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Werke von Andreas Kuhnlein in Prien

Dem Menschsein auf der Spur - Skulpturen mit expressiven Strukturen

„..das Wasser...und die Farben – ein Traum!“ Morgenroth
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„..das Wasser...und die Farben – ein Traum!“

Mit schwerem Gerät bearbeitet Andreas Kuhnlein seinen Werkstoff Holz – der Bildhauer bedient sich seit 1995 der Kettensäge. Seine Skulpturen beeindrucken durch expressive Strukturen. Ein Ausschnitt seines Schaffens ist in Prien zu besichtigen.

Von: Gabriele Morgenroth

Prien – Besondere Aufmerksamkeit und großes Interesse erhält die aktuelle Ausstellung in der Galerie im Alten Rathaus in Prien am Chiemsee mit Arbeiten von Andreas Kuhnlein. Der Ausstellungstitel „Dem MenschSein auf der Spur“ ist nicht nur ein präsentes Thema, sondern beschäftigt Menschheit und Künstler gleichermaßen seit jeher. Die Präsentation mit 22 Arbeiten von Kuhnlein bietet für jeden Besucher ein nachhaltiges Erlebnis.

Lange Zeit war der Wössener Bildhauer auf der Suche nach einem für ihn befriedigenden Ausdrucksstil und fand ihn im Jahr 1995, indem er seither mit der Kettensäge aus einem rohen Holzstamm heraus seine figürlichen und, wie er selbst sie nennt, seine „zerklüfteten“ lebensgroßen Skulpturen schafft, bei denen Spuren des Arbeitsprozesses vielfach beibehalten sind.

Starken Ausdruck gefunden

Kuhnlein ist ein Künstler, der in seinen Arbeiten zu einer starken Ausdruckskraft gefunden hat und konsequent seine Linie verfolgt. Im Laufe der Jahre hat er sich eine immer reichere Ausdrucksskala erarbeitet mit unterschiedlichen Themen. Das „Zerklüften“ der Oberfläche ruft beim Betrachter Assoziationen an tiefe Körperwunden hervor und rückt die Verletzbarkeit des Menschen in den Vordergrund. Dies gibt ihm seit 25 Jahren Gelegenheit, verschiedenste menschliche, gesellschaftliche, religiöse und mythologische Themen darzustellen, diese möglichst wirkungsvoll auch mit einer von innen begleiteten Pose ausdrücken. Bei einem Rundgang durch die Räume der Galerie wird der Besucher im Eingangsraum mit der Installation mit dem Titel „Heldentod“ konfrontiert, die mit Blick auf den Ukraine-Krieg zum Nachdenken auffordert, zugleich mit den am Boden liegenden Skulpturenfragmenten Betroffenheit evoziert und die Sinnlosigkeit aller Kriege anklagt. Mit der an der linken Seite des Eingangsbereiches platzierten Skulptur „Grenzen des Wachstums“ provoziert Kuhnlein bewusst und bezieht Stellung auf die unnatürliche Behandlung und Mästung von Tieren.

In den zwei oberen Stockwerken der Galerie schafft Andreas Kuhnlein mit wenigen Skulpturen ein großes Raum- und Kunsterlebnis. Allein stehend, meistens aber zwei Figuren zueinander oder miteinander kombiniert, wie zum Beispiel „Macht und Vergänglichkeit – Königin“ und „Macht und Vergänglichkeit - Stellvertreter“ oder „Aber du bist doch nackt“ thematisiert er das „MenschSein“ miteinander im positiven wie negativen Sinne und dessen Endlichkeit. Mit der zeitkritischen Installation mit dem Titel „…das Wasser…und die Farben – ein Traum!“, in der Kuhnlein einen Taucher im Wasser, umgeben von Plastikmüll, darstellt, wird die Verschmutzung der Meere angeprangert, die den Betrachter nachdenklich stimmt.

Krönung der Schöpfung?

