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Thomas Reif mit „Cuarteto Sol Tango“ in Thansau

Berührende Tragikomik aus der Geige

Unterwegs in Sachen Tango: (von links) Thomas Reif, Martin Klett, Andreas Rokseth und Karl Bredenhorst.
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Unterwegs in Sachen Tango: (von links) Thomas Reif, Martin Klett, Andreas Rokseth und Karl Bredenhorst.

Thansau – Er ist nicht gerade bekannt für emotionale Worte. Das Gefühlvolle verlagert „Festivo“-Leiter und Bratschist Johannes Erkes in die Musik und nicht so sehr in den persönlichen Austausch. Umso erstaunlicher war seine Ansprache, als er Thomas Reif und dessen „Cuarteto Sol Tango“ im Foyer von Schattdecor in Thansau bei Rohrdorf begrüßte.

Von: Marco Frei

Er war sichtlich stolz auf den „Festivo“-Zögling Reif. Schon im jungen Teenager-Alter hat „Festivo“ dem Geiger aus Rosenheim und dessen Bruder ein Podium geboten.

Heute wirkt Reif als Konzertmeister im weltberühmten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) in München. Noch dazu hat er eine Violin-Professur am Salzburger Mozarteum inne. Erkes sprach von „Verbindlichkeiten“ und „Verantwortung“, die „Festivo“ übernommen habe.

Selbstgefällige Routine ist ihm fremd

In der heutigen Zeit sei beides keineswegs selbstverständlich, so Erkes. Es ist tatsächlich eine Freude, wie sich Reif über all die Jahre entwickelt hat. Noch heute bleibt er nicht stehen, ruht sich auf den Lorbeeren nicht aus. Reif arbeitet beharrlich an sich. Selbstgefällige Routine? Diese Haltung ist ihm total fremd. Das offenbarte sich auch jetzt wieder bei seinem Auftritt mit seiner Tango-Truppe. Ihr letztes Gastspiel bei „Festivo“ liegt knapp vier Jahre zurück. Wegen der Corona-Pandemie mussten sie das jetzige Programm verschieben.

In der Zwischenzeit haben Reif und der Bandoneon-Spieler Andreas Rokseth aus Norwegen sowie Karel Bredenhorst aus Holland am Cello und der Hamburger Pianist Martin Klett ihre aktuelle CD „Misión Tango“ vorgelegt. Das jetzige „Festivo“-Konzert berührte im Programm diese Einspielung. Im Vergleich zum letzten Gastspiel wirkte das Quartett im Zusammenspiel nun stimmiger und in sich geschlossener. Auch stilistisch passte der Klang der Truppe perfekt zur Welt des südamerikanischen Tangos, wobei Reif und der wunderbare Rokseth die tragenden Säulen sind. Wie Reif in Ausdruck und Klanglichkeit, Farbe und Phrasierung in Sekundenschnelle zu wechseln vermag, das ist zum Niederknien. Er schaffte es, aus der Geige eine berührende Tragikomik erwachsen zu lassen: mal schmachtend und feurig extrovertiert, dann wieder introvertiert in still und sanft leidender Melancholie. In solchen Momenten wurde deutlich, wie verwandt der Tango der jüdischen Musik ist. Dafür stehen der subtile, tragikomische Humor und der melancholische Lyrismus in der Melodie.

Das alles lebte vom wortlosen Gesang des Bandoneons. Mit geradezu berauschender Schönheit vermochte es Rokseth, das akkordeonartige Instrument in Raum und Zeit singen zu lassen. Für den Norweger war der Auftritt bei „Festivo“ eine Art Debüt, denn: Erst zwei Tage zuvor hatte er sein neues Bandoneon erworben. Aus der Tango-Welt ist das Instrument nicht wegzudenken. Was kaum bekannt ist: Das Bandoneon stammt aus Deutschland, erfunden in Krefeld.

Mit markantenRhythmen eingeheizt

Um 1850 hat es der Musiklehrer Heinrich Band entwickelt, deswegen der Name Bandoneon. Mit dem Namen knüpfte Band zudem an das bereits etablierte Akkordeon an. Und während es an diesem „Festivo“-Abend draußen wie aus Kübeln schüttete, heizte das Quartett bei Schattdecor ordentlich ein: mit markanten Rhythmen und großherziger Melancholie. Stürmischer Beifall und zwei Zugaben, darunter das Lieblingsstück der Truppe: die „Milonga triste“.

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