Von Berg und Tal

Hier weiß man, wo man ist: Die geschnitzte Ortsbezeichnung findet sich in Berg in der Gemeinde Bad Feilnbach. Höfer

Die Begriffe „Berg“ und „Tal“ sind Flurnamen, die aber bei entsprechender Besiedelung zu Ortsnamen geworden sind.

Dabei kann der zum Ortsnamen gewordene Flurname mit der Bezeichnung „Berg“ und „Tal“ erhalten bleiben. Manchmal aber wurde im Laufe der Zeit ein Zusatz hinzugefügt, um den Namen von anderen gleichlautenden Berg- und Talnamen zu unterscheiden.

So hieß im Jahre 1165 oder 1166 laut dem Codex Falkensteinensis der Besitzer eines Hofes im heutigen Jakobsberg „Gebolf de Perge“, also: „Gebolf von Berg“. Dieser Weiler mit Kirche in der Gemeinde Tuntenhausen erhielt später als Bestimmungswort den Namen des Apostels Jakob.

Der mit dem Bestimmungswort „Inn“ erweiterte „Tal“-Name im Bereich Söchtenau, also der Ort „Inntal“, trägt den Namen des Flusses Inn. Tatsächlich? Die Ortschaft Inntal liegt weder im Inntal noch leitet sich ihr Name davon ab! Bei Hans Meixner, „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“, kann man die Namensentwicklung von Inntal genau nachvollziehen: 1130 ist ein „Dietmarus in Tale“ überliefert, 1300 heißt die Ortsbezeichnung „in Tale“. 1399 ist der Ort als „Imtal“ belegt, 1479 schließlich, im Pfarrarchiv zu Prutting, als „Inntal“.

Die Schreibung „zu dem ymptal“ im Salbuch von Herrenchiemsee Nr. 11 (16. Jahrhundert) könnte sogar dazu verleiten, an ein Tal voller Bienen, bairisch „Impm“, zu denken. Aber die Entwicklung von „in Tale“ bis zu „Inntal“ zeigt eine Zusammenschreibung der Präposition „in“ mit dem Flur-/Ortsnamen „Tal“ – und fertig ist der neue Name!

Keine Fallenstellung à la „Inntal“ liegt in diesen Talnamen unserer Region vor: Achenthal bei Steinkirchen auf dem Samerberg ist im „Tal der Grainbacher Ache gelegen“, wie Hans Meixner erklärt. Noch kürzer im Namen ist die Bezeichnung Achthal. Dieser Name begegnet bei Au bei Bad Aibling, Hirnsberg und Pietzing. Das Wort „Ache“, althochdeutsch „aha“, bezeichnet ein fließendes Gewässer von der Größe eines Baches.

Noch leichter zu erschließen ist der Name „Mühl thal“, der bei Nußdorf, Prien, Prutting und Wildenwart begegnet. Ebenfalls keine Überraschung ist Hans Meixners Feststellung, Fröschenthal bei Neubeuern leite sich vom „Frosch“ her.

Im Falle von Grünthal bei Raubling, dessen Name sich ebenfalls leicht erklärt, ist Meixners Hinweis auf die Ortsgründung fast der interessantere Teil: Grünthal „ist durch Kultivierung der westlich von Rettenfelden (Redenfelden) gelegenen Moosgründe unter Karl Albert circa 1740 entstanden“.

Aber oftmals war das zusätzliche Bestimmungswort in der damaligen Zeit gar nicht nötig: Ohne jeden Zusatz gibt es in unserer Region daher „Berg“ etwa bei Au bei Bad Aibling sowie bei Greimharting, Hochstätt, Prien und Tuntenhausen.

Ebenfalls ohne Zusatz existieren „Thal“ bei Frasdorf, Hemhof, Hohenthann, Oberaudorf, und Roßholzen.

Berg und Tal waren aber noch anderweitig für wichtige Begriffe grundlegend: St. Joachimsthal im Erzgebirge hat wegen seines Silbergehalts dem Taler, auch dem Dollar, den Namen gegeben; der Vorname Brigitte – die „Erhabene“ – stammt von „brig“, dem irisch-keltischen Begriff für „Berg“, ab.

Von Armin Höfer

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