Bilder wie gestrickt: Galerie Hohenaschau zeigt Werke von Heiko Herrmann

Scheint das Gewicht der Welt einzufangen: „Das Ziel ist im Weg“ stammt aus dem Jahr 2019 (Öl auf Leinwand im Format 140 mal 100 Zentimeter). Hesse

Heiko Herrmann versucht Bilder zu erfinden, die die innere Mechanik der Welt wiedergeben. So formuliert es der Münchner Künstler selbst. Noch bis 19. April zeigt die Galerie des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau – dem Coronavirus zum Trotz – eine Auswahl von Gemälden und Skulpturen aus den Jahren 1995 bis 2019.

Aschau – Mit der Bilder- und Skulpturenschau des Münchner Künstlers Heiko Hermann beginnt der Kunst- und Kulturverein zu Hohenaschau sein 29. Ausstellungsjahr. Die Exponate stammen aus den Jahren zwischen 1995 und 2019, doch der Ausstellungsbesucher stellt fest, dass sich in dieser langen Zeitspanne in der Arbeitsweise von Heiko Herrmann nicht allzu viel verändert hat.

Er sagt von sich selbst: „Malen ist wie Stricken, die Verfahrensweise beim Stricken hat Ähnlichkkeit mit meiner Malerei. Es geht darum, Rot und Grün, wie sie als Rohzustand in Tuben erhältlich sind, in einen Zusammenhang von Raum und Zeit, Figur und Grund, Positiv- und Vegativform, Bewegung und Stillstand zu verstricken. Den Materialien der Malerei, von denen ich ausgehe, Leben einzuflößen.“

Großformative Öl- und Acrylbilder

In der aktuellen Ausstellung sind zunächst großformatige Öl- und Acrylbilder zu sehen. So monumental sie zunächst erscheinen mögen (bis 140 x 190 Zentimeter), so überraschend klein sind sie doch bei näherer Betrachtung. So möchte Herrmann im Bild mit dem Titel „Das Ziel ist im Weg“ (Nr.6) offenbar das ganze Gewicht der Welt einfangen.

Kreis, Dreieck und Spirale

Sind es die Farben oder sind es die Formen, die das Bild ausmachen? Wohl beides. So lange an einem Bild „weitergestrickt“ wird und die Außenwelt sich in der Innenwelt verloren hat, steht dem reibungslosen Schwung nichts mehr im Wege. Das Bild zeigt keine in sich geschlossene Welt, sondern eher einen beliebigen Teil, der nach allen Seiten expandieren kann und theoretisch unbegrenzt ist.

Trotz aller Spontaneität und Vehemenz im Farbauftrag ist die Malerei kompositionell deutlich strukturiert. Herrmanns Formenvokabular sind Kreis, Dreieck und Spirale. Die ausdrucksstarken Farben bringen das Leben in die Bilder.

Mehr über den Künstler finden Sie hier.

Heiko Herrmann sagt: „Es gibt so viele Abbilder dieser Welt, doch keine Bilder für das Wie, Warum, Wozu. Warum sich diese Welt bewegt, zusammenhält, weitermacht. Sozusagen die innere Mechanik der Welt. Diese Bilder versuche ich zu erfinden.“

„In den täglichen kleinen Toden zappelt das Leben“, heißt ein Diptychon im Flur oben (Nr. 13). Ein normales, auch kein großformatiges, scheint Herrmann nicht gereicht zu haben. Der kleinen, täglichen Tode gibt es eben zu viele.

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Überhaupt ist es schwierig, die Titel der groß- und mittelformatigen Bilder zu verstehen. Ein wenig einfacher ist es für den Betrachter im Raum 1. In den Radierungen, Holzschnitten und Gouache-Collagen glaubt der Betrachter, etwas zu erkennen. Und wenn es nur der Ockerton im „Saharablues“ ist.

Im Gegensatz zu den großformatigen Ölbildern im Erdgeschoss und im Flur des Obergeschosses sind die Exponate in den Räumen 1 bis 4 nicht ganz so intensiv farbig. Doch auch sie sprechen für die pulsierende Dynamik der Farbformen und den schwungvollen Pinselduktus von Heiko Herrmann.

Archaisches aus Eisenguss

Die Skulpturen in den Räumen 2 und 3 sind als „Ausformung“ der Malerei zu sehen. „Gnom“ heißt die Skulptur aus Terracotta, die mit Acrylfarbe bemalt ist. Aus dem gleichen Material ist die Skulptur „Corma“. „Der Wächter“ besteht aus Eisenguss „Die Einen sagen so, die Anderen sagen so“, hat Heiko Herrmann seiner zwei Bronzefiguren genannt. Die bemalten, runden Terrakotten sind der Malerei am ähnlichsten, während die Eisenguss-Skulpturen eher archaisch wirken.

Für alle Exponate gilt: Sie haben eine Mitteilung für den Betrachter. Und für die Malerei insbesondere: Herrmann erweist sich hier als Vertreter des abstrakten Expressionismus.

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