Julian Steckel und Paul Rivinius im Kurhaus von Bad Aibling

Berückende Klangfülle

Vielleicht lag es ja an dem doch ziemlich elegischen Programm, dass sich der Himmel vor dem Konzert mit düsteren Wolken bezog und ein heftiger Gewitterregen einsetzte. Den Kammermusikliebhaber schreckten die Witterungsunbilden jedoch nicht ab, vor allem weil Julian Steckel (Cello) und Paul Rivinius (Klavier) einen Abend mit teilweise selten gespielten Kompositionen gestalteten.

Den Auftakt machte Debussys d-Moll-Sonate, deren wehmütiger Charakter so ganz zum Wolkenbruch zu passen schien. Julian Steckel entlockte seinem Cello bereits im Prologue dunkle, sonore Töne voller klagender Melancholie, die zusammen mit dem perlenden Fluten des Klaviers einen impressionistischen Klangzauber erzeugten. Der barocke Rhythmus des ersten Satzes bildete zum leidenschaftlichen Finale einen bewegenden Kontrast.

Voller trauriger Merkwürdigkeit waren die beiden Stücke von Liszt. "Die Zelle in Nonnenwerth" und "La lugubre gondola" sind in der Fassung für Violoncello und Klavier selten zu hören. Beide Stücke liefern bedrückende Stimmungsbilder und verströmen schmerzliche Zartheit, die Steckel und Rivinius mit großem Einfühlungsvermögen zu Gehör brachten.

Eine fast schon heitere Atmosphäre strahlte die c-Moll-Sonate von SaintSaëns aus. Ihr zweiter Satz mit dem ruhigen Choralthema war ergreifend schön, das lebhafte, tänzerisch anmutende Allegro und der Finalsatz feinsinnig und graziös. Beiden Musikern gelang ein außerordentlich ausdrucksvolles, facettenreiches Spiel, das die Zuhörer beglückte. Der Anschlag des Klaviers klang oft seidig weich, das Cello wehmütig herb, das dialogische Wechselspiel von Cello und Klavier im Allegro moderato war ein musikalischer Genuss.

Nach der Pause stand die e-Moll-Sonate von Johannes Brahms auf dem Programm, deren Bezüge zu Beethoven kaum überhörbar sind. Betörend war das dunkel-geheimnisvolle Allegro non troppo, in dem Julian Steckel die ganze Klangfülle seines Instruments ausspielen konnte. Auf die lyrische Melodik des Hauptthemas folgt ein poetisches Pianissimo, das Hauptthema wiederum wird allmählich aufgelöst. Die Farbigkeit des zweiten Satzes und die reiche Dynamik des Allegro, das die Musiker zugleich mit Leichtigkeit und Ernst erklingen ließen, nahmen die Zuhörer bis zum letzten Takt gefangen. Als Zugabe nach dem lebhaften Beispiel spielte das brillante Duo noch ein an Salonmusik erinnerndes Werk von Poulenc.

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