„Carmen“ hat eine neue Geschichte

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Spanische Tänze, Romanzen, Musette Walzer und Suiten konnten Klassikliebhaber beim Kammerkonzert „Viva España!“ im Edlinger Kripp nerhaus genießen.

Die musikalische Reise durch Spanien bot ein attraktives Programm zwischen Romantik und Moderne, das mit einer Neuinterpretation von „Carmen“ seinen Höhepunkt fand.

Seit 2009 bereichert „Klassik im Krippnerhaus“ das kulturelle Angebot im Landkreis. Die themenbezogenen Konzerte sind weit über Edling hinaus bekannt und in der Regel ausverkauft. Das Herbstkonzert „Viva España!“ entführte in südliche Regionen und verzauberte mit einer stimmigen Auswahl von Werken spanischer, französischer und deutscher Komponisten.

Yume Hanusch und Stefan Unterhuber eröffneten den Abend vierhändig am Klavier. Schon das erste Stück, ein feuriger Spanischer Tanz in Es-Dur aus „Nouvelles Danses Espagnoles“ von Moritz Moszkowski, sorgte für Begeisterung. Moszkowski wurde 1854 in Breslau geboren. Er war einer der herausragenden Komponisten seiner Zeit und etablierte die Salonmusik. Später aber gerieten Name und Werk des Pianisten nahezu in Vergessenheit.

Flötistin Alice Guinet, Violinistin Marija Hackl und Cellistin Birgit Saßmannshaus, Yume Hanusch und Stefan Unterhuber setzten in wechselnder Besetzung den spanisch inspirierten Reigen mit Kostbarkeiten der Kammermusik fort. Es folgten stimmungsvolle Romanzen, Suiten und Musette-Walzer. Pablo de Sarasate komponierte um 1898 die „Romanza Andaluza“. Der Tanz des Geigers aus Pamplona für Vio line und Klavier faszinierte ebenso wie eine Komposition des Franzosen Francis Poulenc aus dem Jahr 1922.

Dann gab es einen Abstecher nach Griechenland. Im 18. Jahrhundert galt die griechische Insel Kythera als Inbegriff für das Reich der Liebe. Poulenc hat dem Mythos seinen Musette-Walzer „L’Embarquement pour Cythère“ für zwei Klaviere gewidmet.

Weiter ging die musikalische Reise in die Hauptstadt Andalusiens, nach Sevilla. Die Suite für Flöte und Klavier „Sevillanas“ stammt aus der Feder des Spaniers Isaac Albéniz; sie wurde gespielt von Alice Guinet und Yume Hanusch. Mit Jazzelementen, Ragtime und Sambarhythmen in der Suite „Scaramouche“ von Darius Milhaud endete schließlich ein bravouröser erster Teil. Moderierend begleitet wurde die Auswahl von Dr. Peter Hanusch, der humorvoll den Blick in das Zeitgeschehen rund um die Komponisten richtete.

Bis heute zählt „Carmen“ zu den Welterfolgen in der Operngeschichte. Vielen gilt sie als „spanischste“ aller Opern, auch wenn ihr Komponist Franzose war. Georges Bizet durfte die wachsende Popularität seines Meisterwerks nicht mehr erleben. Er erlag 1875 im Alter von 36 Jahren einem Herzanfall, drei Monate nach der Uraufführung, nach der „Carmen“ von der Kritik zunächst völlig verrissen wurde. Yume Hanusch hat die bekanntesten Kompositionen in einer Fassung für Kammerorchester mit Flöte, Violine, Cello, Perkussion und Klavier neu arrangiert und zu den einzelnen musikalischen Bildern eine neue Handlung erdacht. Christine Krebs am Schlagwerk ergänzte das Ensemble. Katja Lichtenegger illustrierte die Erlebnisse von Carmen und ihren Freunden mit farbenfrohen Aquarellen. Max Dietrich erzählte die Geschichte einer jungen Carmen, die sich auf die Suche nach ihrem Lieblingsstier begibt, nachdem dieser von ruchlosen Tierhändlern in die Stierkampfarena verschleppt wurde. Anders als im Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy findet Yume Hanusch` „Carmen“ auch ein Happy End. Schließlich soll das musikalische Abenteuer in den nächsten Wochen auch in der Reihe „Klassik Junior“ rund 2000 Schulkinder in der Region begeistern. Bei den Erwachsenen ist es auf schon mal gelungen.

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