„Es braucht so etwas wie die MIR“: MIR-Urgestein Manfred Lenz über 30 Jahre Musikinitiative Rosenheim

„Die MIR ist so etwas wie ein Lebensthema für mich.“ Manfred Lenz ist Gründungsmitglieder der Musikinitiative Rosenheim, war 25 Jahre lang Geschäftsführer und ist heute Vorsitzender des Vereins. Luers

Manfred Lenz ist das Gesicht der Musikinitiative Rosenheim, die im Herbst ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert hat. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der MIR, war lange Jahre deren Geschäftsführer und fungiert heute als ehrenamtlicher Vorsitzender. Im Interview erzählt er aus den Anfangstagen des Vereins.

Rosenheim – Die Musikinitiative Rosenheimversteht sich als Plattform, die die Interessen der regionalen Musiker vertritt.

Manfred, wie hat das angefangen mit der MusikInitiative Rosenheim?

Manfred Lenz: Ende November 1989 hatten sich mit „Anschub“ durch Stadt- und Kreisjugendring im JUZ 20 bis 30 zumeist junge Musiker getroffen, die alle gleiche Probleme hatten: Bands suchten Probenräume und Auftrittsmöglichkeiten. Die Treffen wurden dann fortgeführt und später ein Verein gegründet als Voraussetzung dafür, öffentliche Förderungen zu bekommen. Ohne die Unterstützung des Landkreises und der Stadt wäre das die ganzen Jahre über auch gar nicht gegangen. So konnten wir dann – unterbrochen von Arbeitslosigkeit, wenn’s Geld alle war – ein Teilzeit-Gehalt für den Geschäftsführer zahlen und vielfältige Veranstaltungen anbieten..

Wie hat die Arbeit konkret ausgesehen?

Manfred Lenz:Wir haben zusammengefasst, wo in der Region es Auftrittsmöglichkeiten gibt, hatten eine Zeitnlang Proberäume und dann gab und gibt es diverse Dateien, etwa von Studios, Veranstaltern oder Medien. Allen voran unsere Musikerkartei, die auch heute noch eifrig genutzt wird. Sie umfasst rund 2000 Musiker, darunter allein etwa 400 Gitarristen. Wer also Musiker sucht für eine Band oder als Veranstalter eine Gruppe bestimmten Stils, dem wird „Hier bei MIR“ geholfen. Als Teil unseres Vereins-Credos gilt in jedem Fall, dass MIR nicht nur Rock-, Blues-, Jazz- und Sonstwas-Musikern helfen, sondern unter unseren Mitgliedern findet man auch mal einen 60-jährigen Tanz- oder Volksmusiker. So verstehen wir uns als solidarische Interessensvertretung aller regionaler Musiker.

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Was kann man sich darunter vorstellen?

Manfred Lenz:Uns geht es beispielsweise darum, fehlende Auftrittsmöglichkeiten zu schaffen. Wir haben deshalb Festivals organisiert, vor allem für junge Bands wie das „Deichhobbe“ oder „Simply The Best“. Für die „reiferen Musiker“ gab es „Simply The Rest“, mittlerweile „Good vibrations“. Ich werde immer noch auf den Jazz-Frühschoppen im Karstadt-Innenhof angesprochen, der elf Jahre lang sehr erfolgreich war. Aktuell gibt es die Reihen „Musik am Salinplatz“ seit 2009 und natürlich „Kultur im Park“ in Bad Aibling, das seit 1998 die renommiertesten Bands bietet. Dort organisiert die Kurverwaltung jedes Jahr 13 Konzerte mit jeweils 500 bis 800 Besuchern und MIR helfen bei Öffentlichkeitsarbeit oder Auswahl der Bands. Insgesamt waren es bislang über 260 Konzerte.

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Wie hat sich die Musikszene in diesen30 Jahren verändert?

Manfred Lenz:Es gibt heute deutlich mehr Bands und Gruppen als früher. Das ist gut so. Und die Musiker sind meiner Erfahrung nach im Schnitt viel besser als „my generation“ vor 20, 30, 40 Jahren. Es gibt einfach saugute Bands. Warum? Mit steigendem Wohlstand der Eltern wurde Musikunterricht immer mehr ermöglicht – hatte ja in grauer Vorzeit keiner von uns ... Heute gibt es viel mehr öffentliche und private Musikschulen und sie haben zudem ihr Angebot erweitert, unterrichten auch moderne Musik. Und die Bands sind professioneller. Früher war die (Eigen-)Produktion einer Demo-CD richtig teuer. Nun stellen die Jungen gleich ein perfektes Video ins Netz. Da hilft die Technik natürlich ungemein. Leider nicht mehr geworden sind allerdings die Auftrittsmöglichkeiten, vom kleinen Lokal bis zu Festivals: Mehr junge Bands teilen sich also den Kuchen, der noch dazu kleiner geworden ist als früher ... Großteils Geschichte sind zudem, was man mal „Festgagen“ nannte; „der Hut kreist“ sich jetzt landauf, landab schwindlig, der Veranstalter is fein raus und hat meist keine Ahnung, wie viel das Musikequipment kostet.

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Du bist nicht mehr der Geschäftsführer, aber für viele mmer noch das Gesicht der Musikinitiative.

Manfred Lenz:Die operative Geschäftsführung hat seit 2014 sehr engagiert Uwe Lein übernommen, ich bin nach wie vor ehrenamtlicher Vorsitzender, helfe noch immer da und dort mit und dies klappt ausnehmend gut. Wie bei vielen anderen Vereinen lebt auch die MIR – leider – von einigen wenigen Aktiven, womit ich an dieser Stelle auch mal meinen Vorstandskollegen danken darf. Die MIR ist mit ihren und meinen 30 Jahren für mich schon so etwas wie ein „Lebensthema“, in dem ich in gewisser Weise meine Begeisterung und mein Faible für Musik auch zum lebenskünstlerischen Beruf machen konnte - und selbst Musik machen muss ich wohl bis „when the music’s over ... the Grateful Dead ... turns out the light“ ...

Wie geht es mit der MIR weiter?

Manfred Lenz:Man muss schon zugeben: Die MIR ist in Teilen mit ihren Mitgliedern mitgealtert. Wir haben Mitglieder, die seit Anfang an dabei sind, obwohl sie gar keine Musik mehr machen. Danke. Freut uns sehr. Aber zu den jungen Musikern gibt es noch zu wenig Kontakt. Da müssen und werden wir uns etwas einfallen lassen. Wir hatten schon Projekte an Schulen, bieten Workshops zu GEMA, Bandmanagement, Technik oder Instrumentalem, veranstalten den halbjährlichen Musikflohmarkt. Aber dies ist auch immer einer Sache der Arbeitskapazität. Alles geht halt nicht. Aber zurück zur Frage: Wenn kein Bedarf da wäre, gäbe es uns nicht mehr. So einfach ist das. Schau dir unseren Newsletter an: Die MIR-News gehen an über 1000 Mailadressen, wir haben 160 Einzelmitglieder und hinter vielen von denen steht eine ganze Band. Also hunderte Musiker. Aber die Musikszene ist sehr fragmentiert zwischen Rockern und Jazzern, Amateuren und Profis. Viele Bands schauen nicht über den Tellerrand. Dabei ist eine solidarische Interessensvertretung wichtig. Da braucht es so etwas wie die MIR.

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