Bald in "Schweinskopf al dente"

Eisi Gulp feierte 60. Geburtstag. Foto neu
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Eisi Gulp feierte 60. Geburtstag. Foto neu

Schauspieler, Kabarettist und Tänzer Eisi Gulp ist 60 Jahre alt geworden. Seine äußeren Markenzeichen sind ein durchtrainierter Körper und halblange Haare.

Als Privatperson nimmt er kein Blatt vor den Mund. Der geborene Münchener lebt im Chiemgau - und das sehr gerne, wie er im Interview bekundet. In diesem Gespräch geht es auch darum, dass seine Popularität in den letzten Jahren wieder enorm zugenommen hat.

∗ Herzlichen Glückwunsch, Eisi Gulp. 60 Jahre - wie ist das für Sie?

Bei meinem 40er- und auch beim 50er- habe ich mir überhaupt nichts gedacht, da ging in meinem Kopf nichts groß ab. Die "6" vor der Null ist schon ein bisschen eigenartiger. Aber es heißt ja: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an". Also habe ich genügend Zeit, um noch einmal richtig durchzustarten, und das habe ich auch vor.

∗ Sie sind ein waschechter Münchener. Warum sind Sie vor 25 Jahren in den Chiemgau gezogen?

Ich wurde als Werner Eisenrieder in München geboren. Ein Wundarzt Dr. Anton Eisenrieder eröffnete dort das erste königliche Hof- und Gesundheitsbad, 1783, wenn ich mich nicht irre. Aus diesem Geschlecht stamme ich. Ich habe irgenwann gemerkt, dass ich die Großstadt nicht mehr brauche, ich bin oft genug zum Arbeiten dort und glücklich über mein Refugium auf dem Land. Im Chiemgau bin ich von sehr angenehmen Menschen umgeben, und die Gegend ist wunderschön.

∗ Wie kam es zum Namen Eisi Gulp?

Der Eisi war ich wegen "Eisenrieder" schon als kleiner Bub. Und Gulp: Ich wollte einen Künstlernamen kreieren, der in kein Genre, in keine Nationalität passt, also völlig wertfrei.

∗ Ihre Schauspielerkarriere ist eigentlich verrückt. Sie wurden mit der männlichen Hauptrolle in Percy Adlons "Zuckerbaby" mit Marianne Sägebrecht Mitte der 80er-Jahre einem Millionenpublikum bekannt. Danach kamen meistens nur noch Nebenrollen, wenn auch bedeutende. Woran liegt das?

Ich war damals gleichzeitig so mit meiner Show beschäftigt. Ich hatte zwei Musiker, zwei wunderbare Jungs, mit denen ich zehn Jahre auf Tournee war - das war die Eisi-Gulp-Garbage-Comedy-Company. Das war eine Musik-Comedy-Show, etwas, was es so noch nicht gab. Deswegen hat es auch wahnsinnig gut funktioniert. Wir waren frisch, wir waren jung, und wir waren unheimlich unternehmungslustig.

∗ Sie waren Moderator bei der Kult-Jugendsendung "Live aus dem Alabama", Sie hatten eine Break-Dance-Show im Fernsehen, Sie treten heute noch bei der Drogenpräventation in Schulen auf. Aber als Schauspieler sind Sie damals nicht ernsthaft am Ball geblieben.

Das stimmt. Ich hätte wahrscheinlich als junger Typ noch mehr Hauptrollen spielen können. Dann bist du der junge Lover und der Action-Typ und was weiß ich alles. Je älter man wird, desto mehr geht es um die Nebenrollen. Filme werden durch die Bank eher auf jüngere Semester zugeschnitten. Im Lauf der Zeit habe ich aber auch gemerkt, dass einige Kollegen jammern, weil halt zwei Hauptrollen im Jahr finanziell nicht genügen. Wenn ich jetzt so schöne Nebenrollen kriege, aber dafür mehrere pro Jahr, dann ist das für mich super.

∗ Hat ein Eisi Gulp auch Existenzängste?

Nicht mehr. Hatte ich schon einmal. Das war während meiner Scheidungsphase. Da hing ein Damoklesschwert über mir, über einige Jahre, wo ich wirklich nicht wusste, wie komme ich aus diesem ganzen Schuldenwahnsinn raus. Jetzt ist alles hinter mir. Ich habe bei Null mehr oder weniger wieder angefangen. Die letzten fünf Jahre sind dafür einfach super gelaufen.

∗ Nach einer Zeit, in der man sich fragte, wo steckt er eigentlich, turnen Sie nun auf allen Fernsehkanälen herum, auch wieder in Kinofilmen. Wie ist das - eine Casting-Agentur sagt, wir brauchen einen originellen Typ mit einer gewissen Erfahrung?

