Bescheiden, aber bewusst und bedacht

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Kolbermoor – Sie hätte schon im März kommen sollen, nun beendete sie die heurige, schon fünfte Saison des Kolbermoorer Orgelmittwochs in der Kirche Wiederkunft Christi: Regina Schnell, 23 Jahre jung und Orgelstudentin im Masterstudium.

Klug aufgebaut und zeitlich genau halbstündig konzipiert war ihr von Bach dominiertes Programm mit einer Finalsteigerung, bescheiden zurückhaltend war ihr Auftritt.

Diese Bewusstheit und Klarheit prägt auch ihr Spiel. So phrasierte sie in der Passacaglia in d von Dieterich Buxtehude, zu dem schon Bach bewundernd wanderte und seinetwegen seinen Urlaub überzog, so präzise, dass die vierteilige Architektur deutlich zum Vorschein kam mit der majestätischen Schlusssteigerung, die dann wieder zur Ruhe zurückfindet und in sanftem Dur endet.

Ein Schüler Bachs war Johann Ludwig Krebs, aus dessen „Clavierübung“ Regina Schnell drei Stücke über den Choral „Jesu, meine Freude“ spielte: frei präludierend das Praeambulum, zweistimmig auf zwei Manualen in zwei deutlich voneinander getrennten Stimmfarben die Choralbearbeitung und dann der „richtige“ Choral in reichhaltiger Harmonisierung und mit einem erlösenden Dur-Schluss.

Auch Robert Schumann bewunderte und studierte Bachs Fugenkunst. Davon zeugen seine „Studien für den Pedalflügel“ op. 56, aus denen die Organistin die Nr. 1 wählte: Zwei Oberstimmen laufen im strengen Kanon, während der Bass im Pedal von der Organistin ganz verhalten intoniert wurde.

Natürlich überstrahlten die Werke von Bach selbst wieder alles: Heiter verspielt und von Regina Schnell in helle Farben getaucht laufen in dem Trio super „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ (BWV 655) zwei Oberstimmen auf zwei Manualen, manchmal über Kreuz, bis das Choralthema fast beiläufig im Pedal auftaucht.

Bekannt sind Präludium und Fuge a-Moll BWV 543. Auch hier stürmt Schnell nicht schnell durchs Stück, sondern schichtet bedacht Klang auf Klang und lässt die Musik aus sich herauswachsen, lässt das Fugenthema sanft und doch zügig im Sechs-Achtel-Takt schwingen und dann im Pedal flinkfüßig erscheinen und baut Spannung auf bis zum Pedalsolo und dem rauschenden Ende. Der große Applaus der zahlreichen Zuhörer blieb ohne Zugaben-Dank.

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