Der Kreuzweg von Marianne Lüdicke

Die neue Broschüre. re
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Die neue Broschüre. re

Bernau/München. – Weit über den Chiemgau hinaus bekannt ist die Bildhauerin Marianne Lüdicke, geboren 1919 in Frankfurt am Main, verstorben 2012 in Marquartstein.

Die Künstlerin studierte 1939 bis 1944 an der Akademie der Bildenden Künste in München als Meisterschülerin bei Professor Richard Knecht, einem Schüler von Adolf von Hildebrand. Über ihren Malerfreund Wilhelm Georg Maxon kam sie schon Anfang der 1940er-Jahre nach Weisham bei Bernau, der Ort, in dem sie über 70 Jahre als freischaffende Bildhauerin lebte und arbeitete.

Die Liebe zu den Menschen, zur Natur und zur Tierwelt prägte ihre Kunst. Bescheiden und in aller Zurückgezogenheit, und dennoch dem Leben kraftvoll verbunden, entstand ein gewaltiges Werk, das in großen Teilen nach ihrem Tod in den Besitz der Kunstsammlung der Marktgemeinde Prien überging.

In ihren klaren Arbeiten mit ihrer geschlossenen Grundstruktur und einem strengen Aufbau gibt sie mit großartiger Beobachtungsgabe zwischenmenschliche Momente und Gesten der Geborgenheit, Zuneigung und Gemeinschaft wieder und entwickelte so ihren eigenen Stil. „Jeder Einzelne kann auf seine Weise Freude geben: dem Betrachter, dem Kunstverständigen eine Welt von Fantasie, von Schönheit und Formerfindungen vermitteln. Ohne das wäre das Leben arm und eng“, so die Künstlerin.

Zum 100. Geburtstag Marianne Lüdickes im Jahr 2019 zeigte das Heimatmuseum Prien eine Retrospektive, die ausschließlich dem Frühwerk mit Terrakotten und Zementgüssen gewidmet war. Dabei war eine großartige Entdeckung im Werk Marianne Lüdickes der hochformatige Kreuzweg in der Kirche St. Klara in München-Zamdorf aus dem Jahr 1956, in dem die Künstlerin in den 14 Bildtafeln ihr kompositorisches Können eindrucksvoll unter Beweis stellte und der heute noch durch seine Schlichtheit und dezente Farbigkeit beeindruckt.

Die Priener Marianne-Lüdicke-Stiftung nahm dies zum Anlass, den von der Künstlerin gestalteten Kreuzweg in St. Klara München-Zamdorf in einer kleinen Broschüre mit geistlichen Impulsen von Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger herauszugeben. Die Kreuzwegbroschüre, deren offizielle Vorstellung leider coronabedingt nicht stattfinden konnte, liegt während der Vorosterzeit kostenlos in der Priener Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ zum Mitnehmen aus oder kann, bei Einsendung von zwei Euro für Verpackung und Versand, über das Rathaus Prien erworben werden. Karl J. Aß

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