Bairische Sprachwurzel für Werner Schmidbauer: Der Dialektflüsterer der Prominenten

Hilft seinen Interviewpartnern „in den dialektalen Mantel“: Preisträger Werner Schmidbauer..
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Hilft seinen Interviewpartnern „in den dialektalen Mantel“: Preisträger Werner Schmidbauer..

Dem Liedermacher und Moderator Werner Schmidbauer wurde am Freitag die „Bairische Sprachwurzel“ des Bund Bairische Sprache verliehen. Der 58-Jährige aus Bad Aibling trage mit seinen Auftritten und Fernsehsendungen dazu bei, dass „Dialektsprecher nicht mit Gaudiburschen assoziiert werden“.

Regensburg/Bad Aibling – Sepp Obermeier hat es Richard Loibl nicht leicht gemacht. Weil die traditionelle Verleihung der „Bairischen Sprachwurzel“ beim Straubinger Gäubodenfest heuer coronabedingt nicht stattfinden kann, hatte der Vorsitzende vom Bund Bairische Sprache beim Direktor des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg angefragt, ob man den Festakt nicht in seinem Hause abhalten könne.

Kleiner Festakt im Museum

Es sei für eine Einrichtung des Freistaats dann schon eine Hürde gewesen, so Loibl, dass Obermeier kurz zuvor dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder via „Spiegel“ der Sprachschwäche geziehen habe. Franken, spottete Obermeier dabei, seien nur als „Dorfgendarm“ zu gebrauchen. „Zum Glück war ich in Urlaub und für die Staatskanzlei nicht erreichbar“, meint Loibl am Freitag bei seinem launigen Grußwort im kleinen Veranstaltungssaal des Museums, wo die Skulptur aus massivem Bayerwaldglas an den in Bad Aibling lebenden Moderator und Liedermacher Werner Schmidbauer überreicht wurde.

Der 58-Jährige sei einer, der seit Jahrzehnten seinen mittelbairischen Dialekt nicht versteckt, gerade auch abseits der Bühne, so Obermeier. „Werner Schmidbauer ist der ‚Prominenten-Dialektflüsterer‘, der in seinem TV-Sendungsformat ‚Gipfeltreffen‘ das Dialektvermeidungs-Eis seiner prominenten Interviewpartner seit Jahren zum Schmelzen bringt.“ Sei es nun beim Passauer Bischof Stefan Oster oder bei der Landtagspräsidentin Ilse Aigner – letztere habe sich vor Fernsehkameras noch nie als Mundartsprecherin zu erkennen gegeben. „In Schmidbauers Bergtour-Sendereihe knickte sie bereits an der Talstation dialektal ein und erreichte den Gipfel hundertprozentig auf Mittelbairisch.“

Schmidbauer habe das seltene Talent, seinen prominenten Interviewpartnern „in einen dialektalen Mantel zu helfen“, so Obermeier. Damit entspreche er voll und ganz den Preisvergabekriterien der Bairischen Sprachwurzel. „Werner Schmidbauer trägt eindrucksvoll dazu bei, dass Dialektsprecher nicht mit Gaudiburschen assoziiert werden.“

Schmidbauer, der seit 1970 als Liedermacher aktiv ist und seine Karriere beim Bayerischen Rundfunk in den 80ern als Moderator von „Live aus dem Alabama“ begann, bekennt am Freitag, dass er gar nicht anders könne, als Dialekt zu sprechen. Einmal habe er probiert, einen Liedtext auf hochdeutsch zu schreiben. „Es war furchtbar.“ Und manche Worte, wie „zeitlang“, die gebe es eben auch nur im Bairischen.

Und die Tuba spielt dazu

Für eine Premiere bei der diesjährigen Verleihung sorgt Laudator Andreas Hofmeir, Professor für Tuba am Salzburger Mozarteum. Er sorgte gemeinsam mit Schmidbauer nicht nur für die musikalische Untermalung des Festakts vor knapp 100 Gästen, sondern trug seine Laudatio in durchweg gereimter Form vor. Schmidbauer sei zwar aufgrund seiner aus Danzig stammenden Mutter „a hoiba Preis“, aber er habe sich – wie man sehe – mehr als integriert, so Hofmeir.

Die „Bairische Sprachwurzel“ wird seit 2005 verliehen. Zu den früheren Preisträgern zählen Papst Benedikt XVI., der sie 2006 im Vatikan überreicht bekam, Hans-Jürgen Buchner (Haindling), die Kabarettistin Luise Kinseher und „Dialektpapst“ Ludwig Zehetner. Im vergangenen Jahr erhielt Museumsdirektor Richard Loibl die Sprachwurzel. Er sei mittlerweile einer der wenigen bairisch sprechenden Ministerialbürokraten, sagt Loibl in seiner Begrüßung. Fast alle anderen sprächen hochdeutsch. „Da muss man fast schon über einen Franken froh sein.“

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