MILITÄRPUTSCH IN MYANMAR

Bernauer Dokumentarfilmer in großer Sorge um seinen mutigen Hauptdarsteller Goura Moe

  • vonKlaus Bovers
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Der Bernauer Filmemacher Detlev Neufert hat seinen neuesten Film „Die Schule am Fluss“ zwar schon 2019 abgedreht. Doch jetzt plagen ihn große Sorgen um sein burmesisches Filmteam und seinen jugendlichen Hauptdarsteller. In Myanmar, dem früheren Burma, putscht das Militär.

Bernau – „Das schaut nicht gut aus, auch wenn es zur Zeit auf den Straßen noch ruhig ist,“ kommentiert Neufert die momentanen Verhältnisse vor Ort. Über die sozialen Medien hält er ständige Kontakt mit seinen burmesischen Freunden, demnach ist in den größeren Städten Rangun, Yangon oder Bagan die Kommunikation noch offen. „Auf allen diesen Kanälen bestärkt man sich, Ruhe zu bewahren,“ sagt Neufert, „auch und gerade unter der Jugend. Und die ist zu 90 Prozent auf der Seite von Aun San Suu Kyi (Chefin der Regierungspartei NLD).“ Neuferts Überzeugung: „Sich in Burma mit der Jugend anzulegen, wird den Generälen noch sehr große Probleme bereiten!“

Empathischer Blick auf ein Internat in Myanmar

Mit einem empathischen Blick gerade auf die Jugend hat Neufert seinen „poetischem Dokumentarfilm“ gedreht, wie er ihn selber nennt. Er spielt zum großen Teil in Bagan, der uralten Tempelstadt am Irawaddy, wo „die Schule am Fluss“ zu Hause ist. Offiziell heißt sie „Ferdi Home“. Das Internat verhilft burmesischen Kindern aus armen Schichten und missachteten Ethnien zu einem Schulabschluss.

Dokumentarfilmer Detlev Neufert mit seinem Hauptdarsteller, der 13-jährige Goura Moe.

Gegründet wurde sie im Jahr 2000 von der Myanmar Foundation, hinter der deutsche Sponsoren stehen, für die Neufert einen kurzen Imagefilm drehen sollte. Dabei entdeckte er zufällig unter den Schülern einen selbstbewussten kleinen Darsteller, Goura Moe, 13 Jahre alt und vom Stamm der Naga.

Auf der Seite der Schwächeren

Sein Name bedeutet so viel wie „mutiger Junge“, auf Englisch „brave boy“. Mit diesen Initialen wurde er für das Team dann zu B.B. Der Imagefilm war bald fertig, die Idee zu einem eigenen Film mit B.B. nahm Gestalt an.

Auf der Seite der Schwächeren zu stehen ist für den Regisseur Neufert nichts Neues, seine Dokumentation „Himmelswiese“ über ein Aids-Waisenhaus in Thailand, ist dafür das beste Beispiel. Die Filmarbeit in der „Schule am Fluss“ zeigte ihm, dass die Jugend heute auf der ganzen Welt die gleichen Hoffnungen und Träume hat, für die sie immer wieder auch kämpfen muss. Innere Kämpfe eingeschlossen, denn der Nagajunge B.B. war vor seiner Zeit im Internat schon mit 13 Jahren ein echter erzieherischer Problemfall.

Über drei Jahre begleitet

Über drei Jahre haben Neufert und sein kleines burmesisches Team ihn als Hauptdarsteller immer wieder begleitet. Daraus ist ein Film entstanden, der inzwischen mit vielen internationalen Preisen bedacht wurde.

Am Fluss Irawaddy (unser Bild) steht die Schule, die burmesischen Kindern aus armen Schichten Bildung sichert.

Über den Aktuellsten freut sich Neufert besonders: das Gütesiegel der FBW Jugend Filmjury. In dieser Jury schauten Jugendliche zwar streng auf die Qualität, doch ihre vier Sterne für Einfühlsamkeit und Authentizität begründen sie so: „...ein hochinteressanter Einblick in eine andere Kultur und wie es ist, erwachsen zu werden.

Gefühlswelt der Jugendlichen

Es ergreift den Zuschauer vor allem die Atmosphäre der Szenen. Denn das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in anderen Ländern unterscheidet sich punktuell deutlich und doch bewegen wir uns alle in der selben Gefühlswelt.“ Auch wenn Filmfestivals derzeit nur digital stattfinden, „Die Schule am Fluss“ wurde international sehr beachtet. Preise kamen gleich mehrfach aus den USA, außerdem aus Bhutan, Indien, Italien, England und der Türkei. Das Auswärtige Amt hat eine Tournee mit dem Film durch Myanmar weiterhin fest eingeplant.

Neufert, der gut zehn Jahre in Thailand gelebt hat, agiert bei seiner Arbeit gerne unauffällig. „Ich gehöre nicht zu den Film- und Fernseh-Kolonisatoren, die mit einem Riesen-Team aufkreuzen, danach oft ein falsches Bild abliefern und ein Zerrbild von uns Deutschen hinterlassen.“ Nur so gelingt ihm der Zugang zu den Menschen und in Fall von Myanmar zu besonderen Regionen, die für Ausländer gesperrt waren. So entstanden nebenbei auch Bilder voller Abenteuer in hinreißenden Landschaften.

Sondervorführung in München

Den Film zeigten bisher nur ein paar Programmkinos in München und Prien, bei einer Sondervorführung an einem Münchner Gymnasium war der Applaus minutenlang.

Deutsche Verleihe oder TV-Sender müssen den Film wohl erst noch entdecken. Die „Schule am Fluss“ ist zur Zeit wegen der Pandemie geschlossen, unter den Schülern, die zu freiwilligen Sozialdiensten auf die Dörfer gehen, ist auch B.B. Der Trailer zum Film ist über das Onlineportal Vimeo zu sehen. Dort ist er auch als Stream zu sehen (kostenpflichtig).

Buchautor und Dokumentarfilmer

Detlev F. Neufert, Jahrgang 1948, arbeitet seit Jahrzehnten als freier Dokumentarfilmer. Er ist Asien-Kenner, lebte lange in Thailand und arbeitet seit 2010 in Bernau am Chiemsee. Er ist Buchautor (Jesus – Das Interview. Verlag Random House), zuletzt dreht er für das Goethe-Institut den Film „Sabai, sabai Deutschland“, in dem es um die Integration der Thais in Deutschland geht.

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