Das Ensemble "Pentanemos" im Wasserburger Rathaussaal

Vom Charakter der Blasinstrumente

Die Freude am Charakter ihrer Instrumente war den Bläsern des Ensembles "Pentanemos" anzusehen - und anzuhören. Dass fünf Instrumente von so unterschiedlicher Klangfarbe im Zusammenspiel eine solch bestechend schöne Fülle entwickeln können, dies genoss man beim letzten Wasserburger Rathauskonzert den ganzen Abend hindurch.

Lassen wir sie Parade passieren: das Horn (Christian L. Loferer), das dank seiner Sonderrolle als einziges Blechblasinstrument bei seinen Einsätzen das Ohr gefangen nimmt; das Fagott (Susanne von Hayn), in seiner Bassfunktion stetige Stütze und anrührend näselnd in seltenen Soloeinsätzen; die Klarinette und die Oboe (Claudia Sautter und Dirk Kammerer) im Wettstreit um die schönsten Soli in der Höhe; schließlich die Flöte (Hanna Petermann), abgehoben im Diskant und frei vom verborgen rauen Tonansatz der schwingenden Mundstücke. Und das Klavier? Im Verein mit Streichern eher streitbar um Vorrangstellung, ergänzt es als Zutat zu den Blasinstrumenten deren Wirkung. Und da sei gleich vorab konstatiert, dass Susanna Klovsky es wunderbar verstand, auch einem Dreimeterflügel samtweiche Töne abzugewinnen. Es ist eben das Ohr und dessen Vorstellungsvermögen, welches die Klangqualität wirkt, und nicht das Instrument allein!

Nach diesem kurzen Ausflug in die Instrumentenkunde zum Wichtigsten, zur Musik selbst: Franz Danzis Quintett beginnt erst mit einem Klaviersolo, dann setzen die Bläser im Chor ein - allein dies schon ein herrlicher Eindruck! Danzi, man hört es gleich, war Zeitgenosse Beethovens, und doch nimmt man wahr, wie er mit freimütigen Modulationen Carl Maria von Weber vorbereiten half. Es war ein weithin unbekanntes, aber darum nicht weniger glanzvolles Werk.

Ein Klaviertrio mit Flöte und Fagott des 17-jährigen Beethoven zeigte noch wenig Personalstil. "WoO 37", Werk ohne Opuszahl: In seiner Gewissenhaftigkeit übte Beethoven sich ein im Komponieren, bis er mit Opus 1 und den folgenden Werken sein eigentliches Wirken begann.

Nach der Pause stand "La Cheminee du Roi Rene" für fünf Bläser von Darius Milhaud an. Würden die Musiker nun auf die Klassik hin aufmüpfig moderne Töne präsentieren? Die "Gruppe der sechs", der der Komponist angehörte, wollte in Abkehr von der überbordenden Romantik einfache Musik schreiben, und so versuchte es Milhaud mit einer Reminiszenz an französisch-höfischen Barock. Apart, jedoch wenig aufmüpfig - und fast etwas trist hörte sich das an und ließ die Sehnsucht nach der ursprünglichen Kraft der echten Vorbilder aufkommen.

Aber nun zu Ludwig Thuille, dem Vertreter der traditionell eingestellten Münchner Schule des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dessen Sextett, nun wieder mit Klavier, begann in wohligem Anklang an Johannes Brahmssche Vorlagen mit großem Gesang des Hornes, und gar nicht satt hören konnte man sich am wonnigen B-Dur. Doch mit dem Fortgang des Stückes verstärkte sich der Eindruck, dass Thuille zu eigenem Stil hindurchfand; er wurde in einer Gavotte ganz er selbst und ließ im Finale alle Facetten der ausklingenden Romantik spielen.

Die Freude, welche die Musiker ausstrahlten, sie feierte sich ganz besonders in diesem Werk von romantischer Schönheit, und am Ende kulminierte diese Freude noch in einem fetzigen musikalischen Spaß, einem Galopp des Franzosen Jean Francaix.

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