom bairischen Stiege zur norddeutschen Treppe hatte er ein köstliches Beispiel: "Stiangglander ist eine spezielle Hunderasse, die es nur in Bayern gibt. Kein Mensch würde hier einen Mischlingshund Treppengeländerrasse nennen!

Nach der Pause ging`s weiter mit dem alten bairischen Wort Bissgurn. Natürlich wussten alle Zuhörer was damit gemeint ist. Dass "Gurn" im Spätmittelalter Stute bedeutete, erfuhren sie nun. Bissige Stute war daher folgrichtig die Übersetzung. Brause und Dusche führten zu weitern Sprachverglei-chen. Dazu passte das Lied vom Tröpferlbad, das beide Künstler vergnüglich zum Besten gaben. Dass die Österreicher die besseren Bayern seien, das war dann doch etwas überraschend für die Besucher. Die Österreicher haben zum Beispiel das Wort Pickerl für Aufkleber eingeführt, auch das Wapperl oder Babberl. In Bayern seien neue bairische Wortschöpfungen eher weniger zu finden.

Nach stürmischem Schlussapplaus erläuterte Huber, dass Bairisch eine höfliche Sprache sei, trotz seines "mia san mia". Das beste Beispiel hierfür sei ja der wunderbare bairische Konjunktiv. Das "i war jetzt do" bedeute, ich bin jetzt da, wenn du mich brauchst. Das A in "war" ist dabei ein helles A. Im Gegensatz zur heutigen Tendenz mit ihren Fakten betone der bairische Konjunktiv das Indirekte. Die Sprache brauche die Zweideutigkeit, das gehöre zur fundamentalen Lebensbewältigung. Mit "I war jetzt fertig" beendete Gerold Huber seine amüsante und aufschlussreiche Lesung, und Maria Reiter spielte noch eine feine Melodie zum Abschluss.

Das Buch "Hubers bairische Wortkunde" ist im Volk-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro

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