Eine außergewöhnliche Arbeit ist die Skulptur „Er hat recht gehabt: Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Hier zeigt Andreas Kuhnlein auf einem blauen Ball – die Erde symbolisierend – einen allein stehenden Menschen, dem der Ausstellungstitel „Dem MenschSein auf der Spur“ in jeder Beziehung gerecht wird. Zu den beeindruckendsten Werken in der Ausstellung zählt die Arbeit mit dem Titel: „Krönung der Schöpfung oder die Rache der Tiere“. Bei dieser Arbeit sind an einem Tisch stehende kompakte Gestalten, angezogen mit schwarzen Mänteln oder Sakkos, aber mit verschiedenen Tierköpfen wie der eines Elefanten, einer Schlange, eines Hundes, eines Hasen oder Schweines, angeordnet. Diese Arbeit sticht in der Priener Präsentation besonders hervor, zumal die Körper nicht in „zerklüfteter“ Form gezeigt werden, sondern geschlossen und geschwärzt sind, nur die Tierköpfe weisen die Spuren der Kettensäge mit naturbelassener Farbgebung des Holzes auf. Die Verbindung und das Verhältnis zu und zwischen Menschen und Tieren sowie Gesellschaft und der Schöpfung wird hier auf sehr nachdenkliche Weise aufgezeigt.

Neue sichtbare Formen

Kuhnleins Skulpturen beeindrucken durch expressive Formen. Die horizontalen, vertikalen und diagonalen Schnitte erlauben „Lichtblicke“, je nach Blickwinkel von offen bis geschlossen. Das Holz wird belassen oder geschwärzt. Durch die naturbelassene Farbgebung bleibt der Charakter des Werkstoffes Holz erhalten. Durch das Aufsägen in konträren Linienführungen entfernt Kuhnlein Material und öffnet die Figur von allen Seiten. Durch diesen Vorgang ergibt sich eine neue sichtbare Form mit Öffnung, Durchbruch, Lücke, Luft und Leere. Die senkrechten Formschnitte – Symbol für das Aufrechte, Verbindung zwischen Himmel und Erde, für positives Streben und Kraft – sind bewusst gesägt, gefurcht und durchdacht. Es entsteht eine Verwandtschaft zum Leben, zum Menschen, der ebenso in der Ambivalenz von Zielstrebigkeit, Genauigkeit und Erfolg auf der einen Seite und Unzulänglichkeit und Leid auf der anderen Seite zum lebendigen Prinzip erwächst.

„Er hat recht gehabt: Man sieht nur mit dem Herzen gut!“

Eine Entwicklung von großer Folgerichtigkeit wird erkennbar. Eine Entwicklung, die in übergreifende Prozesse eingebunden ist und dabei in jedem Moment das Signum des Persönlichen trägt. So groß die Spanne seiner bildnerischen Möglichkeiten ist, Kuhnlein lässt dem bloßen Experimentellen keinen Raum. Hinter jeder Skulptur steht er mit der Autorität dessen, der lieber Verzicht übt, als sich zu Zugeständnissen zu bequemen. Jede Skulptur hat ihre eigene Logik und Stimmigkeit – und damit ihre eigene Identität. Sie haben in ihrer Präsenz nichts Lautes, sie strahlen trotz ihrer Expressivität Ruhe aus, sie konzentrieren die Kräfte im Raum, man kann sich von ihnen zentrieren lassen. Es ist packend, den Weg zu verfolgen, den er mit seinen Werken geht.

Zerstörung und Leiden

Andreas Kuhnlein und seine Arbeiten nehmen in der Skulptur nicht nur durch ihre Formgebung eine außergewöhnliche Position ein; sie bilden unberührt von dem, was die Bildhauerei wie die anderen Künste bewusst macht: die Zerstörung der Welt und das Leid des Menschen.

Kuhnlein stellt sich immer mit offenen Augen der Gegenwart. Seine Skulpturen zeigen unsere Welt und dem „MenschSein auf der Spur“ in vielen Facetten. Die Vergänglichkeit, die in seinen figürlichen Arbeiten Dauer erhält, ist die Vergänglichkeit jeder, auch unserer Zeit. Dabei spiegeln Kuhnleins Arbeiten nicht die Zerstörung in der Welt, sie sind Zeichen der Trauer und der Lebenskraft, die sich über die Trauer hinweg erhält.

Die Ausstellung kann bis Sonntag, 6. November, besichtigt werden und ist donnerstags von 17 bis 19 Uhr und Freitag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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