Bilder von Richard Leitner und Anna Stuffer in Galerie des Neubeurer Künstlerkreises

Besondere Blickwinkel

"Kulturschock in der Marktgemeinde" von Richard Leitner, Acryl auf Leinwand.
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"Kulturschock in der Marktgemeinde" von Richard Leitner, Acryl auf Leinwand.

Bei der vergangenen Ausstellung in der Galerie am Marktplatz in Neubeuern verzichteten Richard Schwarz und Dagmar Gelder ganz bewusst auf ein festgelegtes Thema und ließen den Betrachtern damit sehr viel Raum für die eigene Fantasie und Interpretation. Ganz anders ist es in der aktuell laufenden Ausstellung, der achten dieses Jahres.

Der Neubeurer Richard Leitner kündigte unter dem Titel "Markenwert" die bildnerische Auseinandersetzung mit bekannten Marken an, dem Wiedererkennungswert und den damit verbundenen Auswirkungen auf uns Menschen. Sein Gast, die Samerbergerin Anna Stuffer, macht das Thema "Doppelsinn" zum Inhalt ihrer Werke.

In Neubeuern ist es üblich, dass immer ein zum Künstlerkreis gehörender, ortsansässiger Künstler einen oder mehrere Künstler zu seiner Ausstellung als Mitaussteller einlädt. Richard Leitner kennt die Samerbergerin Anna Stuffer aus einer gemeinsamen CD-Produktion: Leitner als Musiker, Stuffer als Gestalterin des Covers. Auch wenn sowohl die beiden Künstler als auch ihre Themen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, so haben sie auch eine große Gemeinsamkeit: den extremen Blickwinkel, den sie in ihren Arbeiten ansetzen. Bei Anna Stuffer ist dies beispielsweise das sprichwörtliche Bad in der Menge: inmitten einer riesigen Menschenmenge steht eine Badewanne, in der ein nackter Mann fröhlich vor sich hin planscht. Doch sie widmet sich auch schwierigen aktuellen Themen, der Asylproblematik, den Rassenunterschieden oder den Religionskriegen. Wie die Heiligen Drei Könige laufen ein Moslem, ein Jude und ein katholischer Kardinal bei "Komm, wir spielen Reise nach Jerusalem" um einen Stuhl, an dem jedoch eine Bombe tickt. Die Friedenstaube liegt tot am Boden. Anna Stuffer träumt nach eigenen Angaben ihre Themen und Bilder. Was sie geträumt hat, als sie den Abhörskandal als Kaperltheater "Der Kasperl, die Königin und das große Geheimnis" mit Obama, Merkel und Putin inszenierte, erklärt sich von selbst.

Richard Leitner hat sich einige bekannte Marken herausgesucht: Nivea, Coca Cola, Micky Maus und auch die Deutsche Mark, die ganze Generationen geprägt haben. Unter dem Titel "Die blaue Dose mit Niveau" oder "Warum trinkt der Nikolaus kein Coca Cola" fordert er dazu auf, sich darüber Gedanken zu machen, wie sehr sich die jeweiligen Produkte in unser Leben geschlichen haben und dieses beeinflussen, ob sie wirklich halten, was sie versprechen. Leitnerr experimentiert dabei mit unterschiedlichen Techniken und verbindet verschiedene Materialien und Stilarten. Ein konkreter Themenbezug ist ihm bei seinen Werken sehr wichtig. Ein Thema liegt ihm ganz besonders am Herzen, die Marke "Kulturdorf Neubeuern", die durch den Kurswechsel des neuen Neubeurer Gemeinderats gerade infrage gestellt wird. Das Bild mit dem Titel "Kulturschock in Neubeuern" stellt die momentane Situation sehr eindringlich dar. Hinter dem Kulturdorf-Logo setzen sich vor der grauen Neubeurer Kulisse schon die Spinnweben fest. Das Abschaffen dieser ganz besonderen Neubeurer Marke könnte das bunte Kulturleben viel grauer machen. Diese Identifikation mit dem Kulturdorf als Marke zeigte sich auch bei der Vernissage dieser Ausstellung, bei der sich über 100 Besucher in den Räumen der Galerie drängten, von wo man außerdem einen ganz besonderen Blickwinkel auf den Marktplatz genießen kann.

Anna Stuffer und Richard Leitner haben noch eine weitere Gemeinsamkeit, sie haben beide den Drang und den Mut, aktuelle Themen aufzugreifen und darzustellen, sowohl kommunale als auch weltpolitische, und geben so mit ihren Bildern eine ganz persönliche Sicht auf die Dinge preis.

Die Ausstellung in der Galerie am Markt ist noch am Freitag, 19. September, von 18 bis 20 Uhr, am Samstag, 20. September, von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag, 21. September, von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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