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Den Schmerz der klagenden Frage mitreißend zum Ausdruck gebracht

Professor Gerhard Gnann trumpfte auf der Orgel ordentlich auf.
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Professor Gerhard Gnann trumpfte auf der Orgel ordentlich auf.

Jeden ersten Mittwoch im Monat ist halbstündiger „Orgelmittwoch“ in der Pfarrkirche Wiederkunft Christi, zweimal im Jahr ist es ein länger dauerndes Meisterkonzert.

Kolbermoor – Diesmal war Gerhard Gnann, Orgelprofessor in Mainz, der Meister und diesmal war es wahrlich meisterlich. Völlig souverän und mühelos virtuos war seine Spielweise, immer klar seine Disposition und der dramaturgische Aufbau, und immer war ein vorwärtsdrängender Zug in seinem Spiel. Und immer auch in diesem Programm ein inneres Flehen: Gnann betonte in seinen Anfangsworten, dass die Texte, auf die sich die gespielten Choralbearbeitungen beziehen, Leid, Angst, Trost und Bitte um Frieden enthalten.

Das konnte man besonders in den drei der insgesamt 66 Choralimprovisationen hören, die im Opus 65 von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) enthalten sind. Diese sind nichts weniger als „Improvisationen“, sie sind ausgefeilte Choral-Impressionen, klanglich exzessiv und die Tonalität ganz ausreizend. Gnanns Spiel in der ersten Choral-Improvisation („Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“) verströmte den Schmerz der klagenden Frage und war mit weich-warmen und oft dunklen Klangfarben registriert, vielfarbig war die zweite („Ich dank dir schon durch deinen Sohn“) und in brausendem, aber doch wieder flehendem Forte und geradezu stürmischem Tempo kam die dritte Improvisation („Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“), in der Gnann die Musik aufgischten und die vertonte Bitte geradezu aufstöhnen ließ.

Gegen diese protestantisch-deutsche Herbheit hörte sich das darauffolgende „Offertoire“ von César Franck (1822-1890) zwar auch bittend, jedoch schon etwas weihrauchumwölkt und süßduftend an. Den zweiten Satz aus Beethovens 7. Symphonie, den Gnann selber für Orgel bearbeitet hat, nahm er etwas rasch, was den Prozessions- oder Trauermarsch-Charakter dieses Stücks minderte.

Begonnen hatte diese Orgelstunde festlich-galant: Johann Christian Heinrich Rinck (1770-1846) war seinerzeit einer der berühmtesten Organisten, war lange vergessen und wird erst jetzt wieder entdeckt. Sein zweites Orgelkonzert in c-Moll beginnt majestätisch wie der Einmarsch eines Herrschers und endet fröhlich-spielerisch, wie Mozart ohne dessen spirituelle Tiefe.

Gnann trumpfte anfangs ordentlich auf, ließ es dann festlich glitzern und anmutig perlen. Zwischen diese Sätze hatte er Choralvariationen über „Straf mich nicht in meinem Zorn“ desselben Komponisten gesetzt, dessen Choralmelodie der Organist durch alle Umspielungen hindurch deutlich herausleuchten ließ.

„Alles aber kulminiert in Bach“, hatte Gnann anfangs gesagt: Wie wahr! Auch in der berühmten Passacaglia BWV 582 herrscht Sehnen und Flehen („schmerzvolles Sehnen“ findet der Bachforscher Philipp Spitta hier, während Michael Radulescu sogar eine Kreuzform entdeckt), was Gnann aber mit seinem rasch voranschreitenden Tempo nicht noch mehr vertiefen wollte. Jeder der 20 Variationen (Piet Kee zufolge beruhen die insgesamt 21 Teile auf den sieben Bitten des Vaterunsers) verlieh Gnann eine eigene Charakteristik und ein eigenes Farbspiel und geriet am Ende in einen wahren Fugenrausch.

Für den stehenden Beifall der außerordentlich zahlreichen Zuhörerschaft bedankte sich Gerhard Gnann mit dem „Tango ecclesiastico Nr. 3“ des 1942 geborenen Schweizer Organisten Guy Bovet.Rainer W. Janka

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