Constanze Lindner in Rosenheimer Stadtbibliothek: Wie ein Taifun

Constanze Lindner als „Miss Rosenheim“. Die Kabarettistin glänzte in der Rosenheimer Stadtbibliothek mit ihrem Programm „Miss Verständnis“.
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Constanze Lindner als „Miss Rosenheim“. Die Kabarettistin glänzte in der Rosenheimer Stadtbibliothek mit ihrem Programm „Miss Verständnis“.

Es ist längst nicht mehr selbstverständlich, derzeit kulturelle Veranstaltungen besuchen zu können. Die Angst vor Corona und dem nächsten Lockdown lag auch über dem Auftritt der Kabarettistin Constanze Lindner in der Rosenheimer Stadtbibliothek.

Rosenheim

Doch vielleicht ist es gerade in einer solchen Zeit wichtig, sich mit einem lustigen Abend auf andere Gedanken bringen zu lassen. Wer bei Constanze Lindner und ihrem Programm „Miss Verständnis“ war, der hatte einen solchen Abend.

Freude über Bühnenpräsenz

Die Bibliotheksleiterin Susanne Delp wies schon in der Begrüßung darauf hin, wie froh sie sei, dass Constanze Lindner noch auftreten könne. Schließlich wisse man derzeit nie, ob die nächste Veranstaltung noch stattfinde. Auch Lindner merkte man diese Freude an.

Als „Miss Rosenheim“ betrat sie die Bühne, die sie aufgrund der Abstandsregeln auch nicht mehr verlassen durfte. Sie startete mit einer Dankesrede, in der alles verwechselt wird – Missverständnisse eben. Die zogen sich durch das ganze Programm, ebenso wie alle möglichen „Miss“-Wortspiele: Sie sei schon „Miss Geburt“ gewesen, „Miss Erfolg“ oder „Miss Lungen“. Irgendwann werden die Witze natürlich erwartbar, aber deswegen nicht weniger lustig.

Constanze Lindner ist nicht nur Kabarettistin, sondern auch Schauspielerin und Synchronsprecherin. Sie spielte in zahlreichen deutschen Filmproduktionen und ist regelmäßig im „Vereinsheim Schwabing“ im Bayerischen Fernsehen zu sehen. 2016 gewann sie den bayerischen Kabarettpreis. Ihr schauspielerisches Talent stellte sie auch in Rosenheim unter Beweis.

Verschiedene Kunstfiguren

Lindner spielte ihr Programm mit einer unglaublichen Energie. Sie tigerte über die Bühne, bezog das Publikum mit ein und peitschte durch verschiedenste Kunstfiguren. Nach der „Miss Verständnis“ wurde sie zur Oma, die wunderbar klischeehaft auf ihre Schwiegertochter („Schwiegertochterintoleranz“) schimpft, wechselte dann zu „Cordula Brück“ als Jugendliche mit besonders großen Schneidezähnen und beeindruckte als Fitnesstrainerin, die während eines Workouts erzählt, wie sie eine gewisse „Constanze Lindner“ wieder fit machen will. Manchmal war es schwer, ihr zu folgen, so schnell wechselte sie die Figuren. Aber da sie wirklich mit vollem Körpereinsatz spielte, fing sie jeden im Raum wieder ein. Einmal sang sie unfassbar schräg von einem „Taifun der Liebe“. Wie ein Taifun wirbelte Lindner über die Bühne und durch ihr Programm.

Parodie auf sich selbst

Es war angenehm, dass das Programm selten auf Kosten anderer ging, sondern immer im Rahmen von Lindners Kunstfiguren witzig war. Sie parodierte sowohl sich selbst („Ich bin Münchnerin. Den mittleren Ring habe ich selbst mit dem Teer aus meiner Lunge geteert“), auch mal das Publikum – eine Person hatte die Ehre, als „Gscheidhaferl“ zu dienen – oder regte sich über die Werbung von Almased auf. Man konnte zusammen mit Lindner lachen, nicht über andere.

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Sich kurz auf andere Gedanken bringen lassen – das schaffte Constanze Lindner in Rosenheim. Auch wenn die Auflagen immer noch befremdlich sind und nur 35 Personen im Publikum saßen, hat es eine beruhigende Wirkung, gemeinsam zu lachen. Und das mit einer Künstlerin, die es schafft, rein mit ihrem Talent das Publikum zu begeistern.

Nach 70 Minuten Constaze Lindner kann man etwas leichter in die Corona-Welt zurückgehen.

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