Es gibt für mich immer bestimmte Nischen, immer ein bisschen so der Freigeist, der Abgestürzte, irgendwie. Aber während ich das sage, denke ich darüber nach, was ich in letzter Zeit für Rollen gespielt habe, und die sind doch ganz schön verschiedenartig geworden. Man hat mir sehr viel Schönes, ganz anderes angeboten, zum Beispiel die Rolle im "Landauer" als Präsident des TSV 1860 München.

∗ Wie ist es dazu gekommen?

Plötzlich rief mich der Hannes Steinbichler an und sagte, ich hätte da was mit dem Bierbichler. Das war für mich von vornherein eine große Ehre. Sepp Bierbichler, eine Urgewalt als Schauspieler. Da habe ich sofort zugesagt.

∗ Auch die Verfilmungen der schrägen Provinzkrimis von Rita Falk, "Dampfnudelblues" und "Winterkartoffelknödel", waren sehr erfolgreich. Im August 2016 kommt als Fortsetzung "Schweinskopf al dente" in die Kinos, und Sie sind wieder mit dabei. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Zum Abschlussfest beim Dreh hat uns der Cutter schon einmal Szenen gezeigt. Wir sind selber zusammengebrochen vor Lachen. Das ist ein sehr gutes Zeichen, weil man selber doch immer sehr kritisch ist. Ich glaube, das wird filmisch der beste und auch mit Abstand der lustigste Film von den dreien. Mein direkter Gegenspieler ist Sigi Zimmerschied, den ich liebe, für mich einer der besten Kabarettisten Deutschlands.

∗ Gibt es Charakterzüge, die Ihrer Karriere geschadet haben?

Ich habe nie ein Blatt vor den Mund genommen. Ich habe mich auch politisch geäußert, etwa dafür gesorgt, dass die rechte Wiking-Jugend, die sich erst so brav und harmlos gab, in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks über ihre wahren, haarsträubenden Ziele gesprochen hat. Eine Weile stand ich auf einer Art schwarzer Medienliste. Das ist lange her. Inzwischen hat der Sender längst wieder zu mir gefunden.

∗ Das sieht man nicht zuletzt daran, dass Sie in die Fernsehserie des Bayerischen Rundfunks "Dahoam is dahoam" eingestiegen sind. So etwas ist für einen Schauspieler nicht ohne künstlerisches Risiko.

Es war für mich eine schwere Entscheidung, ob ich das mache oder nicht. Dass man bei einer Daily Soap nicht immer Kunst machen kann, klar, das liegt in der Natur der Sache. Aber ich habe meine Vorurteile wirklich über den Haufen schmeißen müssen, weil ich sehe, da wird professionell gearbeitet. Der Vorteil ist, du hast jeden Tag frischen Text. Allein das ist schon ist eine Herausforderung, weil das deine Birne frisch hält. Es gibt nichts Besseres für die Gehirnzellen, als Text vorzutragen, zu lernen.

∗ Wird wirklich jeden Tag gedreht?

Vier oder fünf Tage in der Woche. Das ist harte Arbeit. Das Schöne ist, ich weiß meine Zeiten und bin sofort gefordert. Bei anderen Projekten ist es oft so: Rumstehen. Drei Stunden warten, bis man drei Minuten dran ist. Wieder warten, plötzlich hat man richtig was zu tun, dann wieder warten. Das kann sehr mühsam sein. Vor allem, wenn die Projekte nicht so toll sind und das Resultat auch nicht. Bei der Falk-Reihe ist es phänomenal. Da haben sich Leute getroffen, die sich saugut verstehen. Vor allem spielt keiner die Diva. Das sind bodenständige Leute, die wieder richtig Film machen wollen.

∗ Gibt es etwas in der Vergangenheit, worauf Sie besonders stolz sind?

Wenn überhaupt, dann darauf, dass ich mich jederzeit im Spiegel anschauen kann und weiß, ich habe mich nie verleugnet. Das ist mir mit Abstand das Wichtigste.

∗ Gibt es eine Traumrolle?

Das könnte unter Umständen ein Film sein, in dem ich mein Können als Comedian ausspielen könnte, ein Comedian, der sich selber spielt. So einer hat ja auch sein Privatleben. Bei mir liegen noch so viele Texte. Also, wenn ich diese Sachen noch einmal loswerden könnte oder einen Teil davon, das wäre dann schon eine Traumrolle.

Interview: Elvira Biebel-Neu

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