Klassik und Volksmusik in Stephanskirchen bei Hemhof

Begehrtes Marienkonzert

Die Konzerte, die Rupert Dirsch in der Rupertikirche in Stephanskirchen bei Hemhof veranstaltet, könnten dreimal verkauft werden, nicht nur zweimal wie am Sonntag, so begehrt sind sie. Die Mischung macht's: klassische Musik in hervorragender Besetzung und Qualität gemischt mit echter Volksmusik, die sich in dieser Gemeinschaft bewähren muss.

Die beiden Ensembles konnten dies wohl: Der Hamberger Viergsang aus Riedering ist ein hervorragend abgestimmtes und sehr sauber singendes Quartett, das einen melodisch und harmonisch reizvollen Jodler genauso schön transparent und von innen heraus leuchtend darbieten kann wie kunstvoll-volksnahe Marienlieder aus Kärnten und auch aus Schlesien: "Es blüh'n drei Rosen" überraschte durch raffinierte Harmonik mit einem chromatischen Bassdurchgang, den Stephan Hamberger, der Quoten-Mann des Quartetts, leicht, leise und sehr sicher durchschritt. Die Chiemseer Musikanten spielten Saitnmusik in heiter-schwungvollem Rhythmus und in bestem kammermusikalischem Zusammenspiel. Das Motto hätte, umgekehrt wie gedruckt, auch lauten können: Marienlieder und echte Volksmusik, dazwischen klassische Musik.

Die Verbindung beider schuf als Sprecher Bert Lindauer. Der verglich launig den "überirdischen Musik-Tsunami in Bayreuth" mit dem "grünen Hügel von Stephanskirchen", stellte die Werke musikhistorisch-biographisch vor und zitierte dabei sowohl einen bayerischen Dorfpfarrer ("Singen ist siebenmal besser als beten!") als auch Laotse ("Weise gehen in den Garten.") und sagte, Volksmusik nasche gern von Musik großer Meister - und umgekehrt.

Das kleine Orchester, aus Mitgliedern großer Orchester bestehend, begann fröhlich-festlich und forsch mit Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 2. Beseelt blies Michael Kofler seine Flöte, süß tönte im zweiten Satz die Geige von Florian Sonnleitner, während Peter Epp mit seiner Barocktrompete anfangs sich höflich integrierte, im Finale dann strahlend auftrumpfte.

Fröhlich, ja froh machend ist auch die Musik von Carl Stamitz: In seinem Concerto in B-Dur wetteiferten die junge Oboistin Marie Luise Moderson und Michael Kofler in Brillanz, Leichtigkeit und rokokohafter Eleganz und demonstrierten schöne melodiös-harmonische Zweisamkeit im langsamen Satz.

Die 18-jährige Marie Christine Klettner aus Salzburg wird im Programm als "das größte österreichische Nachwuchstalent an der Violine" gelobt. So selbstbewusst präsentierte sie sich und ihre hervorragende Technik auch. Das A-Dur-Konzert von Mozart ging sie mit vollsaftigem Ton und robuster Rhetorik an - auch den langsamen Satz, der eigentlich dann richtig wirkt, wenn man mit größter Ruhe und heiterer Gelassenheit wenig "macht", nur die Geige singen lässt. Ihre Zugabe zeigte dann, dass sie, bei aller geigerischer Kompetenz, das Geheimnis dieses Marienkonzerts nicht erkannt hat: Sie spielte "L'Aurore" aus der 5. Sonate von Eugène Ysaye: raffinöse Musik an der Schwelle der Moderne, aber unpassend für diesen zauberhaften Abend mit Volksmusik und volksnaher Musik im Chiemgau.

Kommentare