Würdigung der Bildhauerin Käthe Seele im Atelierfenster in Staudach

Bemerkenswertes "aus dem Schatten"

Ein Blick in die neue Ausstellung im Atelierfenster in Staudach mit Arbeiten von Käthe Seele. Foto giesen
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Ein Blick in die neue Ausstellung im Atelierfenster in Staudach mit Arbeiten von Käthe Seele. Foto giesen

Der Doppelname Gebhardt-Seele ist vielen ein Begriff, besonders wegen des bekannten Malers Franz Sales Gebhardt-Westerbuchberg (1895 bis 1969), nach dem auf dem Westerbuchberg in Übersee auch der Weg zu seinem früheren Wohnhaus benannt ist. Hier hatte er 1934 mit seiner Frau, Käthe Seele (1889 bis 1972), einer Braunschweigerin aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, einen Bauernhof erworben, wo beide bis zu ihrem Tod lebten.

Das Atelierfenster von Carsten Lewerentz in Staudach-Egerndach zeigt anhand liebevoll ausgewählter Grafiken und Ölbilder, kleiner Skulpturen und Schriftstücke, dass auch die Frau des Malers eine beachtliche Bildhauerin war. Erstmals stellt Lewerentz hier Arbeiten einer verstorbenen Künstlerin aus.

Wegen der gesellschaftlichen und politischen Umstände, auch ihrem künstlerisch dominierenden Mann zuliebe stellte Käthe Seele ihre künstlerische Begabung stets in den Hintergrund. Nach ihrer Schulzeit in einem Weimarer Internat für "höhere Töchter" absolvierte sie erst eine Tanz- und Reitausbildung und wollte ihren Traum einer Zirkusreiterin und Tänzerin verwirklichen, was sie bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auch tat. Wie ihre Schulfreundin, die Bildhauerin Elisabeth Kronseder, entdeckte Käthe Seele aber bald ihre Liebe und Begabung zur bildenden Kunst. Sie besuchte die private Malschule bei Professor Hugo Tröndle in München, wo Kontakte zur Karlsruher Majolika-Manufaktur entstanden. Nach ihren Entwürfen wurden dort Majolika-Figurengruppen in holländischer Tracht hergestellt, die in schwungvoller Modellierung große Lebensfreude ausstrahlen. Diese Arbeiten befinden sich heute in der Sammlung des Badischen Landesmuseums und sind im Majolika-Museum ausgestellt.

Nach diesem frühen bildhauerischen Erfolg geriet Seeles künstlerische Arbeit in den Schatten. Bis 1926 lebte sie mit dem Schriftsteller Arnold Masarey im Tessin, der während dieser Zeit das 1927 erschienene Buch "Meerfahrt" schrieb.

In dieser Zeit zeichnete und malte Käthe Seele die zum Teil im Atelierfenster ausgestellten Bleistiftskizzen und Ölbilder aus dem Tessin.

Nach der Trennung von Masarey lernte sie bei einer Faschingsfeier auf dem Samerberg bei ihrer Freundin Elisabeth Kronseder den Maler Franz Sales Gebhardt kennen, den sie 1929 heiratete. Zwei Söhne kamen zur Welt. Der Wunsch, dem Stadtleben in Braunschweig zu entfliehen und in einer der Kunst förderlichen "Landidylle" zu leben, führte zum Kauf des Bauernhofs auf dem Westerbuchberg. Hier entstand zwar ein kleines Atelierhaus für Käthe, aber ihre künstlerische Arbeit blieb weitgehend im Schatten von Kindererziehung, Landwirtschaft, Kriegszeit und Ehemann verborgen. Nur einige, im Atelierfenster ausgestellte Arbeiten, darunter "Dackel Seppi", einige Porträts und vor allem Pferedeplastiken lassen die Kraft und Qualität der Künstlerin spüren. "Ihre Arbeiten können durchaus in eine Reihe mit den zurzeit im Ulmer Edwin-Scharff-Museum gezeigten Tierplastiken bedeutender Bildhauer des frühen 20. Jahrhunderts gestellt werden", sagt der Initiator der Ausstellung, Carsten Lewerentz. Die Ausstellung "Aus dem Schatten" im Atelierfenster ist bis Ende August zu sehen. In den Abendstunden ist das Fenster bis 22 Uhr beleuchtet. gi

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