„Bei da Lindn bin i gsessn“

Das beliebte Lied ist zum gemeinsamen Singen beim „Hoagart“ geeignet. VMA

Das Leben scheint wieder fast so zurückgekehrt zu sein, wie es vor Corona einmal war – wenn man am vergangenen Wochenende auf den Straßen unterwegs war und die Staumeldungen zum Ende der Pfingstferien gehört hat!

Die Straßen sind das eine – aber die Menschen und das wirkliche Leben ist das andere: Es hat sich vieles im Bewusstsein der Menschen geändert, wenn ich dem glauben darf, was ich in persönlichen Gesprächen, in Telefonaten, Mails und Briefen erfahren darf! Einiges, was Corona verboten hat, führt zum Nachdenken über das Wichtige im Leben: Besonders das freie Gemeinschaftsleben und das gesellige miteinander Singen fehlen vielen Menschen. Ein paar Beispiele aus dem volksmusikalischen Umfeld möchte ich hier aufzeigen, so wie ich es erfahre und auch selber erlebe.

Musikalische Großveranstaltungen sind weiterhin verboten: Das führt dazu, sich auf das Eigene, das persönliche Umfeld, die Familie, Freunde und Nachbarschaft zu reduzieren und zu konzentrieren. Der „Hoagart“ (Heimgarten) früherer Generationen, „ältere“ Leute auf der Hausbank, das dort vielfach erklingende einfache Singen, miteinander ohne Publikum, vielleicht sogar übern Zaun und auf die Straße: Vielfach erzählen die Menschen von dieser „Entdeckung des Früheren“ – und das Volksmusikarchiv mit dem Förderverein haben an über 1500 Adressen Liederheftchen für dieses natürliche Singen verschickt.

Gottesdienste im Kirchenraum mit lautem gemeinsamen Gesang sind in dieser Corona-Zeit mancherorts verboten: Singen vom Kirchenchor oder vom einfachen Gottesvolk scheint vielen Experten als Impuls für die Ausbreitung der Viren zu gefährlich zu sein – andere Experten sagen wieder etwas anderes. Die Menschen suchen ihre Gemeinschaft im Singen und brauchen dies zum Leben – ob im Chor, als Kirchenvolk oder in anderen Gemeinschaften. Hier zeigt sich auch, dass die politischen Entscheidungsträger weniger emotionale Nähe zum Singen haben als zum Sport. Aber die Menschen singen in der Kirche, im Freien bei Andachten und Gottesdiensten, unterwegs in der Natur – das zeigen unsere eigenen Erfahrungen und die Anfragen.

Die Wirtshäuser waren geschlossen, die Biergärten verwaist: Dieser Ort des geselligen und volksmusikalischen Lebens geht ganz vielen Menschen ab – die Auflagen zur Wiederöffnung sind noch zu beschwerlich. Musikalische Proben im Freien mit dem gebotenen Abstand sind erlaubt – und Zuhören dabei kann niemand verbieten, wenn man sich an die Vorgaben hält. So machen wir es seit vielen Wochen vor Altenheimen und Pflegeeinrichtungen: Proben in kleinster Besetzung, den erlaubten Rahmen der menschlichen Begegnung ausschöpfend! Und die Insassen der Heime haben ihre Freude bei dieser kleinen Abwechslung im Alltag. Sie spüren die positive Wirkung der Begegnung, wenn noch weitere Zufallshörer auf der Straße stehen bleiben.

AbendlicheGartenmusik

Wie es mit musikalischen Veranstaltungen weitergeht, ist im Detail noch unklar. Voraussichtlich am 1. Juli versuchen wir im Rahmen des Erlaubten im Garten vor dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl, eine abendliche Gartenmusik zu gestalten. Wenn Sie dabei sein wollen, melden Sie sich mit Namen, Adresse und Telefon im Volksmusikarchiv (Telefon 0 80 62/51 64). Wir verständigen Sie über Termin und volksmusikalischen Inhalt.

Schreiben Sie uns auch weiterhin, wenn Sie für sich kleine Liederheftchen brauchen – und teilen Sie uns Ihre Gedanken und Erlebnisse in dieser Corona-Zeit mit.

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