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Ausstellung

„Das kalte Herz“ schließt den Kreis in der Galerie Markt Bruckmühl

Suche nach der eigenen Identität: Seungjoo Lee, o.T. (Öl auf Leinwand) 2021. Hoerl
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Suche nach der eigenen Identität: Seungjoo Lee, o.T. (Öl auf Leinwand) 2021. Hoerl
  • VonUte Bößwetter
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Nach genau 21 Jahren scheint sich im Ausstellungsgeschehen in Bruckmühl ein Kreis zu schließen: Stellten 2001 fünf Studierende der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in den Räumen der Galerie aus, sind es jetzt – zwei Jahrzehnte später – sechs Studierende der gleichen Hochschule, die ihre Werke dort zeigen.

Bruckmühl – Bindeglied zwischen beiden Ausstellungen ist zum einen Christoph Ruckhäberle, der damals mit gerade beendetem Studium zu den Ausstellern gehörte und heute als Professor seine Schüler vorstellt. Und zum anderen leistet der Maler Herbert Klee, seit 25 Jahren künstlerischer Beirat in Bruckmühl, den wesentlichen Teil beim Zustandekommen beider Präsentationen. Seiner Freundschaft mit der Familie Ruckhäberle ist dieser Kontakt zu verdanken.

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ist eine der ältesten staatlichen Kunsthochschulen Deutschlands. Lehrer von Christoph Ruckhäberle war in den späten 90er Jahren der langjährige Rektor der Hochschule, Arno Rink, einer der prominentesten Vertreter der figürlichen Darstellung.

Im Westen Deutschlands hatte die gegenstandslose Malerei den Vorrang: informell, abstrakt, konkret. Deshalb war die Bruckmühler Präsentation von 2001 so aufsehenerregend: Sie zeigte viel Figuratives, ließ die Darstellungen des Menschen wieder aufleben. Damit ist die Brücke zur jetzigen Ausstellung geschlagen: Das Antlitz des Menschen, seine Gestalt, oftmals in verwirrendem Kontext, ist Thema zahlreicher Exponate. Heute wie damals fühlen sich die jungen Künstler dem Realismus verpflichtet, doch die reale Welt wird nicht abgebildet, sondern kritisch hinterfragt oder als Vorlage für eigene irreale Welten genommen.

Besonders augenscheinlich ist das in den Werken des Koreaners Seungjoo Lee, die im Erdgeschoss hängen. Präzision verbindet sich in seinen Menschenbildern mit akribischer Malweise, wenn er große, unbekleidete Körper darstellt. Es sind Menschen in alltäglichen Situationen, aber ihr Aussehen entspricht nicht der Wirklichkeit. Sie sind in leuchtend roter oder blauer Farbe gehalten. Ein junger Mann schaut mit äußerster Konzentration in den Spiegel, so als wolle er ergründen, was sich hinter seiner eigenen Fassade verbirgt – ein Austesten, wieviel ihm seine Umwelt noch an eigenem Gedankengut gelassen hat. „Monstrum“, Mehrzahl „Monstren“ nennt Seungjoo Lee seine Gestalten.

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Einen Blick in die Abseiten der Landschaft wirft Arina Heinze und spürt Landstrichen, Baustellen und Hinterhöfen nach, die eigentlich nicht anschauenswert sind. Durch malerische Verfremdung entstehen abstrahierte Bilder, die einen eigenen Charakter gewinnen, neues Leben ausstrahlen.

Bilder von großem Gestus malt Musafer Qassim, in denen er seine Flucht aus dem Irak verarbeitet. Sein Farbauftrag, der behutsam beginnt, wird im Laufe des Malprozesses immer pastoser, so dass wahre Gebirge an aufgetragener Ölfarbe stehen bleiben. Man sieht diesen Bildern die starke emotionale Beteiligung an, die mit ihrem Entstehen einhergegangen ist.

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Shanee Roe ist zum Studium in Leipzig aus Tel Aviv gekommen. Auch sie setzt sich mit der Situation des Menschen und des Gefangenseins im eigenen Körper auseinander. Das erotische Spiel bringt die Menschen nicht zwangsläufig einander nahe. Auf Shanee Roes großformatigen Bildern liegen die Menschen zwar beieinander, aber die Gesichter sind abgewendet, die Blicke in die Ferne gerichtet.

Im doppelten Sinne künstlich ist die Naturwelt von Denis Hahn, zum einen als ein Abbild in Öl auf Leinwand gemalt, zum anderen wirken die Motive wie aus Leichtbausteinen herausgeschnitten. Das „Bambi“ ist weit von einem wirklichen Reh entfernt, dennoch hat es etwas Anrührendes, genauso wie das Häschen oder Hundi.

Bewusste Häufung von Klischees

Abigail Hauwede fügt Orchideen, Schmetterlinge, Hirschkäfer – als Dekoration missbrauchte Wesen - in ihren Bildern zusammen und inszeniert auf diese Weise bewusst eine Anhäufung von Klischees. Die von ihr gewählten grellen Farben verstärken diesen Eindruck noch.

Die jungen Künstler haben ihrer Ausstellung den Titel „Das kalte Herz“ gegeben. Das gleichnamige Märchen von Wilhelm Hauff erzählt von Habgier und Härte, aber auch von Erkenntnis und Wandlung. Und so mag für den aufmerksamen Betrachter von all diesen menschlichen Wesenszügen etwas in den Bildern mitschwingen.

Bis 1. Mai

Die Ausstellung in der der Galerie Markt Bruckmühl, Sonnenwiechser Straße 12, ist bis 1. Mai zu sehen, mittwochs von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr.

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