Baumburger Kultursommer: Erst viel Spaß und dann zu viel Melancholie

Eine Einheit, musikalisch wie räumlich: Johnny & the Yooahoos vermittelten den Spaß, den sie offenbar selbst mit ihrer Musik haben.
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Bei der Bluegrass-Nacht trafen Johnny & the Yooahoos und Grasset4 auf ein kultur-ausgehungertes Publikum. Dabei erfüllte in den Augen unsewres Kritikers nur eine Formation die Erwartungen.

Von Andreas Falkinger

Altenmarkt – Gehört zur Musik Humor? Diese Frage hat vor 35 Jahren Frank Zappa gestellt – eine Frage, die er zuvor zwei Jahrzehnte lang schon hinreichend beantwortet hatte. Natürlich gehört Humor zur Musik. Nur: Wie ist der Humor verteilt?

Ein Stück, bei dem ein gerüttelt Maß an Humor keinesfalls schadet, ist Haddaways „What is love?“. Eurodance von 1993. Nein, es war nicht alles schön in den 90ern. „Oh baby, don’t hurt me.“ Wer da wohl wem wehtat? „Don’t hurt me. No more.“ Das Ganze gipfelte in einer Zeile, ohne die man textlich ziemlich was verlöre: „Whoa, whoa, whoa, whoa, whoa, whoa, oh, oh.“ Wenn Schmerz sich ungehindert Bahn bricht.

Unvermittelt kommt beim Baumburger Kultursommer „What is love?“ ums Eck – und man hat Spaß daran. Voraussetzung: Nicht Haddaway singt’s, sondern Johnny & the Yooahoos. Als Bluegrass-Stückerl, mit Banjo, Gitarre, Mandoline und Kontrabass. Plötzlich bekommt das Ding Tempo, Witz, trotz Whoa-whoa-whoa. Oder auch wegen, weil Johnny Schuhbeck, Bastian Schuhbeck, Bernie Huber und Jonas Kollenda die aussagekräftige Zeile stimmlich auf ein neues, überraschendes Niveau heben.

Stimmiges Gesamtpaket

Es ist das Gesamtpaket, das den Auftritt der Yooahoos beim Baumburger Kultursommer erfreulich macht. Dass das Quartett seine Instrumente beherrscht, ist eh klar. Dazu verkauft es seine handgemachte Old Time Music stimmig: Barfuß und im stilechten Outfit stehen die Musiker um ein altes Mikrofon herum. Sie sind eine Einheit, musikalisch und optisch. Die paar Schwächen in den Tiefen sind verzeihlich, der Bass fehlt ohrenscheinlich, ohne dass er sehnlich vermisst würde. Wäre zwar fein, wenn sie ab und an in den Keller kämen, aber das Parterre und die oberen Stockwerke sind auch nett eingerichtet.

Johnny & the Yooahoos liefern ab, sauber, harmonisch und meistens auch noch selbst komponierte Songs. Damit tappen sie nicht in die Falle, als Epigonen abgeheftet zu werden. Sie machen ihr Ding. Und sie machen Spaß.

Wie ein Elfmeter ohne Torwart

Gut, wegen der Umstände hat die Band auch relativ leichtes Spiel. Die Zuhörer sind ausgehungert, seit gefühlt ewigen Zeiten gab’s keine Livemusik mehr. Sie sind offensiv unterhaltungswillig und nehmen jedes Entertainment willigst an. Das kulturelle Leben wieder spüren, an einem lauen Sommerabend Teil eines Konzertes sein, Corona vergessen und Optimismus leben. Beste Voraussetzungen für gelungene Interaktion zwischen Künstlern und Publikum. Quasi ein Elfer ohne Torwart.

Zu wenig aus den Möglichkeiten gemacht

Den haben Grasset4, die zweite Band der Bluegrass-Nacht des Baumburger Kultursommers allerdings verstolpert. Bluegrass. Nun ja. Schrammel-Fiedel-Dumdideldei. Selbstverständlich sind Grasset4 instrumentell und stimmlich top besetzt. Die zwei Frauen- und die beiden Männerstimmen harmonieren aufs trefflichste, alles passend, alles stimmig. Aber Bluegrass eben. Oder Americana, Folk, Country, wie immer man das nennen mag.

Ideale Hintergrundmusik, wenn man am Lagerfeuer sitzt. Stört nicht weiter. Aber als Vordergrundmusik wird’s eben schnell eintönig. Immer dieselben Harmonien, derselbe Gesang, kaum Tempowechsel. Und wenn das Tempo dann mal wechselt, fragt man sich: Warum? Warum versuchen Grasset4, „When I’m Sixty Four“ von den Beatles aufzupeppen? Das ist ein glänzendes, ein funkelndes Kleinod. Es bedarf keines neuen Folk-Schliffs, mitnichten. Let it be. Ansonsten ging’s eher in der Sheryl Crowschen „Strong Enough“-Stimmung voran.

Distanz auch auf der Bühne: Grasset4 hielten nicht nur untereinander Abstand. Kuschelige Nähe zum Publikum gab es ebenfalls nicht.

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