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Masern-Impfpflicht bleibt: Bundesverfassungsgericht weist Eltern-Klagen ab

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Volksbühne St. Nikolaus Rosenheim

Chiemseeblick oder Blick in den Abgrund

Als Fredi Neubauer hofft Robert Mayr an der Seite seiner „Lebensabschnittsgefährtin“ Traudl Achatz ans große Geld zu kommen.
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Als Fredi Neubauer hofft Robert Mayr an der Seite seiner „Lebensabschnittsgefährtin“ Traudl Achatz ans große Geld zu kommen.

Was hat der elitäre Champagner mit dem deftig-bodenständigen Leberkäs am Hut? Und was haben beide in einem Lustspiel verloren, das sich „Leberkäs und Schampus“ betitelt? Die Volksbühne Rosenheim St. Nikolaus nahm sich beherzt dieser Frage an.

Von: Walther Prokop

Rosenheim – Das Ensemble hat dieses Stück in drei Akten von Konrad Hansen glücklich in Szene gesetzt und realisiert. Sinnvollerweise in einer bayerischen Bearbeitung durch Eva Hatzelmann.

Ein Schwank ist leichte Kost, und Schauspieler wie Publikum freuten sich sichtlich nach langer Corona-Pause wieder im Theater eine zünftige Gaudi mit Niveau zu erleben. Keine billigen Schenkelklopfer, sondern blitzender Witz beim verbalen Schlagabtausch der handelnden Personen, leicht, beschwingt und perlend wie - naja, doch wie Schampus...

Galopp durch Absurdistan

Wie funktioniert so ein volkstümliches Lustspiel? Der Plot darf gerne übermütig durch Absurdistan galoppieren. Doch auch das Unwahrscheinliche muss immer noch plausibel bleiben und zumindest theoretisch in der Realität denkbar sein. Der rote Faden soll die Zuschauer durchs lustige Labyrinth führen, doch „rote Linien“ dürfen ohne Qualtätsverlust nie überschritten werden.

An solche Vorgaben hatten sich erfolgreich Textdichter als auch Regisseur Richard Martl gehalten. Franz, Jonas und Simon Grießl, sowie Bernhard und Quirin Egger schufen die Bühne, das Interieur des geplanten Restaurants „Chiemseeblick“ in seiner noch chaotisch vorläufigen, doch irgendwie anheimelnden Ungemütlichkeit. Weitere gute Geister hinter den Kulissen: Monika Reiß (Maske), Conny Stadler (Kostüme) und Manuel Notarangelo (Technik).

Crew gut im Griff

Regisseur Richard Martl hatte seine Crew gut im Griff: Nur fünf Personen agierten auf der Bühne, redeten aneinander vorbei, schwadronierten, gifteten sich an, standen „auf der Leitung“ oder versuchten auch mittels skrupelloser Gaunerei an ihr Ziel zu gelangen. Viel Dialog also, viel Gerede samt Wortwitz - das flotte Tempo und die blitzschnelle Reaktionsfähigkeit der Schauspieler ließen keinerlei Langeweile aufkommen. Das Publikum war hörbar amüsiert!

Als charmanter Schuft, zumindest als Macho und wendiger Opportunist brillierte Robert Mayr, ein cleverer Sonnyboy, in schreiende Buntheit gewandet, seinen Körperkult betonend. Als Fredi Neubauer hofft er an der Seite seiner „Lebensabschnittsgefährtin“ Traudl Achatz ans große Geld zu kommen. Diese wechselte überzeugend von Kratzbürstigkeit zu schmeichelnder Liebenswürdigkeit. Denn - jetzt wird die Sache kompliziert - ihr invalider Onkel Willy, seit zwei Jahren im Chiemsee „untergetaucht“, lebt aber rententechnisch immer noch.

Fettes Zubrot

Dieses fette Zubrot reißen sich nun Fredi und Traudl unter den Nagel um dadurch ihren Traum vom Restaurant „Chiemseeblick“ zu verwirklichen. Doch da sagt sich der „Versicherungsbeamte“ Köck an, um Onkel Willys Realität zu überprüfen.

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Nun wird Jugendfreund Max Kummernuss, ein im inferioren Showbusiness als „Verwandlungskünstler“ sich durchschlagender Freiberufler, durch Fredis zielorientierte Beredsamkeit und Traudls erotische Anziehungskraft, genötigt, die Rolle des ominösen Onkel Willy zu mimen. Florian Schrei in seiner Doppelrolle läuft mehr und mehr zur Hochform auf und mausert sich zur weiteren Hauptfigur.

Auf Augenhöhe ist er nun der Widerpart seines schlitzohrigen, nur auf eigenen Vorteil spekulierenden Jugendfreunds Fredi.

Köstlicher Auftritt

Der köstliche Auftritt von Peter Kirmair als schrullig pedantischer „Kontrolleur“ strapazierte nicht nur die Lachmuskeln, sondern tat neue Abgründe auf. Bei dieser Gelegenheit bekamen auch die Beamten wieder einmal gründlich ihr Fett weg. Und da der ach so geniale Fredi in der Zeitung einen Geburtstagsglückwunsch für den Onkel einrücken ließ, um die Präsenz des „Verstorbenen“ glanzvoll unter Beweis zu stellen, kommt auch noch die ehemalige Verlobte des echten Willy und ist entsetzt über den geistigen Verfall des vor zwei Jahren noch so Rüstigen. Monika Fath als resolute und kompakte Helga Hafenbradl, bringt nun nicht nur den falschen Willy in größte Bedrängnis, sondern führt auch eine Wendung herbei, die vom Autor trickreich eingefädelt wurde, und an die wir Zuschauer nie gedacht hätten.

Noch zwei Anhänge

Anhang 1: Extra bewundernswert die akustische Textverständlichkeit. Die Akteure sprachen so souverän, als hätten sie ihren Part nicht auswendig lernen müssen, als wäre er ihnen spontan zugeflogen.

Anhang 2: Die anfangs gestellte Frage nach dem Champagner und dem Leberkäs kann nun doch nicht beantwortet werden, da auf keinen Fall die Schlusspointe vorweggenommen werden darf. Den muss man selbst erleben!

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