Premiere von "Der Theatermacher" im Seehaus Krottenmühl

Bernhard-Eintopf

Sebastian Huber (links) und Gerd Niedermayer (rechts). Foto re
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Sebastian Huber (links) und Gerd Niedermayer (rechts). Foto re

Ein schwuler, abgehalfterter Provinzschauspieler probt in seiner Wohnung zusammen mit einem Freund Thomas Bernhards "Der Theatermacher". Zugleich entstehen zwischen den Protagonisten neue Dialoge, werden sogar bewusst improvisierte Texte eingebaut, sodass die Premierenbesucher im "Seehaus" in Krottenmühl ein Theaterstück im anderen erleben. Regisseur Gerry Mierbeth ist dieses Wagnis eingegangen, und es ist leider nur bedingt geglückt.

Irreführend an dieser Theaterpremiere war bereits die Ankündigung. Das Publikum hätte, so las man jedenfalls auf den Plakaten, eigentlich die Komödie "Der Theatermacher" von Thomas Bernhard erwarten dürfen. Dass Mierbeth aber eine Verfremdung vornahm und lediglich einzelne Passagen aus dem Stück benutzte, die gleichsam in einem Bernhard-Eintopf schwammen und ziemlich zusammenhangslos wirkten war problematisch. Denn Bernhards musikalische Sprache lebt von Steigerungen, von Wiederholungen und Übertreibungen. Seine Komödie ist wie eine Symphonie, von der Mierbeth lediglich ein paar Takte präsentiert hat. Bruscons endlose Monologe erzeugen zudem einen Spannungsbogen, der durch die trivialen, oft bemühten Gespräche zwischen den beiden Akteuren und durch rätselhaft-skurrile Gesangseinlagen gestört wurde.

Sebastian Huber gelangen in der Rolle des tyrannischen Staatsschauspielers Bruscon Momente komödiantischer Dramatik und Übertreibungskunst, etwa, wenn er über die Abgeschmacktheit der Schauspieler schwadroniert oder maliziös und theatralisch das Wort "Blutwursttag" ausspricht, um darauf in irres Gelächter auszubrechen. Doch was soll der Zuschauer davon halten, wenn diese Szenen periodisch durch Einschübe Gerd Niedermayers unterbrochen werden, der wenig überzeugend mal als Wirt oder als Frau und Kinder Bruscons, mal als hilfslos-hölzerner Stichwortgeber oder als tuntenhafter Sänger auftritt?

Sicher hatte die Küchenszene zu Beginn einen gewissen Unterhaltungswert, auch die Idee mit den Fotos der Familienmitglieder, die Bruscon direkt anspielte, und mit dem Hitlerbild war originell. Leider reichen aber ein zusammengewürfeltes Mobiliar und ein provinzieller Aufführungsort nicht aus, um ein Stück Bernhards, das lediglich in der Provinz spielt, erfolgreich auf die Bühne zu bringen. Das Premierenpublikum spendete Schauspieler und Regisseur am Ende freundlichen Beifall.

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