Brücken bauen mit Musik

Bernhard Achhorner ist neuer Volksmusikpfleger für Oberbayern

Ein neues Gesicht im Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik in Bruckmühl: Bernhard Achhorner (Zweiter von links) unterzeichnete gestern seinen Arbeitsvertrag als neuer Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern. Bezirkstagspräsident Josef Mederer (Zweiter von rechts), Dr. Elisabeth Tworek, die Leiterin der Kulturabteilung des Bezirk Oberbayern (rechts) und Verena Wittmann, die Leiterin des Archivs für Volksmusik und regionale Literatur (links) gratulierten dem Musikwissenschaftler.
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Ein neues Gesicht im Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik in Bruckmühl: Bernhard Achhorner (Zweiter von links) unterzeichnete gestern seinen Arbeitsvertrag als neuer Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern. Bezirkstagspräsident Josef Mederer (Zweiter von rechts), Dr. Elisabeth Tworek, die Leiterin der Kulturabteilung des Bezirk Oberbayern (rechts) und Verena Wittmann, die Leiterin des Archivs für Volksmusik und regionale Literatur (links) gratulierten dem Musikwissenschaftler.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Bernhard Achhorner ist der neue Volksmusikpfleger Oberbayerns. Seinen musikalischen Einstand gab der Tiroler am Freitag mit alpenländischen Weisen. Zuvor hatte der 29-jährige Musikwissenschaftler im Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik seinen Arbeitsvertrag unterzeichnet.

Bruckmühl – Am 1. Januar 2021 tritt er die Nachfolge von Ernst Schusser an, der Anfang November in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Breites kulturelles Angebot entwickeln

„Ich möchte Ansprechpartner für alle Menschen Oberbayerns sein, und ein kulturelles Angebot entwickeln, das möglichst viele Menschen begeistert, das dem Wert von Traditionellem gerecht wird und gleichzeitig Neues ermöglicht“, kündigt der neue Volksmusikpfleger an. Er strebt eine partizipative Volksmusikvermittlung an. Das heißt, die Bürger wirken selbst aktiv mit.

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Kulturelle Teilhabe bedeutet für Achhorn die Integration von Menschen aller Altersgruppen unabhängig ihrer Herkunft oder Religion. „Ich sehe Kunst, Kultur und Musik in einer sich diversifizierenden Gesellschaft und Lebenswelt als Brückenbauer zwischen Menschen unterschiedlicher Lebenswelten, Herkunft und Religion“, betont der Musikethnologe. „Das Beständige zugänglich machen, Neues ermöglichen und beide Bereiche für ein kreatives und offenes Miteinander zu nutzen, ist meine Vision, um möglichst viele Menschen für die Volksmusik begeistern zu können.“

Künftig auch Ausbildung in Bruckmühl

Mit der geplanten Erweiterung des Volksmusikarchivs in Bruckmühl (Bericht folgt) werden viele neue Projekte möglich. So sollen im neuen Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik auch Probenräume entstehen und Ausbildungen angeboten werden. Achhorn möchte Pädagogen, Musikern und an Volksmusik interessierten Menschen die Möglichkeit zur künstlerischen, didaktischen und theoretisch fundierten Weiterbildung eröffnen. Einbinden will er dabei auch Ensembles, Volksmusikvereine und Volksmusikpflegende.

Vermittler zwischen Traditionellem und Neuem

Zu seinen neuen Aufgaben gehören auch die Feldforschung – also die Befragung von Zeitzeugen – sowie die Analyse von Ton- und Bildträgern, um die Veränderungen und den Wandel im Bereich der Volksmusik zu dokumentieren. Diese Materialen sollen künftig für Musiker, Forschende und eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

„Volksmusik ist so jung wie nie zuvor“, sagt Achhorner. „Ich sehe mich als Vermittler zwischen Traditionellem und Neuem, zwischen unseren Wurzeln und der Moderne“, freut sich der Tiroler auf seine neue Aufgabe und ist sich sicher, „dass ein offenes Miteinander für die Volksmusik fruchtbar sein wird.“

Achhorner ist Trompeter, Gründungsmitglied der Blasmusikformation „Viera Blech“ und in verschiedenen Ensembles aktiv.

Die Vita des Musikwissenschaftlers aus Tirol

Bernhard Achhorner wurde am 2. Mai 1991 in St. Johann in Tirol geboren. Die Musik spielt von Kindesbeinen an eine zentrale Rolle in seinem Leben. Seine Eltern sind musikalisch: Die Mutter spielt Blockflöte, Gitarre und Klarinette, und der Vater ist Posaunist in einer Musikkapelle. So wurde er bereits früh musikalisch sozialisiert.

Mit Tiroler Weisen spielte sich Bernhard Achhorner in die Herzen seines neuen Teams. Begleitet wurde er von seinem langjährigen Musikerkollegen Josef Hetzeauer.

Er studierte Musikwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck. Seine Instrumentalausbildung im Fach Trompete erhielt er am Tiroler Landeskonservatorium. Zudem besuchte er Lehrveranstaltungen zum Kultur- und Veranstaltungsmanagement an der Fachhochschule Kufstein.

Nach beruflichen Stationen in diversen Kulturinstitutionen weilte er in den Jahren 2017/18 als Gastwissenschaftler am Center Austria for European Studies der Universität New Orleans.

Seit März 2018 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Innsbruck im Rahmen des Projektes „Writing Music – Zu einer Theorie der musikalischen Schrift“. Zentraler Schwerpunkt seiner Forschungen sind die Werkstattdokumente des Schaffensprozesses Ludwig van Beethovens.

Weitere Forschungsinteressen von Achhorner sind die kulturwissenschaftliche Musikbetrachtung, der Zusammenhang von Musik und Politik sowie Musik und Identität, die Blasmusikforschung und die Alpenländische Volksmusik.

Dabei analysiert er vor allem die Wandlungs- und Entwicklungsprozesse, die in der alpenländischen Volks- und Blasmusik. Seit kurzem produziert Achhorner auch Radiobeiträge zu aktuellen Ereignissen in Kunst und Kultur.

Der 29-Jährige lebt in seinem Heimatort Kössen im Kaiserwinkel (Österreich) und wird ab Januar erst einmal zur Arbeit nach Bruckmühl pendeln.

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