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Bairische Schärfung in Ortsnamen

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„Die Bairische Schärfung im Ortsnamen“: Erwartungsvoll freuen sich die Mitschüler auf den Vortrag ihrer Kameradin Celin, der in wenigen Augenblicken beginnen wird.

Zuerst begrüßt die Celin ihre Schulfreunde mit einem freundlichen, in astreinem Bairisch gehaltenen „a guads Neis!“, was heutzutage am bayerischen Gymnasium beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Aber dann testet sie sogleich die Sprachkenntnisse ihres Publikums, damit dieses auch versteht, was die scharfen, nein, die Schärfung in bayerischen Ortsnamen auf sich hat.

„Also, Leute, was passiert mit den Lauten p, t, k auf dem Weg vom Germanischen zum Althochdeutschen?“ – „Kein Problem“, meint Norman. „P wird zu pf, wie pund zu Pfund, t wird zu ts, später geschrieben als z, wie tide zu Gezeiten und Zeit, k wird zu kch, wie korn zu Kchorn, aber letzteres nur im Oberdeutschen. So spricht heutzutage nur noch ein Tiroler wie Hansi Hinterseer.“ Gelächter im Kursraum. „Sehr richtig, Norman! Für einen Nordmann aus Hannover sind das gute Kenntnisse des Hochdeutschen, das ja gerade nicht aus dem Norden stammt. Aber nun gab es für die Menschen ab dem Jahre 750, aus dem wir die ersten schriftlichen Zeugnisse des Althochdeutschen haben, ein Problem: Die Laute p, t, k waren verschwunden. Was tun?“ Schweigen im Kursraum. Celin fährt fort.

Die Sprecher der neuen Sprache „Hochdeutsch“ sprachen quasi in einer logischen Abfolge daraufhin die weichen Laute b, d und g als p, t und k aus. Das nennt man gerne „Bairische Schärfung“, weil dieser Lautwandel am konsequentesten in unseren Regionen durchgeführt worden ist. Also: Was wurde wohl aus Bach, Arijon?“ „Pach, oder?“ „Genau. Und wie wurden nun germanisch dala und daga realisiert, Zilan?“ Die angesprochene Schülerin folgert richtig: „Tal und Tag.“ Da bemerkt Sabrina ganz spontan: „Ach, deswegen haben wir diese Unterschiede zum Englischen: Tag, aber day, tun, aber to do. Oiss klar!“ Ganz recht, Sabrina“, lobt die Celin. Aber eure Aufgabe ist es nun, anhand der Studie von Hans Meixner, „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ genau solche Namen herauszusuchen, auf die der Wandel von b, d, g zu p, t, k und womöglich wieder zurück zu b, d, g zutrifft. Auf geht’s!“

Der Computerraum füllt sich nun mit den typischen Tastaturgeräuschen, und bald sind die ersten Ergebnisse da. Melanie ruft: „Geht mal auf Aibling. Schaut, was wir da haben: Im Jahre 804 Epiningas und Eibilingas zugleich. 927 Epilinga, 1080 Eiplinga und Eiblinge. Ab 1224 kommt dann keine p-Schreibung mehr vor. Das war wohl ein harter Kampf zwischen der p- und b-Aussprache damals!“ „Wer hat ein weiteres Beispiel hier?“ fordert Celin auf. „Hier“, ruft Merkur. „Hey, das schreibt sich aber komisch: Perchuuillingun! Kaum zu glauben: Dies wird über Bergwilling zu Berbling!“ „Und wird das scharfe p immer zurückgenommen, oder nicht?“, fragt die Referentin. „Da hab ich was gefunden“, sagt Thomas. „Pietzing heißt 924 Piecinga und behält sein scharfes P die ganze Zeit bis heute, obwohl es vom Personennamen Biezo oder Bieza (weiblich) herzuleiten ist. Ähnlich ist es mit Prutting. Dieses heißt 924 Pruttinga, 1130 Prutinga, aber 1143 Bruttingen. 1170 dann wieder Pruttingen, bis zum heutigen Prutting.“ „Aber wie ist die heutige Aussprache?“ – „Brutting“, wirft der Kursleiter ein. Er fügt an, dadurch werde die Herleitung von einem Personennamen vom Stamme Brot, wie es bei Meixner heißt, bestätigt.

„Aber noch spannender finde ich den Wechsel von d zu t und wieder zurück zu d“, meldet sich Carolina. Schaut her: Es gibt ein Degerndorf und ein Törwang. Nichts Auffälliges eigentlich, aber jetzt kommt’s: Beide kommen von einem erschlossenen althochdeutschen Wort tegar – oder degar? Es bedeutet „groß“. Degerndorf hieß 814 Tegardorf, noch 1280 Tegerndorf, Törwang hieß 1120 Tegirnwanch und hat das T bis jetzt, anders als Degerndorf, beihalten.“ „Nicht in der Aussprache“, kontert Arijon. „Die Einheimischen sagen Diaween!“ Celin sagt hierzu abschließend: „Somit wurde auch bei Törwang die Schärfung von d zu t, die im frühen Mittelalter durchgeführt wurde, zumindest per Aussprache wieder zurückgenommen; bei Degerndorf aber sogar im Schriftbild.“

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