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Aktuelle Ausstellung

Der Jugendstil und seine regionalen Spuren in der Städtischen Galerie Rosenheim

Ein Raum der Ausstellung widmet sich den literarisch-künstlerischen Zirkeln im Schloss Neubeuern. Im Bild ein Fragment des Familienporträts der Familie Bodenhausen (Theo van Rysselberghe, Öl auf Leinwand 1910). Friedrich
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Ein Raum der Ausstellung widmet sich den literarisch-künstlerischen Zirkeln im Schloss Neubeuern. Im Bild ein Fragment des Familienporträts der Familie Bodenhausen (Theo van Rysselberghe, Öl auf Leinwand 1910). Friedrich
  • VonAndreas Friedrich
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Den typischen Ausprägungen des Jugendstils widmet sich die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie Rosenheim. Darüber hinaus spürt ein Teil der Ausstellung der Belle Epoque im regionalen Kontext nach.

Rosenheim – „La Belle Époque“ oder auch „Fin de Siècle“ bezeichnet die Zeit vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Eine Zeit, die im Zeichen eines ungeheuren technischen Fortschritts stand, denkt man nur an die rasante Entwicklung der Industrie, der Fortbewegungsmittel und der individuellen Mobilität. Damit einher ging eine stark wachsende visuelle Kultur, ein Wunsch nach Allgegenwart von Kunst, und zwar über Ländergrenzen hinweg. Der „Jugendstil“ kann als letzte einheitliche internationale Kunstrichtung angesehen werden, mit vielen prägenden Beispielen sowohl in Europa als auch in den USA.

Kunstzirkel im Inntal und im Chiemgau

Die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie Rosenheim – kuratiert von der Kunsthistorikerin Dr. Olena Balun – veranschaulicht mit Exponaten verschiedener Spielarten die typischen Ausprägungen des Jugendstils. Darüber hinaus widmet sich ein Teil der Ausstellung der Entwicklung im regionalen Kontext und gewährt Künstlern und Kunstzirkeln aus Rosenheim, Chiemgau und dem Inntal einen angemessenen Raum.

„Malerfürst“ Franz von Stuck

Zunächst einmal empfängt die Besucher eine Ecke mit einem Kanapee á la Sigmund Freud – doch Hinlegen ist anicht ngesagt, denn schon die ersten Exponate machen neugierig auf mehr. Provokative Nacktheit, mystisch anmutend und mit einem Schuss Gefahr begrüßt einen mit der Bronzeskulptur „Monna Vanna“ von Franz von Stuck, eine Arbeit aus dem Jahr 1920. Stuck, Professor an der Akademie in München und Lehrer unter anderem von Paul Klee und Wassily Kandinsky, war einer der wichtigen Protagonisten des Symbolismus und stilprägend mit seinen allegorischen Darstellungen mit oft lasziv-erotischer Atmosphäre, die Sexualität mit Gefahr verband. In München war er als „Malerfürst“ vernetzt mit anderen Künstlern in der „Secession“. Viele dieser Künstler arbeiteten auch mit bei der Zeitschrift „Jugend“, die der Kunstepoche im deutschsprachigen Raum ihren Namen gab.

Femme Fatale und Femma Fragile

Längere Texte erklären im Eingangsraum die Kunstströmung im europäischen Zusammenhang, weitere Exponate wie ein Plakat von Pierre Bonnard für die Kunstzeitschrift „La Revue Blanche“ passen dazu.

Der zweite Raum gehört der Malerei des Jugendstils – hier dominieren weibliche Darstellungen mit teils ebenfalls mythischem Hintergrund, die Grenzen zur Literatur – wie beispielsweise zu dem Dramen Shakespeares – sind damit fließend. Der Blick fällt unweigerlich auf das Ölgemälde „Ophelia“ (1893) von Fritz Erler: Das Motiv ist die „Femme Fragile“ als Gegenstück zur „Femme Fatale“ der vorher erwähnten Skulptur „Monna Vanna“. Blumensymbolik, Schönheit und Schwäche zugleich beinhaltet das ebenfalls um die Jahrhundertwende verbreitete Frauenbild.

Das preisgekrönte Service von Hermann Gradl dem Älteren aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur.

Im Kontrast dazu die „Medusa“ von Franz von Stuck als eine Furcht und Schrecken verbreitende Gestalt der griechischen Sagenwelt, diesmal als Entwurf für einen Fächer. Ein Bild von Leo Putz zeigt seine rudernde Frau – er hatte sich ein Atelier in Schloss Hartmannsberg bei Bad Endorf eingerichtet.

Rolle der Zeitschriften

Eine wichtige Rolle in der Alltagsästhetik spielte die Druckgrafik, denn sie war in der neu aufkommenden Form der Werbung allgegenwärtig. Ihr und den Kunst- und Satirezeitschriften „Jugend“, „Pan“ und „Simplicissimus“ widmet die Ausstellung einen eigenen Raum mit vielen dynamischen und teils farbenprächtigen Zeitschriften-Covers, auffällige Hingucker und mit großer Bandbreite zwischen Ästhetizismus und Politik.

Raum vier zeigt, wie sich Jugendstil in der Region Rosenheim entwickelte: Die Lage an der Bahnstrecke München-Wien war günstig, kleine Künstlerkolonien um Persönlichkeiten wie Leo Putz, Hans Rossmann am Samerberg und den international anerkannten Rudolf Sieck bildeten sich. Der Raum zeigt sowohl mythische Darstellungen wie auch Landschaftliches vom Chiemsee oder von der Burg Falkenstein.

Die Künstlerkolonie Neubeuern ist in einem eigenen Abschnitt dargestellt. Der literarisch-künstlerische Salon der Baronin Julie von Wendelstadt zog berühmte Persönlichkeiten wie Henry van de Velde, Hugo von Hofmannsthal oder Théo van Rysselberghe ins Inntal.

Hervorragende Handwerkskunst

Doch auch in der angewandten Kunst manifestierte sich der Jugendstil: Kunst oder Gebrauchsgegenstand – das ist die Frage bei besonders gestalteten Stühlen, kunsthandwerklich brillant gefertigten Beistelltischchen oder Gefäßen, die in der Ausstellung in Vitrinen ihre besondere Ästhetik entfalten. Sportler, die ihre kunstinteressierte Partnerin in die Galerie begleiten müssen, werden hingegen an einem Werbeplakat für Skikurse in Oberaudorf gefallen finden – Tourengehen im Jahr 1912 attraktiv in Szene gesetzt. Einen besonderen Abschluss bildet das Porzellan der Nymphenburger Manufaktur: Hier ist das Fischservice aus dem Jahr 1900 ausgestellt, prämiert mit dem „Grand Prix“.Bis 1. Mai

Zu sehen ist die Ausstellung „La Belle Époque – Der Zauber der Jugendstils“ bis 1. Mai 2022, Dienstag bis Sonntag jeweils 13 bis 17 Uhr. Am 26. Dezember und 6. Januar geöffnet. Es gilt die Regel 2G-Plus.

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