Christoph Declara konzertiert in Prien: Erbaulich und überwältigend

Ergreifendes Spiel: der aus Rosenheim stammende Pianist Christoph Declara.
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Ergreifendes Spiel: der aus Rosenheim stammende Pianist Christoph Declara.

„Erbaulich, lebensfroh, humorvoll, zum Träumen und überwältigend“ – genau diese Zutaten brauche ein Klavierkonzert gerade in Zeiten von Corona, meinte Christoph Declara im ausverkauftem Chiemsee-Saal – und genau mit dieser Rezeptur verzauberte der Pianist die Zuhörer.

Prien

Den Auftakt machte die Französische Suite in G-Dur, BWV 816: Johann Sebastian Bachs Läufe, Verzierungen, melodischen Reize und tänzerischen Akzente setzte Christoph Declara wirkungsvoll und mit dezentem Pedaleinsatz um. Von der vergnügen Allemande über die edle und melancholische Sarabande bis hin zur lebhaften Gigue: Jeder Satz ist schon für sich ein musikalisches Monument, denen Declara am Steinway-Flügel huldigte.

Tribut an das Beethoven-Jahr

Anschließend spielte Declara – passend zum Beethoven-Jahr – die Sonate Es-Dur, op 31 Nr 3 „Die Jagd“ von Ludwig van Beethoven: Durchweg heiter, scheinbar mühelos zwischen raschen, technisch-komplexen Momenten, witzig-temperamentvollen und lyrischen Passagen changierend, das war überirdisch-schöne Tiefsinnigkeit und Spielfreude, die mit einem fulminanten finalen presto con fuoco - Jagdszenen mit Hörnerklängen und sizilianische Tarantella-Klänge in einem - ihren Höhepunkt fand.

Mit Franz Liszt ging es nach der Pause weiter. Von der träumerischen „Liebesbotschaft“ über das Rudern im Abendrot auf einem Kahn mit „auf dem Wasser zu singen“ bis hin zum unglücklichen Verliebten im Petrarca-Sonett „Pace non trovo“: Da bedurfte es keiner Worte, denn Declara schuf mit perlendem und transparentem Anschlag die passenden Bilder im Kopf. Mit der „Appassionata“, der Sonate in f-moll, op. 57, von von Beethoven hatte sich Declara ein Stück ausgesucht, das populär, aber auch gefürchtet ist ob seiner temperamentvoll-düsteren Leidenschaft. Mit ehrfurchtgebietender Expressivität und Hingabe an die Beethovenschen Satzvorgaben widmete sich Declara der Sonate: Auf ein rasch und munter gespieltes allegro assai folgte ein sanft-bewegtes andante con moto, ehe er jäh, unerbittlich, beinahe trotzig attacca das finale allegro einläutete, das mit einem atemberaubenden und wahnwitzigen presto gespielten Feuerwerk endete.

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Da musste selbst das Publikum erst wieder zu Atem kommen, die Spannung sich lösen – dann tosender Applaus und drei Zugaben. Ein Wiener Walzer, der einmal mehr Declaras Tastenvirtuosität offenbarte, und zwei Liebesträumereien von Franz Schumann und Franz Liszt, die mit poetischer Dynamik- und Klangsensibiltät verzauberten. Fürwahr ein meisterliches Klavierkonzert, erbaulich, lebensfroh, humorvoll, zum Träumen animierend und schlichtweg überwältigend.

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