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Vom Bauernknecht zum Kulturpreisträger

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer überreichte an Josef Hamberger den Kulturpreis der Stadt Rosenheim. Foto  Jacobi
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Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer überreichte an Josef Hamberger den Kulturpreis der Stadt Rosenheim. Foto Jacobi

Der Bildhauer Josef Hamberger ist der Kulturpreisträger 2011 der Stadt Rosenheim. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zeichnete den 85-jährigen Künstler mit dem mit 5000 Euro dotierten Preis im voll besetzten Rathaussaal aus. Von Josef Hamberger stammt auch ein Bischofsstab von Josef Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI.

Rosenheim - Das gab es bei der Verleihung des Rosenheimer Kulturpreises noch nie. Die Gäste im Rathaussaal erhoben sich von den Stühlen und spendeten dem neuen Preisträger, dem Bildhauer Josef Hamberger, minutenlang Beifall. Sogar Bravorufe waren zu hören.

Er hinterlasse "tiefe zeitlose Spuren" und präge seit mehr als zehn Jahren das kulturelle Leben und das architektonische Erscheinungsbild der Stadt Rosenheim und der Region, würdigte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Verdienste Hambergers. Kulturausschuss und Stadtrat hätten einstimmig die Preisvergabe an Hamberger beschlossen. Gewürdigt werde eine "hochangesehene Künstlerpersönlichkeit in Anerkennung ihrer besonderen hervorragenden Leistungen".

Der Schwerpunkt seines Schaffens liege im sakralen Bereich. Viele Kirchenräume zeigten Hambergers "einfühlsam-unaufdringliche und zugleich doch unverwechselbare Handschrift". Die Summe seiner Erfahrungen sei in engem Verbund mit anderen Künstlern und Architekten in die Neugestaltung des Innenraums der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus eingeflossen, so die Oberbürgermeisterin. Er habe den "Klang des Raumes" erfasst und als künstlerischer Leiter ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Bauer: "Keines seiner Werke ist signiert, sie stellen sich ganz in den Dienst ihrer Botschaft und des sie umgebenden Raumes".

Von Hamberger stammen neben vieler Arbeiten in den Kirchen wie Kreuze, Taufsteine, Ambos und Altäre in Rosenheim auch das Wasserrad am Kultur- und Kongresszentrum und das Mahnmal vor dem Rosenheimer Friedhof. Aber auch weit über Rosenheim hinaus wie im Kloster Wilten bei Innsbruck und im Stift Göttweig in Niederösterreich sei Hamberger tätig gewesen, so die Oberbürgermeisterin. Für sein Engagement und seinen vermittelnden Rat bei Denkmalschutz und Stadtplanung habe ihn die Stadt 1999 auch mit der goldenen Bürgermedaille ausgezeichnet.

Der Laudator, Kulturjournalist Wilhelm Warning, schilderte den Werdegang Hambergers vom Frasdorfer Bauernbuben, der schon als Kind den Teig zu Figuren formte und schnitzenden Bauernknecht zum angesehenen Bildhauer. Hamberger habe sich ein Leben lang von Gott und seinen Schutzengeln behütet gesehen und habe so Kindheit, Nazizeit und Krieg überlebt. Ebenso wundersam sei der Weg zum Künstler gewesen. Hamberger sei mit seiner Holzfigur des heiligen Sebastian im zerbombten München 1946 bei der Bewerbung an der Kunstakademie vor dem Haus zufällig Professor Josef Henselmann begegnet und von diesem in seine Bildhauerklasse aufgenommen worden, erzählte Warning. Später habe der Meisterschüler sogar ein Englandstipendium bekommen, ohne englisch zu sprechen, und sei von Henry Moore in dessen Atelier eingeladen worden.

Hamberger habe seine Talente nicht vergraben, sondern vermehrt, so der Laudator. Er habe für die Stadt und dieses Land, für die Kirchen und Gedenkstätten "keine pathetischen Heldmale", sondern "Zartes, Zurückgenommenes" geschaffen, vom "Kriegerdenkmal bis zum Kreuzweg, vom Sebastian bis hin zur abstrakten Gestaltung der Christuskirche".

Die Preisverleihung umrahmte der Sohn des Preisträgers, Michael Hamberger, Kirchenmusiker in Miesbach, am Klavier mit Werken von Chopin und Benjamin Britten. Er wird auch am Samstag, 3. Dezember, um 17 Uhr in einer öffentlichen kirchlichen Danksagung Hambergers mit Pfarrer Andreas Zach Werke von Johann Sebastian Bach spielen.

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